Holz unterm Hammer

Versteigerung der Germaniasänger bewahrt Kulturgut

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Rückepferd Urmel und Alfred Dauber in Aktion. Das kraftvolle Gespann ließ Holzarbeit wie anno dazumal aufleben – ein Kulturgut.

Gut, besser, Holzversteigerung: Diese Steigerungsformel trifft wieder einmal auf die erste Großveranstaltung im Jahreslauf zu. Erneut erwies sich die Holzversteigerung des Gesangvereins Germania Dudenhofen als Magnet.

Dudenhofen –  Tausende pilgerten aus der gesamten Region zur Gänsbrüh. Auf der Waldfreizeitanlage herrschte in Spitzenzeiten eine Publikumsdichte wie auf der Frankfurter Zeil.

Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn die Traditionsveranstaltung ausgerechnet zur 25-Jahrfeier hätte unterm Wetter leiden müssen. So aber wurde das Naherholungsgebiet rund ums Wanderheim nach dem ergiebigen Regen die Woche über am Samstag bei dezentem Sonnenschein und milden Temperaturen zum Tummel- und Rummelplatz. Weit mehr Gäste als im vergangenen Jahr kamen. Die Wiese Richtung Hunde-Ranch musste als Ausweichparkplatz für PKW dienen.

Rodgau: Völkerwanderung zur Holzversteigerung der Germania

So, wie die Völkerwanderung zur Versteigerung Tradition hat, so ist es auch gute Sitte, dass hohe Politiker aus der Region und lokale Prominenz sich das Treffen nicht entgehen lässt. Guter Brauch ist es überdies, dass Landtagsvizepräsident Frank Lortz namens aller Ehrengäste die Gaudi in der Natur eröffnet und diverse Schecks der Sponsoren (Stadtwerke, Glaabsbräu, Sparkasse Langen-Seligenstadt) an den Veranstalter übergibt.

Nicht nur dessen zahlreiche freiwilligen Helfer kamen wegen des Andrangs arg ins Schwitzen, sondern auch die Brüder Dengler aus dem baden-württembergischen Widdern bei ihrer Sportholzfäller-Show. Karl-Heinz, Markus und Ralf machten mit Sport-Axt, Kettensäge und anderem Profigerät aus massigen Baumstämmen Kleinholz. Und das in Windeseile auf Zeit.

Eher zum Spaß griffen die aktuelle Edelholzkönigin Maxi Marie Seibel und einige ihrer Vorgängerinnen zusammen mit ihren Teamkollegen zur Holzsäge. Nach dem unterhaltsamen Wettbewerb konnte schließlich Ralf Dengler die Krone des Edelholzkönigs von seinem Bruder Markus übernehmen.

Viel Beifall fanden die Vorführungen des Deutschen Meisters und Team-Weltmeisters der Waldarbeiter, Marco Trabert, und von Nadine Münzenmaier aus Neuffen, die national und international zu den erfolgreichsten Sportholzfällerinnen zählt.

Die Traktorenfreunde Babenhausen waren unter anderem mit einer historischen und fahrbaren Bandsäge vor Ort. Sie gehört Reinhard Geißler (links). Mit der Säge schnitten seine Kollegen und er Baumscheiben vom Stamm, aus denen sie mit einem Brandeisen Stempel herstellten. Die Scheiben wurden dann gegen eine Spende für den Waldkindergarten „Wühlmäuse“ und die Wald-AG der Heinrich-Böll-Schule abgegeben.

Klatschnass waren beim Schaffen auch die Holzrückepferde Max und Urmel. Mit energischen Kommandos von ihren Chefs Alfred Dauber aus Miltenberg und Udo Weigel vom Hainhäuser Salinenhof dirigiert, setzten die Kaltblüter einen urwüchsigen, kraftvoll-geruhsamen Kontrapunkt zur rein auf Tempo ausgerichteten Arbeitsweise der Sportzholzfäller. Die Waldarbeit von anno dazumal zu erhalten, das liegt Dauber und Weigel sehr am Herzen. Aufträge sind wegen der viel billigeren Arbeit mit Maschinen aber kaum noch zu bekommen. „Höchstens im Ökolandbau und von manchen Weingütern“, erzählte Weigel. Um das alte Kulturgut zu bewahren, bietet er in Hainhausen auf seinem Hof Kurse mit Rückepferd Max an. Kulturgut wach hielt auch das Bläsercorps der Weiß-Blauen Jagdgesellschaft mit Hornmeister Egon Roth. Schön, dass die musikalische Gruppe sich entgegen einer früheren Ankündigung nicht aufgelöst hat.

Eingerahmt von Edelholzkönigin Maxi Marie Seibel (rechts) und ihrer Vorgängerin Lina Seibel (links) freuten sich die Traktorenfreunde Florian Elsässer (Zweiter von links) und Richard Huth (Zweiter von rechts) über ihre Pokale. 

Nostalgie wurde dann auch während der großen Traktoren-Schau und der Holzversteigerung wach. Für die weiteste Anreise erhielt Traktorenfahrer Florian Elsässer vom Apfelweinstammtisch Schöllkrippen einen Pokal, als ältester Teilnehmer geehrt wurde Richard Huth (72) von den Traktorfreunden Seligenstadt.

Förster Günther Heid war es dann einmal mehr vorbehalten, das Holz unter den Hammer zu bringen. Bedauerlich: Nur sehr zögerlich überboten die Gäste die Mindestgebote. Letztlich gingen dann aber doch alle Raummeter weg.

VON BERNHARD PELKA

Quelle: op-online.de

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