4550 Grabsteine unter der Lupe

Wackelt er oder wackelt er nicht?

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Stephan Koch setzt den Hebel an und prüft mit seinem Kraftmessgerät die Standfestigkeit eines Grabsteins auf dem Weiskircher Friedhof.

Rodgau - Stephan Koch setzt den Hebel an und drückt die Messplatte gegen die Rückseite des Grabsteins. Seine Geräte zeigen an: alles in Ordnung. Der Stein steht fest. Mitarbeiter einer Fachfirma spüren derzeit Wackelkandidaten auf allen sieben Stadtteilfriedhöfen auf.

4550 Grabsteine nehmen sie unter die Lupe. 2013 fielen bei dieser Prüfung 184 Steine durch. Die Friedhofsabteilung der Stadtwerke markiert wackelige Grabsteine mit grünen Aufklebern. Verbunden ist das mit der Aufforderung, den Schaden umgehend zu beheben. Noch bis 2012 machte ein Friedhofsmitarbeiter bei solchen Gelegenheiten immer die Rüttelprobe. Das war für den Mann nicht nur super anstrengend und relativ ungenau, sondern zog zuweilen auch Ärger mit Angehörigen nach sich. Manche waren davon überzeugt, der Grabstein habe felsenfest gestanden - bis zu der leidigen Rüttelprobe.

Die Prüfung ist eine Pflichtaufgabe und dient der Sicherheit der Friedhofsbesucher, Gärtner, Steinmetze und anderer. „Die Berufsgenossenschaft Gartenbau schreibt die Prüfung jährlich vor“, sagt Stephan Koch. Sein markanter Dialekt verrät sofort, wo sein zertifizierter Arbeitgeber BSK zuhause ist: bei Berlin. Mit einem Kraftmessgerät übt Koch - je nach Größe des Steins - bis zu 500 oder 300 Newton Druck auf die Oberkante des Steins aus. Und das zwei Sekunden lang kontinuierlich zunehmend. Dabei darf das Grabmal sich keinen Millimeter bewegen, sonst schlägt das Gerät an: Prüfung nicht bestanden!

Bestattung auf Britisch

Bestattung auf Britisch

Die Messgeräte dokumentieren den Verlauf der Prozedur in Diagrammen. Überdies fotografiert Koch jeden kritischen Stein. Das sei bei Reklamationen von Angehörigen sehr hilfreich, weiß der Fachmann. Praktisch: Eine Schnittstelle in den Messcomputern erlaubt bei Bedarf die Verbindung mit Friedhofsverwaltungsprogrammen, wie Kommunen sie gerne nutzen. Meist rosten bei Grabsteinen mit den Jahren die Dübel durch, die den Stein mit seinem Fundament verbinden. Die Instandsetzung kostet bis zu 350 Euro.

bp

Quelle: op-online.de

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