Rodgau(er) Art

Ausstellung als bunte Visitenkarte

+
„Haltlosigkeit“ drückt Stephanie Mohr mit dieser Stuhlinstallation aus.

Nieder-Roden - Kunst hat die unterschiedlichsten Facetten und ist nahezu unbeschreiblich. Zur Kunstausstellung „Rodgau(er) Art“ im Bürgerhaus Nieder-Roden waren Werke von mehr 50 Künstlern zu sehen, die sich vielen Themen mit verschiedenen Techniken und Materialien widmeten.

Von Bastelei, Schnitzerei, Malerei, Fotografie und festen Installationen war für die Besucher viel zu entdecken. Gezeigt wurden farbenfrohe Abbilder von Landschaften und Tieren, abstrakte Gebilde und nachdenkliche und kritische Szenen. So unterschiedlich die gezeigten Arbeiten so verschieden auch die dahinter stehende Motivation, die Werke zu schaffen und auszustellen.

„Kunst machen ist das eine, Kunst zu zeigen etwas anderes“, erklärte Winno Sahm beim Werkstattgespräch, dass diese beiden Dinge zusammengehören müssen. Mit Monika Jäger, Jan Bürli und Wolfgang Friedrich diskutierte er über die Präsentation von Kunstwerken. „Warum zeigt ihr eure Kunst?“, war die erste Frage, die bereits die verschiedenen Motivationen aufzeigte. Während sich Wolfgang Friedrich dadurch Selbstbestätigung holt, möchte Monika Jäger ruhig auch kritische Worte hören. Ihr sei es wichtig zu erfahren, was andere beim Anblick ihrer Werke denken. Und zuletzt gehört die Präsentation notwendigerweise dazu, wenn man etwas verkaufen möchte.

Künstler und Werke

Doch auch das „Wie“ kann sich bei den Künstlern und Werken unterscheiden. „Die menschliche Wahrnehmung ist ungerecht“, führte Sahm und sprach damit besonders die junge Künstlerin Monika Jäger an, deren Werke recht klein waren und so auf anderem Wege Aufmerksamkeit bekommen mussten. Bei der Frage, wie viel ein Künstler zeigen sollte, fand Jan Bürli klare Worte. Bloß nicht zu viel, eine Ausstellung sei nur die Visitenkarte eines Künstlers. Das gesamte Portfolio könne man bei einem Besuch im Atelier präsentieren.

Winno Sahm (Foto) und Katharina Krug führten Besucher am Wochenende durch die Ausstellung. Die Vernissage am Freitag war noch besser besucht als in den Vorjahren. (Bild vergrößern)

Verschieden sind auch die Menschen, die als Künstler ihre Werke schaffen. Heike Meßemer sitzt unter der Woche im Büro und schafft sich so einen Ausgleich. Ihre Fantasiewelten zogen die Besucher magisch in ihren Bann. Die Ergebnisse monatelanger Arbeit, von der ersten Idee über die Entwurfszeichnung bis hin zum fertig gerahmten Bild, zeigten die als „Composing“ bezeichnete surrealistische Bildbearbeitung am Computer. Ihre „Hommage an Nieder-Roden“ zeigt einen Querschnitt durch alle Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten des Stadtteils, arrangiert als kleine Insel auf einem Ponton am Badesee. Triathlon-Läufer tauchen aus dem Wasser auf, Bürgermeister Jürgen Hoffmann steht auf einem Pier und im Hintergrund sind Bürgerhaus und Kirche perspektivisch korrekt mit passenden Schatten angeordnet. „Ich liebe es etwas zu schaffen, was es so nicht gibt, aber so geben könnte“, erklärt sie ihre Leidenschaft.

Gabriele Husarik aus Bad Vilbel war zum zweiten Mal dabei. Die studierte Grafikdesignerin hat zwar nie in ihrem Beruf gearbeitet, aber schon immer gerne gezeichnet. Vor zwei Jahren kam sie zur Acrylmalerei und ist immer gespannt darauf, wie die Leute auf ihre Bilder reagieren.

Kunstaustellung „Rodgauer Art 12“

Kunstaustellung „Rodgauer Art 12“

Franz Stockendreher aus Nieder-Roden liebt es auch, etwas mit eigenen Händen zum Leben zu erwecken. So etwa sein komplett aus Ton gefertigter Aztekengott. Rund 150 Stunden hat er in die große Skulptur investiert. Der gelernte Kunstschmied hat erst im Ruhestand wieder Zeit und Lust an der kreativen Arbeit. Rund 80 Objekte sind schon entstanden, die meisten hat er verschenkt. Den Aspekt der Außenwirkung von Kunst erfuhr auch die 21-jährige Miriam Kaichouh, die vor vier Jahren dem Künstler Frank Unrein begegnet war und seitdem kreativ tätig ist.

Kunst ist aber nicht nur Ansichtssache, sondern kann auch provozieren und zum Nachdenken anregen. Das bewies die Installation von Jan Bürli. Er arrangierte einen Sarg, ein heiliges Kreuz, eine spärlich begleitete Frau und Schlagworte wie „Verbot der Folter“,“ Asylrecht“, „Gleichbehandlung“, „Unschuldsvermutung“ mit der Aufforderung: Erlebt euch!

pep

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare