Wohnungsbau auf der grünen Wiese

Fünf-Millionen-Investition an der Mühlstraße

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In diesem Park verfügt die Stadt über 3500 Quadratmeter Bauland. Dort sollen erschwingliche Wohnungen entstehen.

Rodgau - Das eine Wohnungsbauprojekt ist noch nicht fertig, da steigt die Stadt schon in das nächste ein. Während für zwölf städtische Wohnungen am Mühlweg in Weiskirchen der Innenausbau jetzt begonnen hat, plant die Stadt bereits ein größeres Bauvorhaben in Jügesheim. Von Bernhard Pelka 

An der Mühlstraße sollen 30 erschwingliche Wohnungen entstehen. 2010 bis 2015 war Rodgau im Landkreis Offenbach die einzige Kommune, die Sozialwohnungen neu gebaut hat. Das geschah an der Ludwigstraße 58 bis 60. Dort entstanden 20 erschwingliche Wohnungen. Damit dieses Projekt keine Eintagsfliege bleibt, wurden später in den städtischen Haushalt 250.000 Euro für die Planung solcher Vorhaben eingestellt.

Ein Neubau von zwei Wohnhäusern mit zwölf Drei-Zimmerwohnungen von jeweils etwa 75 Quadratmetern Wohnfläche ist am Mühlweg in Weiskirchen die Folge. Die geplanten Bau- und Nebenkosten betragen etwa 2,5 Millionen Euro. Jetzt hat der Innenausbau begonnen. Erstbezug soll Anfang 2018 sein.

Stadt Rodgau als Vorreiter

Die Neubauten ersetzen ein altes Wohngebäude, das bis Mai 2016 Obdachlose beherbergte. Die Häuser sollen dem Rodgauer Wohnungsmarkt als einfacher, bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, über dessen Vergabe „bedarfsgerecht entschieden“ werde, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Ursprünglich waren die Gebäude für anerkannte Flüchtlinge gedacht, doch der Bedarf ist rückläufig.

Am Montag hat der Magistrat nun ein weiteres Sozialwohnungsbauprojekt auf den Weg gebracht. Er empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, einen Bebauungsplan für eine Fläche in Jügesheim zwischen Mühlstraße und Dudenhöfer Straße aufzustellen. Dort ist die Stadt in Nachbarschaft der bestehenden Wohnblocks im Besitz von 3 500 Quadratmeter. Das Gelände sieht derzeit wie ein Park aus. Es stand im Verdacht, von Altablagerungen belastet zu sein. Stadtrat Schüßler versichert aber: „Eine mit dem Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmte Beprobung hat diesen Verdacht ausgeräumt. Die Schadstofferkundung verlief negativ. Das heißt, eine Bebauung ist möglich.“

Sobald Planungsrecht geschaffen ist, möchte die Stadt an dieser viel befahrenen Ecke eine Liegenschaft mit etwa 30 bezahlbaren Wohnungen, wie sie bundesweit so sehr gesucht werden, bauen. Gedacht ist an Einheiten mit ein bis zwei Zimmern und an Wohnungen für große Familien mit dann vier bis fünf Zimmern. Darüber ist aber noch nicht entschieden. Kosten: fünf Millionen Euro.

Diese Summe solle frei finanziert werden, erläutert Schüßler. Zwar gebe es Landesförderprogramme zum Bau von Sozialwohnungen. Sobald Städte diese Programme annähmen und als Bauherr auftreten, stehe der bürokratische Aufwand aber in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Dann lieber mit einer Bank verhandeln. Wobei Schüßler nicht kategorisch ausschließen möchte, dass die Stadt nicht irgendwann einmal in solche Förderprogramme wieder einsteigt. Denn das Land Hessen habe erkannt, dass bezüglich der Förderrichtlinien und des bürokratischen Aufwands „Handlungsbedarf besteht“.

Der besteht in Sachen Wohnungsbau generell. Denn Wohnungsnot ist inzwischen „ein Massenproblem“, schildert Kulturdezernent Winno Sahm die Lage. Bezahlbarer Wohnraum sei kaum noch zu bekommen. Die Verfügbarkeit nehme genauso ab wie die Einkommen großer Bevölkerungsschichten. Neben der klassischen Klientel für Sozialwohnungen könne sich „die untere Mittelschicht“ das Wohnen in der Metropolenregion Rhein-Main inzwischen kaum noch leisten.

Unsere Zeitung hatte das brisante Thema erst Anfang dieser Woche aufgegriffen. Das Fazit: Es fehlen massenweise bezahlbare Wohnungen. In Frankfurt steuert die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG entgegen und realisiert ein Projekt nach dem anderen. Seit Januar 2016 schmieden Frankfurt und Rodgau an einer Allianz für den Wohnungsbau. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war deshalb zu Besuch im Rathaus in Rodgau.

Frankfurt will in Rodgau bauen

Noch ist nichts spruchreif, aber Hoffmanns Parteifreund Feldmann hat für die Stadt Frankfurt Interesse an Bauland signalisiert. Bei dem Treffen im Rodgauer Rathaus hatte OB Feldmann Frank Junker, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG, dabei. Der Kontakt besteht weiter, es gibt Gespräche. In Rodgau hätte die ABG die große Auswahl. Das Stadtparlament hat im Dezember 2015 einen Bebauungsplan für ein großes Areal zwischen Hainhausen und Jügesheim beschlossen: für einen ganz neuen Stadtteil. Auch in Dudenhofen und Nieder-Roden rollen die Bagger.

Quelle: op-online.de

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