Verein vermittelt Versuchshunde

Erst Versuchstier, jetzt Freiheit: Laborhund findet sein spätes Glück

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Aylin Kreis hat Laborhund Fabi adoptiert. Aus welchen Firmenlabors solche Hunde kommen, erfahren die neuen Herrchen und Frauchen grundsätzlich nicht.

Fabi aus Weiskirchen ist ein schüchterner Bursche. Kein Wunder: Der zehn Jahre alte Rüde hat in seinem früheren Leben als Laborhund wahrscheinlich Einiges mitgemacht. Klar, dass ihn fremde Personen und ungewohnte Situationen ängstigen.

Weiskirchen – Seinen Alterssitz hat der Beagle in wesentlich freundlicherer Umgebung in Weiskirchen gefunden. Aylin Kreis hat Fabi über den Verein Laborbeaglehilfe adoptiert. Für die Steuerfachangestellte ist das nicht der erste Kontakt mit Versuchshunden. Auch Fabis inzwischen gestorbener Vorgänger, Weezy, kam aus einem Labor.

Tiere wie Fabi verlangen einen besonderen Umgang, sobald sie in ein herkömmliches Hundeleben wechseln. Versuchshunde sind nicht stubenrein und schreckhaft. Sie sind das Alleinsein nicht gewöhnt und kennen es nicht, an einer Leine zu laufen. Auch sind sie meist unerfahren mit Alltagsgeräuschen. Wichtig ist, dass sie in ruhige Familien oder Singlehaushalte kommen, in denen ihnen Geduld, Zeit und Ausgeglichenheit widerfahren.

„Wer sich darauf einstellt und sich das schon vorher bewusst macht, der wird belohnt“, beschreibt Aylin Kreis ihre guten Erfahrungen. „Die Tiere lernen unheimlich schnell.“ Fabi, zum Beispiel, wollte anfangs nicht Gassi gehen. Außerdem suchte er sich zum Sitzen immer erhöhte Positionen. „Er wollte ausschließlich aufs Sofa.“

Zulassung von Medikamenten: Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben

In Deutschland sind Tierversuche für die Zulassung von Medikamenten gesetzlich vorgeschrieben. Sie sind aber etwa auch in der Kosmetikbranche Standard. Ob die daraus resultierenden Ergebnisse auf den Menschen übertragbar und somit aussagekräftig sind, ist umstritten.

Der Schweregrad einer Versuchsreihe an Hunden entscheidet oft darüber, ob diese Tiere irgendwann einmal die Chance auf ein Leben in Freiheit bekommen. Die Anzahl der Entlassungen liegt in der Regel unter zehn Prozent. Da sich der Beagle als Meutehund mit seinen positiven Eigenschaften für die Gruppenhaltung am besten eignet, wird diese Rasse von Firmen bevorzugt gehalten. Der Verein Laborbeaglehilfe vermittelt Beagles nach ihrer Entlassung an geeignete Familien. 2017 waren es 114 Hunde, aktuell sind 15 noch zu haben.

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Kurzzeitpflegestellen sind oft die erste Anlaufstation für diese Vierbeiner, bis sich ein geeigneter Platz gefunden hat. Daher sucht der Verein Interessenten. Es kann Monate dauern, bis ein passender Haushalt gefunden ist. Steuern, Versicherung und Tierarztkosten der Pflegestellen übernimmt der Verein.

Ihre Rolle als Hundemama hat Aylin Kreis übrigens verändert. Sie vermittelt für den Verein Laborbeaglehilfe nun selbst Hunden ein neues Zuhause und hat zu Kosmetika eine andere Einstellung gefunden. „Ob man eine bestimmte Salbe wirklich braucht, da schaut man jetzt schon anders drauf“, sagt die 27-Jährige.

Interessenten können sich bei Gabi Suhr unter 05429 928236 oder per E-Mail an g.suhr@laborbeaglehilfe.de melden.

Infos im Internet unter laborbeaglehilfe.de

Von Bernhard Pelka

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Quelle: op-online.de

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