Schöne Träume auf Knopfdruck?

Ermittlungsbehörden haben Automat mit „Cannabis Chocolate“ im Blick

Blick durch die Scheibe des „Cannamat“.
+
Blick durch die Scheibe des „Cannamat“.
  • Bernhard Pelka
    vonBernhard Pelka
    schließen

Ein Süßigkeiten-Automat sorgt in Rodgau für Irritationen. Es bestehen Zweifel an der Legalität der verkauften Süßigkeiten.

Rodgau – Anwohner der Isarstraße sind irritiert, und Ordnungsdezernent Michael Schüßler zeichnet der Gedanke an den sehr speziellen Süßigkeitenautomaten dort Sorgenfalten ins Gesicht. Ein Darmstädter Unternehmen hat im ehemaligen Back-Shop einen Automaten aufgestellt, an dem sich die Käufer hanfbasierte Riegel, Schokolade und Aromablüten ziehen können. Zum Beispiel „Cannabis Chocolate“ für fünf Euro oder eine „Hanf-Marzipan-Schnitte“ für zwei Euro. Teurer sind die Aromablüten. Sie haben vielversprechende Namen wie „Sky Walker“ (15 Euro).

Zwei „Cannamaten“ stehen auch schon in Darmstadt, ein weiterer in Höchst im Odenwald. In Medienberichten versichert einer der Betreiber: „Es sind freiverkäufliche Hanfprodukte mit und ohne Cannabidiol.“ Verpackungen weisen – neben dem CBD (Cannabidiol) – einen weiteren Inhaltsstoff aus: Tetrahydrocannabinol (THC), das in bestimmten Konzentrationen berauschend wirkt. Die freie Verkäuflichkeit THC-haltiger CBD-Produkte ist mit Grenzwerten (unter 0,2 Prozent) belegt.

Laut Medienberichten war der bundesweit erste CBD-Automat Ende 2018 in Trier aufgestellt – und von der Polizei schnell geschlossen worden. Die Produkte sollen neben dem erlaubten Wirkstoff Cannabidiol (CBD) auch THC in zu hoher Konzentration enthalten haben. Es heißt, ebenfalls ein Automat im bayrischen Neufahrn sei wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz konfisziert worden. Mitte Juni hatte die Stadt Köln den Verkauf von Lebensmittel, die Cannabidiol (als „CBD-Isolate“ oder „mit CBD angereicherte Hanfextrakte“) enthalten, untersagt. Traditionelle Naturextrakte aus Teilen der Hanfpflanze sind von diesem Verkaufsverbot allerdings ausgenommen.

Das Polizeipräsidium Südhessen wird damit zitiert, es sehe im Darmstädter Fall keinen Anlass, den „Cannamat“ zu beschlagnahmen. Es gebe keine Reglung, dass der Verkauf strafbar sei. Wie es im Rollwälder Fall um die Legalität der Inhaltsstoffe bestellt sei, werde trotzdem „von den staatlichen Ermittlungsbehörden geprüft“, sagt Stadtrat Michael Schüßler. Jugendschutzeinrichtungen an dem Automaten in der Isarstraße sollen verhindern, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zugreifen. Um Ware ziehen zu können, müssen Kunden als Altersnachweis einen Personalausweis oder Führerschein durch ein Lesegerät ziehen. Das erläutert eine Art Betriebsanleitung, die am Automat klebt: „Produkt wählen, Alter nachweisen, bezahlen, entspannen.“

(Von Bernhard Pelka)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare