Als die Rodau über die Ufer trat

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Auf Fußhöhe befindet sich der Gedenkstein aus dem Jahr 1910. Gerhard Kratz (Foto) hat ihn in den 50-er Jahren mit seinem Vater in die Einfriedung des Hauses Wiesenstraße 8 eingemauert.

Dudenhofen ‐ Eine verheerende Überschwemmung hat Dudenhofen heute vor 100 Jahren heimgesucht. Ein unscheinbarer Gedenkstein an der Wiesenstraße erinnert daran. Von Andreas Pulwey und Ekkehard Wolf

„Es war am 21. Mai 1910, der Tag war schwül und zeigte viele Gewitterwolken mit reichen Niederschlägen bis zum späten Abend.“ Fast wie eine Reportage beginnt der Text der Gedenktafel, die als vergilbtes Blatt Papier in einem Bilderrahmen am Maschendrahtzaun hängt.

Schwarze Gewitterwolken türmten sich an jenem Samstag nach Pfingsten über Ober-Roden, fünf Kilometer Luftlinie von Dudenhofen entfernt. Gegen 20 Uhr, so die historische Schilderung, beobachtete man wolkenbruchartigen Regen über Ober-Roden - noch ohne zu ahnen, welche schlimmen Folgen sie für Dudenhofen haben sollten. Gegen Mitternacht traf eine Hochwasserwarnung aus Nieder-Roden ein. „Um 12 ¾ Uhr kam dann auch mit rauschendem Getöse das verheerende Element, das so manchen Bürger mit schwerem Schaden heimsuchte“, heißt es auf der Gedenktafel.

Das ganze Ausmaß wurde am nächsten Morgen sichtbar: Die Wassermassen hatten eine Fläche vom heutigen Opel-Testzentrum bis zur Wiesenstraße überflutet. Mit Erleichterung reagierten die Dudenhöfer, als das Wasser endlich zurückging. Da „wurde es jedem Herzen leichter“, wie die damaligen Zeitgenossen notierten. Noch in derselben Stunde habe man beschlossen, die Höhe des Wasserstandes mit einem Gedenkstein für die Nachwelt zu kennzeichnen.

Im Jahr des Hochwassers Musikverein gegründet

Zwei Dutzend Handwerker und Bauern aus dem Ort legten zusammen und stifteten den Gedenkstein, den Steinbildhauer Peter Reining unter Mitwirkung von Heinrich Jakob Keck errichtete. Auch die Namen der Stifter haben die Zeiten überdauert. Sie stehen auf einer Urkunde, die der damalige Bürgermeister Kratz mit Unterschrift und Siegel beglaubigte. Eine Abschrift hängt heute als Gedenktafel am Gartenzaun.

Die Inschrift des 32 Zentimeter hohen Gedenksteins aus dem Jahr 1910 ist nur noch mit Mühe zu lesen, obwohl die Schrift teilweise mit dunkler Farbe nachgezogen ist. Gerhard Kratz hat den alten Gedenkstein in den 50-er Jahren mit seinem Vater in die Einfriedung des Grundstücks Wiesenstraße 8 eingemauert. Zuvor war der Stein durch Baumaßnahmen mehrfach versetzt worden.

Im Jahr des Hochwassers wurde in Dudenhofen auch der Musikverein gegründet, der nun sein 100-jähriges Bestehen feiert. Für die Feierlichkeiten am Pfingstwochenende erwarten die Musikanten nach den jüngsten Vorhersagen besseres Wetter.

Quelle: op-online.de

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