Positives Resümee

Eine-Welt-Laden in Rodgau schließt nach 27 Jahren Einsatz für den fairen Handel

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Erinnerungen werden wach, wenn die Ehrenamtlichen des Eine-Welt-Ladens in Fotos und Dankesbriefen blättern. Das Archivbild aus dem Jahr 2013 zeigt Marga Simon (links), Maria Ritter und Jürgen Klinkert. 

Der einzige Eine-Welt-Laden in Rodgau hört auf. Der Einkauf ist schwieriger geworden, der Umsatz geht zurück und die ehrenamtlichen Helfer werden weniger. 

Nieder-Roden - Schweren Herzens haben die Mitglieder der Aktionsgruppe „Für eine Welt“ beschlossen, ihren Laden im Turm der St.-Matthias-Kirche nach 27 Jahren zu schließen. Das Team verkauft gerade die Restbestände. Wer noch einen Gutschein besitzt, sollte ihn rasch einlösen.

„Der Laden ist schon relativ leer“, sagt Jürgen Klinkert als Sprecher der Gruppe. Wie lange der Abverkauf noch dauert, lässt sich schwer abschätzen: zwei, drei Wochen, vielleicht auch etwas länger.

Die letzte Warenlieferung holten die Helfer im November in Eppertshausen ab. Seit der Importeur Gepa sein Abhollager in Alzenau geschlossen hatte, hatten die Rodgauer ihre Ware über den Weltladen in Eppertshausen bestellt. Nun ist auch diese Bezugsquelle versiegt – das Geschäft in der Nachbargemeinde hat aufgegeben. Jürgen Klinkert: „Nun bleibt nur die Möglichkeit, bei der Gepa per Internet zu bestellen. Dann stellt eine Spedition eine Palette für die Tür. Das ist aber für uns logistisch schwierig.“

Christen beider Konfessionen hatten die ökumenische Initiative im Jahr 1992 gegründet. Mit dem fairen Handel wollten sie bessere Lebensbedingungen für Kleinbauern, Handwerker und Kooperativen in Afrika, Asien und Lateinamerika erreichen. Ihr Motto: „Kaufen Sie fair gehandelte Waren, damit die Welt gerechter wird.“

Als Ladenlokal stellte die katholische Pfarrgemeinde den Eingang ihres Kirchturms zur Verfügung – einen winzigen Raum, in dem es im Sommer angenehm kühl und im Winter empfindlich kalt ist. Die Eine-Welt-Gruppe war dankbar für den Raum und arrangierte sich mit den Gegebenheiten. „Wenn wir einen Laden mieten müssten, bräuchten wir nicht über Projekte zu reden“, sagt Jürgen Klinkert.

Gut 86 000 Euro hat die Initiative im Lauf der Zeit an Hilfsprojekte in ärmeren Ländern überwiesen, unter anderem in Brasilien, Indien und Kenia. Gefördert wurden Bildungsangebote für Straßenkinder, ein Altenheim und eine Werkstatt für Behinderte. Einen Teil der Spendensumme erwirtschaftete die Initiative durch Rabatte beim Wareneinkauf. Dazu kamen Erlöse des Babbeltreffs und des Fastenessens sowie Spenden von Privatpersonen.

Der Umsatz des Eine-Welt-Ladens ist seit den besten Zeiten um die Hälfte zurückgegangen. Auch die Zahl der Ehrenamtlichen (etwa 20) ist nur noch halb so groß wie einst.

Trotz langer Stunden im kalten, düsteren Turmlädchen denken die Mitglieder der Aktionsgruppe „Für eine Welt“ an viele schöne Momente zurück: an Gespräche mit Kunden, an interne Feiern und an gemeinsame Besuche in befreundeten Läden.

Besonders freuen sich die langjährigen Mitstreiter darüber, dass fair gehandelte Produkte heute selbstverständlich sind. Der faire Handel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Jürgen Klinkert: „Unter dem Strich ist es eine schöne Erkenntnis, etwas losgetreten zu haben. Mit dem Gefühl steigt sich’s eigentlich ganz gut aus.“

Von Ekkehard Wolf

Quelle: op-online.de

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