Was darf es kosten, ein Brot in zwei Hälften zu teilen?

Halbes Brot und doppelter Ärger

Rodgau - Da staunte die Kundin nicht schlecht. In einem Jügesheimer Lebensmittelgeschäft musste die Frau für das Halbieren eines Brotes 20 Cent Preisaufschlag zahlen. Auch wenn die Rodgauer Bäcker es anders halten: Für die Mehrkosten gibt es in diesem speziellen Fall durchaus gute Gründe.  Von Bernhard Pelka

Renate Haller betreibt in der Rodgau-Passage ihren Bioladen. Der beschriebene Fall spielte sich dort ab. Die Geschäftsfrau erinnert sich genau. „Das war ein sehr kleines Brot. Die Kundin wollte trotzdem nur die Hälfte. Normalerweise schneiden wir diese Größe gar nicht auf.“

Grundsätzlich müsse diese zusätzliche Dienstleistung bezahlt werden. Überdies brauche sie für zwei Hälften Brot auch doppelt so viel Verpackung wie sonst. Das größte Problem aber sei, dass die Hälfte, die liegen bleibe, oft nicht mehr verkauft werden könne. Dieses Risiko müsse ebenfalls bezahlt werden, argumentiert Renate Haller. Sie macht die Erfahrung, dass „leider sehr viele Brothälften liegen bleiben, weil die Kunden sagen, dass die nicht mehr frisch sind.“ Seit dem Vorfall werden im Bioladen Haller grundsätzlich nur noch große Ein-Kilo-Brote halbiert. Der Mehrpreis beträgt je Hälfte zehn Cent.

Ein sensibles Thema

Sie macht beim Brot auf Kundenwunsch auch mal halbe Sachen - und das dann kostenlos: Elisabeth Hofmann von der gleichnamigen Bäckerei in Jügesheim.

Bäckermeister Wolfgang Schäfer kann Renate Haller aus kaufmännischer Sicht durchaus verstehen. Er geht davon aus, dass Brot im Bioladen nur ein Randaspekt im vielfältigen Sortiment ist. Auch werde dort nicht selbst gebacken. Renate Haller müsse also von vornherein ganz anders kalkulieren als eine Bäckerei mit eigener Backstube. „Und der Wareneinsatz bei Bio-Brot ist höher“, fügt Schäfers Sohn Sascha dem „sensiblen Thema“ hinzu. In dem Hainhäuser Familienbetrieb der Schäfers mit seinen fünf Verkaufsstellen kosteten halbierte Brote früher Aufpreis. Berechnet wurde für die Hälften dann der Pfundpreis, der etwas höher lag im Vergleich zum Preis für einen kompletten Kilo-Laib. „Davon sind wir abgerückt. Heute ist es kostenlos. Das verstehen wir als Kundendienst. Bei uns ist Brot - im Gegensatz zum Bioladen - das Kerngeschäft. Da gleicht das die Menge wieder aus.“

Dienst am Kunden

„Warum sollte ich fürs Teilen Geld nehmen?“, fragt Bäckerin Heike Spahn. Kilobrote schneidet sie kostenlos in zwei Hälften. Auch wenn’s Scheiben sein sollen, kostet das nichts. Die Nachfrage nach kleinen Stücken ist in der Nieder-Röder Bäckerei aber nicht groß.

So wie das Brot, wird in der Jügesheimer Bäckerei Hofmann auch der Preis halbiert. „Das gehört zum Service. Es gibt doch so viele Singles und Alleinstehende, Leute mit kleinem Haushalt, die das brauchen“, sagt Chefin Elisabeth Hofmann. Ihr Betrieb bietet sogar extra leichte Single-Brote an. Die kleinen Bauernbrote mit hohem Roggenanteil wiegen nur 250 Gramm. Und wie hält es der Bäcker Bauder? „Bei uns kostet das Teilen eines Brotes nichts. Auch das In-Scheiben-Schneiden ist kostenlos. Das ist unser Dienst am Kunden“, sagte gestern eine Bauder-Sprecherin auf Anfrage.

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Quelle: op-online.de

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