Eine Ballonfüllung kostet 1000 Euro

Seltene Übung des THW mit der Feuerwehr Rodgau: Fesselballon leuchtet heller als der Mond

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In der Ballonhülle montieren zwei THW-Mitarbeiter das Gestell mit den Quecksilberdampflampen. Ihre Kollegen fächeln unterdessen Frischluft nach.

Eine leuchtende Kugel steigt in den Nachthimmel – viel heller, schneller und größer als der Mond. Etwa 40 Menschen in blauen Uniformen schauen zu. Kameras klicken. Smartphones speichern Filmszenen.

Nieder-Roden – Am Feuerwehrhaus Rodgau-Süd übt das Technische Hilfswerk (THW) mit einem Fesselballon, der große Flächen ausleuchten kann. Ein seltenes Schauspiel: Nur alle drei Jahre startet der Ballon zu Trainingszwecken. Heliumgas ist nicht ganz billig. Eine Füllung kostet rund 1000 Euro.

Gleißend hell, obwohl erst eine Lampe brennt.

Vier solcher Leuchtballons besitzen die Katastrophenschützer bundesweit, einen davon in Offenbach. Sie beleuchten Unfallstellen, Großbrände oder auch Baustellen wie den Abriss der Fußgängerbrücken in der Offenbacher Stadtmitte vor einigen Jahren. Beim Oder-Hochwasser 2010 beleuchteten die Ehrenamtlichen aus Offenbach einen Füllplatz für Sandsäcke, der Tag und Nacht in Betrieb war.

Der THW-Ortsverband Offenbach und die Feuerwehr Rodgau arbeiten seit einiger Zeit bei der Atemschutzausbildung und der Wartung der Atemschutzgeräte zusammen: Grund genug, in Rodgau auch mal mit dem Leuchtballon zu üben. Er ist um ein Vielfaches heller als das, was die Feuerwehr an Bord hat. Mit 12 000 Watt kann man ein bis eineinhalb Fußballfelder blendfrei ausleuchten, wie THW-Zugführer Michael Zier sagt.

„Blaues Licht mit rotem Strom“ ist das Motto dieser Übung. Natürlich ist das Licht weiß. Die Farben sind symbolisch gemeint: blau fürs THW und rot für die Feuerwehr. Ein rotes Stromaggregat mit 80 kVA Leistung tuckert vor sich hin. Auch die Brandbekämpfer nutzen den Abend zur Ausbildung, damit sich möglichst viele Einsatzkräfte mit dem Gerät auskennen.

Mit Strom ist nicht zu spaßen. Das kapiert auch ein Laie, wenn er die schwere 63-Ampere-Leitung sieht: Jeder der fünf Kontaktstifte des Steckers ist fast so dick wie ein kleiner Finger. Vorsicht ist auch bei den drei Quecksilberdampflampen des Leuchtballons angebracht, von denen jede 4 000 Watt verbraucht. In der Phase der Zündung ziehen sie viel mehr Strom als im Dauerbetrieb. „Man kann sie nicht alle auf einmal einschalten, um das Vorschaltgerät nicht zu überlasten“, erklärt Michael Zier. Die Hochleistungslampen vertragen auch keine starken Erschütterungen. Zwei der drei Lampen werden deshalb erst gezündet, wenn der Ballon aufgestiegen ist..

Der Leuchtballon hat einen Durchmesser von 5,50 Metern. Er besteht aus einem weißen, beschichteten Material, wie es auch für Airbags in Autos verwendet wird. Es dauert eine Dreiviertelstunde, bis die Ballonhülle ausgebreitet ist, alle Schnüre entwirrt sind, das Gestell mit den Lampen eingehängt ist, der Ballon abgedichtet und aufgeblasen ist. Drei Schläuche führen zum Ballon. Aus drei Gasflaschen gleichzeitig wird die Hülle befüllt. Sobald eine Flasche leer ist, wird die nächste angehängt. Allmählich füllt sich die Hülle. Der Ballon wird dicker. Als er sich rundet, zieht er schon kräftig an den Seilen.

Als der Ballon startbereit ist, sind zehn große Gasflaschen leer. Eine Füllung kostet bis zu 1000 Euro. Weil der THW-Ortsverband das Helium zu Übungszwecken aus seinem allgemeinen Budget bezahlen muss, sind solche Übungen nur alle drei Jahre möglich.

Der Ballon kann 30 bis 35 Meter hoch steigen. So weit reicht das Stromkabel. Er hängt über ein Drahtseil an einer Seilwinde. „Halten kann man ihn nicht“, sagt Michael Zier. Zumindest nicht alleine. Als die Hülle gefüllt wird, halten vier Männer die Leinen. Zwei weitere Seile sind zur Sicherheit an den THW-Lastern befestigt.

40 Augenpaare und etliche Kameras folgen der leuchtenden Kugel, als sich die Seilwinde langsam in Bewegung setzt. Es ist so spät, dass die letzten Kunden des Rewe-Centers schon heimgefahren sind. Von der Straßenseite des Feuerwehrhauses sieht es aus, als ginge dahinter der Mond auf. Wie viele Anrufer in dieser Nacht wohl den Notruf wählen, weil sie glauben, ein Ufo gesehen zu haben?

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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