Hoffnung auf Geldgewinn

Betrug mit Anwaltsbrief

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Rodgau - Sie nennen sich Notare, Rechtsanwälte und Fachanwälte: Eine Kanzlei „Panagiotis & Becker“ aus Hamburg kündigt in Briefen einen Geldgewinn von 65.000 Euro an. Der angebliche Anwaltsbrief ist reine Abzocke. Von Ekkehard Wolf

In der Redaktion unserer Zeitung haben sich bereits drei „Hauptgewinner“ gemeldet. Auf den ersten Blick wirkt das Schriftstück seriös. Ein Kanzlei-Briefkopf mit fünf Namen, das Wappen der Hansestadt Hamburg, ein eingedrucktes Wasserzeichen. Im Text ist die Rede von einer „jährlichen Verlosung der Versand- und Verlagshäuser“, deren Kunden „systembedingt“ in die Verlosung einbezogen worden seien.

Der Gewinner soll allerdings erst mal bezahlen, und zwar per SEPA-Überweisung in die Schweiz. Für den Werttransport des Geldkoffers aus der Schweiz falle eine einmalige Zollgebühr an, heißt es zur Begründung. Was sind schon 833, 872 oder 880 Euro bei der Aussicht auf einen Koffer voll Geld? Dennoch ist Skepsis angebracht: Warum soll ausgerechnet der Gewinner bezahlen? Und wieso liegt das Geld in der Schweiz?

Beim zweiten Blick macht der angebliche Anwaltsbrief auch äußerlich stutzig: billiges Büropapier, Wappen aus dem Tintenstrahldrucker, im Briefkopf tanzen die Zeilen. Eine Suche im Internet zeigt, dass die Kanzlei „Panagiotis & Becker“ in Hamburg nicht existiert. Die angegebenen Namen der Notare und Rechtsanwälte sind weder bei der Hamburgischen Notarkammer noch im amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer bekannt. Auch unter der Adresse „Lange Reihe 34“, zwei Straßen von der Alster entfernt, ist zwischen Aids-Hilfe und Balkan-Shop keine Kanzlei zu finden.

Die Telefonnummer, bei der sich Gewinner wegen der Geldübergabe melden sollen, gehört einem Hamburger Privatanschluss. Der Mann meldet sich in zurückhaltendem Ton. Kein Wunder: Seit Anfang der Woche rufen wildfremde Leute bei ihm an. „Polizei und Staatsanwaltschaft sind eingeschaltet“, sagt er. Auch im Polizeipräsidium Südosthessen (Offenbach) ist der Fall bereits bekannt. Einer der Gewinnbriefe ging an Friedrich Gerritz in Nieder-Roden, der sowohl in seiner beruflichen Laufbahn (Bauleiter) als auch in der Kommunalpolitik stets ein Mann der Praxis war. „Ich habe natürlich gleich die Polizei informiert“, berichtet er.

„Schreiben mit falschen Gewinnversprechungen sind ein häufiges und bundesweites Phänomen“, berichtet Tobias Murch von der Pressestelle der Polizei in Offenbach: „Der Empfänger muss misstrauisch werden, wenn er an keinem Gewinnspiel teilgenommen hat und wenn er (...) vorab einen Geldbetrag überweisen soll.“ Die Kripo rät, nicht zu bezahlen. Im Zweifelsfall sollten sich Betroffene an die Polizei wenden.

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Wer bereits einen Geldbetrag entrichtet hat, sollte eine Strafanzeige erstatten. Denn eine Überweisung lässt sich nicht rückgängig machen. „Wenn die Gutschrift erfolgt ist, gibt es keine Möglichkeit mehr“, erklärt Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt. Nur während der Bearbeitung könne man versuchen, die Überweisung zurückzurufen: „Es gibt aber keine Garantie.“ Übrigens: Die angebliche Zollgebühr für die Einfuhr von Bargeld ist eine Erfindung. Beträge ab 10.000 Euro muss man beim Zoll jedoch schriftlich anmelden.

Quelle: op-online.de

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