Kollege dringend gesucht

Dudenhöfer Allgemeinmediziner in Sorge um ärztliche Versorgung

Dr. Ingomar Naudts ist in Sorge um die Arzt-Dichte in Rodgau. Foto: Pelka
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Dr. Ingomar Naudts ist in Sorge um die Arzt-Dichte in Rodgau.

Die Schließung der Weiskircher Kinderarztpraxis Ende Januar war nur ein Vorgeplänkel. Die ärztliche Versorgung in Rodgau wird noch schlechter werden. Das fürchtet Dr. Ingomar Naudts.

Rodgau –  Der Facharzt für Allgemeinmedizin macht seine Sorge um die Patienten an einer bedenklichen Entwicklung in seiner eigenen Praxis in Dudenhofen fest. Zwar denkt der 70-Jährige noch lange nicht ans Aufhören. „Ich bin fit und arbeite gerne. 70 ist das neue 60“, sagt der Arzt zuversichtlich. Für seine Praxis sucht er trotzdem seit gut einem Jahr einen Kollegen oder eine Kollegin, um die Zukunft des Betriebs übers ganze Jahr hinweg auf noch mehr Beine zu stellen.

Alle Bemühungen blieben bislang ohne Erfolg. Dabei könnten sich Interessenten ins gemachte Nest setzen. „Ich habe ein prima Praxisteam, einen treuen Stamm an netten Patienten, eine ausgezeichnete medizinische Ausstattung und sogar eine Bank, die zur Finanzierung bereitstünde. Wer möchte, könnte ohne Übergangsprobleme sofort einsteigen“, beschreibt Naudts rosige Aussichten. Der Arzt hat Anzeigen geschaltet, seine guten Kontakte zu Kliniken genutzt und noch andere Hebel in Bewegung gesetzt. Nichts fruchtet. Dass keiner anbeißt, spiegelt für ihn ein grundsätzliches Problem: „Meine Praxis steht exemplarisch für die Situation im Raum Frankfurt. Junge Ärzte beschweren sich zwar über Dauerstress in Kliniken und über die schlechte Bezahlung. Trotzdem scheuen sie die Selbstständigkeit. Als Allgemeinarzt sowieso. Lieber absolvieren sie eine Facharztausbildung oder gehen in die Industrie.“

Der erfahrene Praktiker ist davon überzeugt, dass Städte wie Rodgau mit dem Nachfolgeproblem künftig noch mehr zu kämpfen haben werden als bisher. Die niedergelassenen Ärzte werden älter, Ersatz ist nicht zu bekommen. „Da bringt es nichts, ständig nach der Kassenärztlichen Vereinigung zu rufen. Die kann auch keine Ärzte herbeizaubern.“

Der Spezialist für Naturheilverfahren und Homöopathie sieht auch die Städte gefordert, jungen Ärzten Anreize zu bieten:

.   Das finanzielle Risiko senken, indem Städte als Praxisbetreiber agieren und den Arzt anstellen;

.  Such-Anzeigen schalten bei der Kassenärztlichen Vereinigung, in der örtlichen Presse und der Fachpresse.

„Da machen andere Städte Rodgau etwas vor. Auch der Bau von medizinischen Kompetenzzentren würde Zukunft sichern.“ Schließlich werde der Wettbewerb immer härter. Naudts: „Schon werben Kliniken damit, dass Ärzte ein Dienstauto bekommen und dass man bei der Wohnungs- und Kitaplatzsuche behilflich sei.“  

bp

Quelle: op-online.de

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