Krebsbehandlung im Krisengebiet

Es war ein weiter Weg: Dr. Dr. Ernst Hanisch baut in Afghanistan ein Brustkrebszentrum auf

+
Dr. Dr. Ernst Hanisch (sitzend, Zweiter von links), baut in Herat (Afghanistan) ein Brustkrebszentrum auf. Das Foto zeigt ihn zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Meisterkurses, in dem es unter anderem um die Vermittlung aktueller OP-Techniken ging.

Rodgau ist das Zentrum eines bedeutenden medizinischen Hilfsprojekts in Afghanistan. Von seinem Wohnort Jügesheim aus steuert Prof. Dr. Dr. Ernst Hanisch seit 15 Jahren in der afghanischen Stadt Herat nahe der Grenze zum Iran den Aufbau eines Brustkrebszentrums.

Rodgau –  Dort entsprachen Diagnostik und Behandlung der Brustkrebspatientinnen bisher keinen adäquaten Standards. Zum Beispiel galt unter Ärzten in dieser westlichen Region von Afghanistan die komplette Entfernung der erkrankten Brust als unvermeidlich. Auch Strahlen- und Chemotherapien waren nicht üblich. Bis Dr. Hanischs Projekt „Klinikpatenschaften“ der Aufbau einer Klinik mit Spezialisten diverser Fakultäten (Pathologie, Gynäkologie, Chirurgie, Onkologie, Radiologie) gelang.

Inzwischen ist das Vorhaben ein Selbstläufer: Die vom Rodgauer Projekt-Chef und von Kollegen in Indien ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte in der Kimia-Klinik in Afghanistan bilden heute selbst aus. Auch organisieren sie Aufklärungsabende für Frauen und informieren im Fernsehen.

Rodgau: Ein weiter Weg bis zum Brustkrebszentrum in Afghanistan

Bis dahin war es ein weiter Weg. Und es mussten viele Fördertöpfe angezapft und Partner gewonnen werden; etwa die Freseniusstiftung, die Stiftung Wienbeck, der Verein für Afghanistanförderung in Bonn, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit.

Wie immer hat der Erfolg also viele Namen. Wesentlichen Anteil am Gelingen hatte auch die Asklepiosklinik Langen, deren Ärztlicher Direktor der erfahrene Chirurg gut 15 Jahre war. Ohne Kollegen wie Dr. Eckart Krapfl, Dr. Stefan Falk, Dr. Ahmad Shams und Thomas Hofmann auch aus anderen Kliniken wäre das alles nicht möglich gewesen.

Rodgau: Patenschaft zwischen medizinischen Fakultäten Frankfurt und Herat

2004 reiste Dr. Hanisch erstmals nach Afghanistan. Damals noch Chef in Langen, war er zuvor gefragt worden, ob er sich ein solches Aufbauprojekt vorstellen könne. Und das ausgerechnet in einem von Krieg und ethnischen Konflikten zerrissenen Land, in dem es brandgefährlich ist und am Notwendigsten fehlt.

Dr. Hanisch stimmte zu. Erster Schritt war die Mitgliedschaft im Verein für Afghanistanförderung, Bonn. Dann besuchte der gebürtige Franke und Wahl-Rodgauer in seinem Urlaub Kliniken in Kabul, um auszuloten, ob Interesse an einer Patenschaft für ein Brustkrebszentrum bestehe.

Als Mentor beförderte der heute 66-Jährige eine Patenschaft zwischen den medizinischen Fakultäten der Unis Frankfurt und Herat sowie Hospitationen von Kollegen aus Afghanistan an der Asklepiosklinik Langen, am Sanaklinikum Offenbach und der Uniklinik Frankfurt. Parallel dazu erfolgte die Gründung der afghanischen Gesellschaft für Chirurgie.

Rodgau: Dr. Hanisch operiert selbst in in Herat

Was vielleicht noch wichtiger war: Dr.Hanisch operierte in seinem Urlaub in Herat selbst, hielt Vorlesungen und leitete Meisterkurse, in denen es unter anderem um die Verfeinerung von Operationstechniken zur Erhaltung der erkrankten Brust geht. Und er stellte sich auf die Mentalität des Landes ein. „Von oben herab geht gar nichts. Wir haben deshalb immer den Ansatz zu fragen: Wo können wir helfen?“

Natürlich gab es auch Rückschläge. Zum Beispiel zog sich in Herat eine Partnerklinik ohne Angabe von Gründen plötzlich aus dem Projekt zurück. Deshalb musste in Deutschland ein Ersatz-Mammografiegerät beschafft werden. In einer Praxis in Erlangen wurde Dr. Hanisch fündig. Danach machte dann allerdings der Zoll in Kabul Probleme. „Das hat uns Monate gekostet.“ Nur mit erheblicher Verzögerung konnte das Team in Herat weiterarbeiten.

Aus kollegialen Beziehungen sind inzwischen Freundschaften gewachsen. Immer wenn Dr. Hanisch in Afghanistan ist, lebt er dort nicht als Gast zum Beispiel im Hotel, sondern privat. „Ich gehöre dort inzwischen zur Familie. Und die passt auf mich auf.“

VON BERNHARD PELKA

Jonathan Baranowski aus

Langen hat eine extrem seltene, aggressive Art von Krebs. Nach einer Not-OP sammelt er Spenden für eine spezielle Behandlung, die sein Leben retten soll.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare