Verkaufspläne trüben auch die Stimmung im Testcenter

Die Feierlaune vom Herbst bei Opel ist dahin

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Im vergangenen September herrschte im Testcenter Feierlaune. Bürgermeister Jürgen Hoffmann (links) schenkte Opel-Boss Dr. Karl-Thomas Neumann zum 50. Geburtstag des Centers einen Apfelbaum aus dem Bestand der Baumschule Schüler. Das sollte ein Symbol dafür sein, dass Opel in Dudenhofen weitere Wurzeln schlagen möge und das Firmenengagement noch viele Früchte tragen solle. Gut gelaunt waren damals auch Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (Zweiter von links), der Betriebsratsvorsitzende Klaus Kapsreiter (Zweiter von rechts) und der Leiter des Testcenters, Dr. Matthias Schollmaier (rechts).

Rodgau - Der Plan des US-Autoherstellers GM, seine deutsche Tochter Opel an den französischen PSA-Konzern (Peugeot/Citroen) zu verkaufen, schlägt auch in Rodgau hohe Wellen. Muss die Stadt um das erst erweiterte Opel-Testcenter im Dudenhöfer Wald fürchten? Von Bernhard Pelka 

Im September vergangenen Jahres herrschte im Testcenter noch Hochstimmung. Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann nahm zum 50. Geburtstag des Standorts nicht nur die Glückwünsche von Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und von Bürgermeister Jürgen Hoffmann entgegen. Vielmehr feierten an einem Tag der offenen Tür mehr als 20.000 Besucher und Opel-Fans ihre Marke im Dudenhöfer Wald. Jetzt herrscht an diesem Standort wohl eher Verdruss und Unsicherheit. Was passiert mit dem Testcenter, sofern GM und die Group PSA sich tatsächlich einig werden? Fremd sind die Marken einander nicht. Im Zuge einer Kooperation entwickelten die beiden Hersteller seit 2015 zwei Plattformen für die gemeinsame Produktion von Pkw. Einer davon ist der erst vor wenigen Wochen präsentierte Crossland X von Opel, ein SUV auf Basis des Peugeot 2008. Opels künftiger Grandland X basiert hingegen auf dem Peugeot 3008. Beide Gemeinschaftsproduktionen durchliefen Tests auch auf der Strecke in Dudenhofen.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann ereilte die brisante Nachricht vorm Fernseher. „Wie alle anderen auch, habe ich von den Verkaufsplänen aus den Medien erfahren“, sagt der Verwaltungschef. Zuallererst denke er nun an die vielen Tausend Beschäftigten von Opel, „die zwischen Unsicherheit und Hoffnungen schwanken“. Das ergehe auch ihm derzeit so. „Das Wichtigste ist aber, dass dieses Unternehmen am Ende des Tages weiterhin existiert.“

Vom Testcenter kann er sich nicht vorstellen, dass es so ohne Weiteres geschlossen wird. „Das ist ein einmaliger, innovativer und repräsentativer Standort, der erst für viele Millionen Euro ausgebaut worden ist. Das bleibt auch so in Zukunft – gleich unter welcher Führung.“ Hoffmann möchte zunächst einmal „nicht die Pferde scheu machen“. Deshalb wird er auch nicht sofort den Kontakt zur Opel-Führung suchen. „Wenn man wahrnimmt, dass selbst die Firmenspitze nichts wusste von den GM-Plänen, dann müssen die sich jetzt erst einmal sortieren. Der Respekt gebietet es, dass wir abwarten mit unseren Fragen.“

Zahlt es sich jetzt womöglich aus, dass die Stadtverordnetenversammlung mit ihren Entscheidungen den Ausbau des Testcenters beflügelt und damit Fakten geschaffen hat, die ganz klar für diesen Standort sprechen? „Ich bin nicht ohne Zuversicht“, antwortet der Bürgermeister vorsichtig auf diese Frage. Hoffmann fragt sich, weshalb die Opel-Mutter GM ausgerechnet jetzt ihre Tochter abstoßen möchte. „Die schlechtesten Zeiten hat die Marke doch hinter sich. Opel baut wieder interessante Fahrzeuge, die von hervorragender Qualität sind. Die Wende zum Guten ist doch geschafft, es herrscht Aufbruchstimmung im Unternehmen.“

In der Tat hat sich seit der Eröffnung im Jahr 1966 viel getan im Testcenter: Opel hält sein Schmuckstück kontinuierlich auf dem neuesten Stand. 2012 begann das Unternehmen mit seinem bislang größten Erweiterungs- und Modernisierungsprojekt in Dudenhofen, das bis 2020 mit dann 1000 Mitarbeitern (heute 400) abgeschlossen sein soll. Dabei investiert der Hersteller einen hohen zweistelligen Millionenbetrag und gibt damit ein klares Bekenntnis zum Standort ab.

Bilder: 50 Jahre Opel-Testzentrum Dudenhofen

Das Testcenter kann diverse Bedingungen simulieren: tropische Hitze und arktische Kälte, schnelle Autobahnen und holprige Landstraßen. Auf nasser Straße mit Aquaplaninggefahr müssen sich die Autos ebenso behaupten wie auf einer kurvenreichen Bergstrecke. Obwohl der größte Teil der Tests im Freien stattfindet, sind die Ergebnisse und Bedingungen so reproduzierbar wie im Labor. Die Testwagen sind mit Messtechnik vollgepackt. Sensoren in der Fahrbahndecke messen die Temperatur und Feuchtigkeit des Belags. Eine eigene Wetterstation liefert Daten zu Luftfeuchte, Windstärke und -richtung.

Opel unterzieht seine Modelle in Dudenhofen einem echten Stresstest: 40.000 Kilometer Extrembelastung entsprechen dann mehr als 200.000 Kilometern herkömmlichem Betrieb auf normalen Straßen. Neuerungen in der jüngsten Vergangenheit waren ein Allrad-Rollenprüfstand, drei Motorenprüfstände, eine Tankstelle für 16 Sorten Kraftstoffe, eine kurvenreiche Handlingstrecke und eine Geräuschmessstrecke. An der Landstraße nach Babenhausen wurden eine schnurgerade Strecke („Lange Gerade“) und ein vergrößertes Schleuderfeld gebaut.

Dass sich das Testcenter in Dudenhofen befindet, ist einem falsch zugestellten Brief zu verdanken. In dem Schreiben fragte ein für Opel tätiges Immobilienbüro nach einem großen Gelände. Der Brief war an die Gemeinde Dudenhofen in der Pfalz adressiert, wurde aber irrtümlich nach Rodgau weitergeleitet. Der damalige Dudenhöfer Bürgermeister Ludwig Kratz erkannte die Chance und bot dem Makler sofort Gemeindewald und einige angekaufte Privatgrundstücke an.

Quelle: op-online.de

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