Mann muss für 32 Monate ins Gefängnis

Drogenhändler von der Selbstständigkeit überfordert

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Symbolbild

Fast wirkt es so, als stürze sich M. zwanghaft ins Unglück. Der 44-Jährige saß schon einmal fünf Jahre wegen schweren Raubes ein, bekam 2017 eine weitere Haftstrafe von fast 2,6 Jahren wegen Drogenhandels, die er aufgrund einer Therapieauflage noch nicht antreten musste; 2018 ließ sich M. in Rodgau wiederum beim Drogenhandel erwischen. Das Schöffengericht in Offenbach schickte ihn nun erneut hinter Gitter: 32 Monate Gefängnis.

Rodgau – Ende April stellte die Polizei M. auf dem Parkplatz eines Ausflugslokals. Der Angeklagte hatte sich mit seinem Kumpel S. dort getroffen. Beim gesondert verfolgten S. fand die Polizei 50 Gramm Kokain, bei M. 284 Gramm Amphetamin und 264 Gramm Haschisch. Außerdem führte M. mehr als 5 000 Euro Bargeld bei sich.

Die Szenerie wirkte, als habe M. dem S. gerade 50 Gramm Kokain gegen 2 850 separat verstaute Euro verkauft. M. hatte am ersten Verhandlungstag behauptet, er habe S. aus alter Verbundenheit getroffen, wegen eines gemeinsamen Freundes, der gerade im Knast sitze, um dessen Mutter sich S. nun kümmere. Richter Manfred Beck kann andere Geschichten wohl eher glauben: „Trifft man sich wirklich mit so viel Bargeld und Drogen auf einem zugigen Parkplatz, nur um über alte Zeiten zu quatschen?“

Rodgau: Polizei findet Drogen im Auto

Bei der Polizei hatte der Angeklagte erzählt, S. habe ihm bei der Gelegenheit geschuldetes Geld in Höhe von 2 600 Euro zurückgegeben. Sein Rechtsanwalt Thorsten Tuma erklärt am zweiten Termin, sicher habe man bei dem Treffen über zukünftige Drogengeschäfte gesprochen, doch an dem Tag keinen Handel betrieben. Die Drogen, die sich im Auto seines Mandanten fanden, seien einer noch unbestimmten Kundschaft vorbehalten gewesen.

Der Angeklagte selbst erklärt den hohen Geldbetrag mit seiner Lotto-Annahmestelle. Das Geld habe er wie üblich auf ein Treuhandkonto von Hessen-Lotto einzahlen wollen. Beck bemängelt, dass die Polizei das nicht kontrolliert habe. Mit seinem Beruf erklärt der Angeklagte auch, warum er wieder angefangen habe, Kokain und Amphetamin zu konsumieren, wodurch er von Neuem ins Drogengeschäft geraten sei. Er habe sich von der Selbstständigkeit überfordert gefühlt.

Die Gattin des Angeklagten geht einer anspruchsvollen Arbeit nach, verdient ein solides Gehalt, hielt trotz seiner Eskapaden immer zu ihm, besuchte mit den Kindern den Papa im Knast. Es wirkt ehrlich, wenn der Angeklagte bedauert, dass auch seine Frau vor dem Umfeld eines verpfiffenen Geschäftspartners Angst haben müsse, „weil ich Scheiße gebaut habe“.

Scheingeschäft mit dem Großhändler

Der Angeklagte hatte nach seiner Verhaftung ebenso wie sein Kumpel S. erklärt, die Drogen von Großhändler E. bezogen zu haben. Der Angeklagte hatte E. im Gefängnis kennengelernt. Unter der Aufsicht der Polizei versuchte er ein Scheingeschäft mit dem Großhändler zu vereinbaren. Der kam jedoch zweimal nicht zum Treffpunkt. Richter Beck will später in der Urteilsbegründung nicht ausschließen, dass M. ihn gewarnt hatte, „denn die Polizei verhielt sich unprofessionell und ließ den Angeklagten teils unbeobachtet walten“.

Zehn kuriose Kriminalfälle 2018 in Hessen 

Oberstaatsanwalt Alexander Homm betont in seinem Plädoyer: „Ich sehe es ambivalent, den Angeklagten in den Knast zu stecken.“ Auch wenn er berücksichtige, dass M. versucht habe, der Polizei zu helfen, könne er aber nicht anders, als auf 32 Monate zu plädieren, denn „nach dem einschlägigen Urteil fing er bald wieder mit Drogenhandel an“.

Klinikzusage für eine stationäre Drogentherapie

Verteidiger Thorsten Tuma schiebt während seines Plädoyers noch eine Klinikzusage für eine stationäre Drogentherapie nach: „Meinem Mandanten und der Gesellschaft ist mehr geholfen, wenn er nicht in den Knast muss.“ Tuma hält zwei Jahre Haft auf Bewährung für ausreichend: „Nachdem er seinen Verkäufer verpfiffen hat, bekommt er in dem Metier ohnehin keinen Fuß mehr auf den Boden.“

Das Gericht folgt aber dem Antrag des Oberstaatsanwalts. Die 32 Monate lassen sich nicht zur Bewährung aussetzen. Die Sucht und der Rückfall könnten keine Gründe für die Dimension des Drogenhandels sein, hielt der Richter dem Verurteilten vor: „Sie verlockte die Aussicht auf das schnelle Geld.“

Von Stefan Mangold

Quelle: op-online.de

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