50 Fahrräder, vier Motorroller

Fundsachenversteigerung: Auch der Osterhase findet einen Abnehmer

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Im Berufsalltag arbeitet Gerhard Weitz (links) im Ordnungsamt. Einmal im Jahr schlüpft er in die Rolle des Auktionators und versteigert Fundsachen.

Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten: 50 Fahrräder, vier Motorroller und allerlei Krimskrams wechselten bei der jüngsten Fundsachenversteigerung im Depot des Ordnungsamts an der Unteren Sände in Jügesheim die Besitzer.

Rodgau – 50 Interessenten drängten sich vorm Tor des Lagers, als Gerhard Weitz und seine Kollegen Bernd Brüstle, Manuela Becker und Heike Fuhrmann die Ausbeute eines ganzen Jahres an die Frau und den Mann brachten und den schriftlichen Part abwickelten. Für Weitz war es schon die zehnte Versteigerung. Bevor der routinierte Auktionator vom Ordnungsamt die Ware anpries, bestand Gelegenheit zur Besichtigung. Hände drückten Bremshebel, Finger prüften Reifendruck und Kettenspannung. Ob Licht und Schaltung noch funktionieren? Überraschungen barg auch ein Reisekoffer. Er wurde verschlossen angeboten.

Mancher Drahtesel stand noch recht gut da, andere wiederum konnten nur noch als Ersatzteillager dienen. Aber selbst ein schon arg ausgeschlachtetes Mountainbike mit nur einem einzigen Rad fand einen neuen Besitzer. Bei fairen Preisen ab meist einem Euro war das kein Wunder. Trotzdem wandern jetzt fünf kleinere Räder in die Schrottpresse. Sie wollte keiner haben.

Von den Bietern hat so jeder seine eigene Geschichte zu erzählen. Ein Teilnehmer war gekommen, um für seine Tochter einen fahrbaren Untersatz zu ersteigern und damit ein böses Malheur auszugleichen. Der jungen Studentin war an der Uni in Detmold das Hinterrad ihres Fahrrades geklaut worden. Oder Lorenz Köhl aus Jügesheim: In seinem Fuhrpark fehlt noch ein Rennrad. „Mal sehen, ob eins dabei ist für mich.“

Bevor die einzelnen Fundsachen zur Versteigerung aufgerufen wurden, konnten Bieter die Ware prüfen.

Auch Nicole Merget brauchte für sich selbst etwas Passendes. „Meine Tochter fährt jetzt ohne Stützräder und mein Großer hat gerade ein neues Rad bekommen. Jetzt bin ich die Einzige, die noch keins hat. Aber Hinterherlaufen ist nicht so toll.“ Großes Interesse fanden die Motorroller. Ein Mitsteigerer, der sogar einen Startversuch unternahm, regte an: „Es wäre gut, wenn die Stadt schon vor der Versteigerung Bilder ins Internet stellen würde. Dann hätte man schon vorab einen Eindruck.“ Ein anderer fragte Bernd Brüstle, was zur Inbetriebnahme der motorisierten Fundsache wohl nötig wäre. „Eine Einzelzulassung und ein neues Zündschloss brauchen sie mindestens. Es kommen schon einige Euro zusammen“, erläuterte der Mann von der Ordnungspolizei. Gestanden hatte der Roller in Dudenhofen – mit Nummernschild dran. Die Besitzerin konnte zwar ermittelt werden, wollte das Teil aber nicht mehr. „Das Eigentum wurde aufgegeben“, findet Gerhard Weitz dafür die korrekten Worte. Also ab zur Versteigerung .

Dabei geht alles ganz schnell. Im Eiltempo bieten die Teilnehmer für die Ware. Die Nummer 17, ein Damenrad, 26 Zoll, bringt 40 Euro. Ein anderer Schelch geht für nur einen Euro weg, ein Laufroller für sechs. So geht das im Minutentakt.

Der Zeitpunkt, den das Ordnungsamt für die Versteigerung gewählt hat, befeuert die Bieterfreude: Frühlings- und Ferienbeginn. Das macht Lust auf eine Radtour. Und man hat die nötige Zeit zum Schrauben.

Während andere beim Bieten locker einen heißen Kaffee genießen, nehmen’s andere verbissen. Aufgeregt fordern sie, dass eine Gasse im Publikum gebildet werde, damit auch die Hinteren etwas sehen. Man kann’s verstehen. Bis auf eine einzige enttäuschte Dame bekommen aber schließlich alle, was sie wollten.

Ein glückliches Ende nimmt die Auktion auch für Fundsache 1800-014, einen angestaubten Plüsch-Osterhasen, der mal schneeweiß gewesen sein muss. Wer wollte auch derart herzlos sein und Meister Lampe ausgerechnet zu Ostern im Depot versauern lassen?

VON BERNHARD PELKA

Quelle: op-online.de

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