Hilferuf aus dem Rathaus

Auch Rodgau baut für Flüchtlinge

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Rodgau - Zum Neubau einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge hat der Magistrat 2,8 Millionen Euro in den Haushaltsplan 2015 eingestellt. Rodgau ist laut Magistrat möglicherweise die einzige Stadt im Kreis Offenbach, die einen solchen Neubau plant. Von Ekkehard Wolf 

„Im Moment stehen wir mit den Überlegungen zum Bau einer solchen Unterkunft mutterseelenallein“, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler gestern vor der Presse. Selbst bei Modulbauweise müsse man mit mehreren Monaten Vorlaufzeit rechnen. Dies zeige die Erfahrung mit dem jetzt beginnenden Bau des kreiseigenen Flüchtlingsheims an der Borsigstraße. Schüßler: „Man kann nur alle Beteiligten aufrufen, rechtzeitig mit der Planung zu beginnen.“ Der Kreis Offenbach solle dabei eine koordinierende Rolle übernehmen: „Da geht es auch um die Steuerung von Investitionen.“

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Baubeginn für Flüchtlingsheime

Die Stadt Rodgau habe bereits 25 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet. Es werde jedoch zunehmend schwieriger, freie Räumlichkeiten zu finden. Am Bau einer eigenen Gemeinschaftsunterkunft komme die Stadt deshalb nicht vorbei. Bei 16 Neuankömmlingen pro Monat werde der Neubau an der Borsigstraße innerhalb von fünf Monaten voll belegt sein. „Das ist kein Phänomen, das sich bis zum nächsten Sommer in Luft auflöst“, betonte Sozialdezernent Schüßler. Weltweit seien viele Millionen an Menschen auf der Flucht. Allein in diesem Jahr nehme die Bundesrepublik rund 200.000 Menschen auf. Anfang der 90er Jahre seien sogar doppelt so viele Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Aus Erfahrung sei damit zu rechnen, dass etwa 70 Prozent der Menschen auf Dauer hier bleiben.

Michael Schüßler sieht die Bundes- und die Landesregierung in der Pflicht: „Man muss einmal zur Kenntnis nehmen, dass die Kommunen und die Landkreise am Rand ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind.“ Es sei auch sinnvoll, den Zahlenschlüssel für die Aufteilung der Flüchtlinge zu überdenken. Derzeit würden Neuankömmlinge in Hessen bevorzugt in Ballungsgebiete geschickt. Die Folge sei ein zusätzlicher Druck auf den ohnehin überlasteten Wohnungsmarkt, während preiswerter Wohnraum in ländlichen Regionen leer stehe. In Zahlen: Der Kreis Offenbach nehme 5,5 Prozent der Flüchtlinge auf, die in Hessen ankommen, der Landkreis Odenwald nur 0,5 Prozent. Allein auf Rodgau entfielen so viele Flüchtlinge wie auf den ganzen Odenwaldkreis.

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Die Aufnahme der Flüchtlinge müsse „für uns alle eine nationale Aufgabe sein“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Freitag in einer Veranstaltung des Ausländerbeirats. Dabei gehe es nicht nur um nur die durchorganisierte Aufteilung der Menschen, sondern auch um Willkommenskultur und Integration: „Nicht alle kommen, um zu bleiben. Aber die, die bleiben wollen, sollen auch die Möglichkeit haben, hier zu leben.“ Ein großes Netz an mehr als 100 Ehrenamtlichen begleite und betreue die Neuankömmlinge im Alltag. Das Besondere daran sei, „dass dieses Netzwerk weitgehend leise arbeitet“. Die Unterstützung der Flüchtlinge sei für die Helfer offenbar eine Herzensangelegenheit: „Danke für die Zeit, die Sie investieren, für die Ideen, die Sie entwickeln und umsetzen.“

Quelle: op-online.de

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