Es fehlen kleine Wohnungen

Es wird am Bedarf vorbei gebaut

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Es fehlen kleinere Wohnungen, wie sie teils an der Weiskircher Straße entstehen.

Rodgau - In Deutschland fehlen mindestens eine Million Wohnungen. Das beschäftigt Vermieter und Investoren wie Lothar Mark aus Jügesheim, die sich professionell mit dem Thema befassen. Mark hat sich die Rodgauer Verhältnisse genau angesehen.

Markant: Während Wohnraum bundesweit immer knapper wird, stehen in Rodgau 661 Wohnungen leer. Außerdem: In Rodgau wird am Bedarf vorbei gebaut. Es fehlen kleine Wohnungen. Wie entwickelt sich der Wohnungsmarkt in Rodgau? Welche Wohnungsgrößen fehlen? Lothar Mark aus Jügesheim, Vermieter und privater Bauherr, hat sich die Verhältnisse genau angesehen. Seine Analyse zum Wohnraummangel in Rodgau stützt er auf Statistiken aus der jüngsten Volksbefragung, dem Zensus 2011 bis 2013, auf diverse andere seriöse Quellen und auf seine profunden Marktkenntnisse. Einer der markantesten Fakten aus Marks Studie: Während Wohnraum bundesweit immer knapper wird, stehen in Rodgau 661 Wohnungen leer.

„Die Gründe sind verschieden“, weiß Mark. Manche Vermieter haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Mietern, andere scheuen den bürokratischen Aufwand, wieder andere wollen die Wohnung für Kinder oder Enkel frei halten. „Und manche brauchen das Geld einfach nicht.“ Mark nennt einen Kardinalfehler als Ursache für die Wohnungsknappheit: „Entgegen der vielen negativen demografischen Vorhersagen schrumpfte die Bevölkerung innerhalb Deutschlands nicht, sondern wuchs um rund 1,5 Millionen Personen. Diese Entwicklung trat bereits vor der Flüchtlingskrise ein.“ Jährlich fallen Mark zufolge etwa ein Prozent der Wohnungen bundesweit durch Überalterung weg. Das sind rund 400.000 Einheiten, die lediglich zur Hälfte ersetzt wurden. Auch reduzieren die kräftigen Preissteigerungen bei neuen Wohnungen die Möglichkeit, aus einer größeren Bestandswohnung in eine kleine Einheit zu ziehen, da die kleinere neue Wohnung oft teurer ist als die größere alte Bleibe.

Mit steigendem Wohlstand erhöht sich der Bedarf an Quadratmetern Wohnraum pro Person. Zugleich werden viele Gebäude trotz vorliegender Baugenehmigung nicht fertiggestellt. Auch in Rodgau. Dort gibt es 9694 Gebäude. 4419 davon sind älter als 50 Jahre. Die 9694 Gebäude bieten 19726 Wohnungen Platz. In Rodgau gibt es 1445 Doppelhaushälften und 2327 Reihenhäuser. Damit fallen nach Marks Einschätzung in Zukunft wertvolle Grundstücke zum Wiederbebauen weg. „Denn für eine Zweitbebauung mit Abriss der Reihenhäuser müssten alle Eigentümer vorher der gleichen Meinung sein, was selten vorkommt.“

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Von den verbleibenden Gebäuden sind 5666 freistehende Wohnhäuser. In Rodgau werden von 19726 Wohnungen 9924 von den Eigentümern selbst bewohnt. 9129 Wohnungen sind vermietet. Erstaunlich, dass 661 Wohnungen leer stehen. Diese Zahl (7,24 Prozent) liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt (über vier Prozent).

Mark stellt fest: „In Rodgau wird am Bedarf vorbei gebaut.“ Es gebe lediglich 439 Einzimmerwohnungen bei doppelt so hoher Nachfrage und nur 1351 Wohnungen mit zwei Räumen, während von den insgesamt 19726 Wohnungen mehr als 14271 mit vier, fünf oder mehr Zimmern ausgestattet sind. Davon haben 2559 Wohnungen sieben und mehr Zimmer. Die Stellplatzsatzung mache den Bau von kleinen Wohnungen unter 50 Quadratmeter uninteressant. Immerhin müssten für jede Wohnung, gleich welcher Größe, 1,5 Parkplätze gebaut werden. Das erhöhe die Kosten und werde von den Mietern nicht gezahlt, da sich das Verbraucherverhalten derzeit stark ändere und die nächste Generation weder Führerschein, noch Auto für lebensnotwendig halte. (bp)

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Quelle: op-online.de

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