Moorfrosch ist vom Aussterben bedroht

Stadt will blaue Frösche retten

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Ganz in Blau quaken die Moorfrosch-Männchen während der Laichzeit im Frühjahr. Am Frachtpostzentrum Nieder-Roden kann man allerdings nicht so viele Moorfrösche auf einmal beobachten. Das Foto entstand an einem Weiher in der Elbtalaue in Niedersachsen.

Nieder-Roden - Kann Rodgau dazu beitragen, den Moorfrosch vor dem Aussterben zu retten? Die Stadt versucht es seit Jahren. Das nächste Projekt: Ein neuer Teich im Wald südwestlich des Frachtpostzentrums soll den Lebensraum der bedrohten Art erweitern. Ende Oktober sollen die Erdarbeiten beginnen.

Der Moorfrosch ist einzigartig. Zur Paarungszeit im Frühjahr wechseln die Männchen ihre Farbe: Für ein paar Tage werden sie bläulich oder sogar himmelblau. Den Rest des Jahres ist ihre Haut eher unscheinbar braun gefärbt. Von anderen Braunfrosch-Arten (Gras- und Springfrösche) sind sie dann kaum zu unterscheiden. Früher waren die „Blaumänner“ in den hessischen Flussauen von Rhein, Main, Nidda oder Gersprenz weit verbreitet. Jetzt kommen sie nur noch in zwei Gebieten Hessens vor. Das größere dieser Gebiete liegt am Kühkopf, das kleinere zwischen Rodgau und Babenhausen. Am Frachtpostzentrum Nieder-Roden leben noch etwa 50 bis 100 dieser Tiere.

Seit 2009 bemüht sich die Stadt Rodgau, die Moorfroschpopulation in Nieder-Roden zu stabilisieren. Die Amphibien brauchen Feuchtgebiete, nasse Wiesen oder Moore, um sich fortzupflanzen. Zunächst ließ die Stadt zwei Tümpel am Frachtpostzentrum und einen Tümpel im Stadtwald verbessern. Ende 2012 wurde ein neuer Tümpel im Wiesenzug der Nieder-Rodener Lache angelegt. Dort waren zwei Jahre zuvor Moorfrösche beobachtet worden. Die seltenen Frösche leben nicht immer dort, wo man sie vermutet. Das zeigte sich bei Geländebegehungen in diesem Jahr. Drei Tümpel südlich des Frachtpostzentrums eignen sich zwar als Lebensraum, aber Moorfrösche ließen sich dort nicht nachweisen. Die Stadt und der beauftragte Biologe Thomas Bobbe (Darmstadt) halten es für sinnvoll, einen zusätzlichen Laichtümpel an der Grundseeschneise anzulegen. Sie verbinden damit die Hoffnung, dass er als so genanntes „Trittsteinbiotop“ den Fröschen einen Weg zu anderen Laichgründen eröffnet.

Ein vernässter Standort im Wald war dank Revierförster Peter Bangert schnell gefunden. Dort wird ab Ende Oktober ein flacher, rundlicher Tümpel von etwa 3500 Quadratmetern angelegt. An der tiefsten Stelle soll er 80 Zentimeter tief sein. Die natürlichen Ton- und Lehmschichten verhindern, dass das Wasser versickert. Dennoch dürfte der Teich im Hochsommer austrocknen. Zu dieser Zeit haben sich die Kaulquappen aber längst zu Fröschen entwickelt, die an Land leben.

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Rund 36.000 Euro lässt sich die Stadt Rodgau den neuen Froschteich kosten. Der größte Teil dieses Geldes stammt aus dem ehemaligen Umweltfonds, mit dem bis 2012 viele Einzelmaßnahmen von Privatleuten gefördert wurden. Biologe Thomas Bobbe rechnet damit, dass es mindestens fünf Jahre dauert, bis sich der Teich als Laichgewässer für Moorfrösche eignet.

„Für dieses Projekt können nach erfolgreicher Entwicklung des Biotops knapp 90.000 Biotopwertpunkte erzielt werden“, schreibt Bürgermeister Jürgen Hoffmann in einer Mitteilung an die Stadtverordneten. Diese Biotopwertpunkte dienen bei Bauvorhaben als Verrechnungswährung für den Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft.

eh

Quelle: op-online.de

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