Lücke geschlossen

Einmal durch die Stadt in 90 Minuten: Stadtbuslinie startet am 16. Dezember  

Am Bahnhof Nieder-Roden wartet ein Bus auf Fahrgäste. Die Linie OF-41, die ausschließlich Nieder-Roden bedient, ist die am schwächsten ausgelastete Stadtbuslinie. 435 Fahrgäste am Tag wurden im Januar gezählt. Fotos: Wolf
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Am Bahnhof Nieder-Roden wartet ein Bus auf Fahrgäste. Die Linie OF-41, die ausschließlich Nieder-Roden bedient, ist die am schwächsten ausgelastete Stadtbuslinie. 435 Fahrgäste am Tag wurden im Januar gezählt.

Der Rodgau-Bus kehrt zurück: Ab 16. Dezember kann man erstmals seit 2003 wieder mit dem Bus durch ganz Rodgau fahren – von Nord nach Süd oder umgekehrt.

Rodgau – Bisher gab es drei Stadtbuslinien, künftig nur noch eine. Die neue Linie „OF-40 neu“ ersetzt die bisherigen Buslinien 40 (Schülerverkehr), 41 (Nieder-Roden) und 42 (Weiskirchen, Hainhausen, Jügesheim). Außerdem schließt sie die Lücke, die vor zwei Jahren durch die Einstellung der Linie 99 entstanden war. Damit ist Dudenhofen nicht länger vom städtischen Busverkehr abgeklemmt.

16 Jahre nach dem S-Bahn-Start korrigiert die Stadt Rodgau einen Geburtsfehler des Liniennetzes. Weil man keine Konkurrenz zur S-Bahn schaffen wollte, war ein Parallelverkehr per Bus damals unerwünscht. Die Nutzerzahlen zeigten, dass die S-Bahn keine Konkurrenz zu fürchten brauchte: Die Schnellbahn im 15- und 30-Minuten-Takt war so beliebt, dass bald zusätzliche Triebwagen angehängt werden mussten.

Mit Blick auf den neuen Stadtbus spricht Bürgermeister Jürgen Hoffmann von einer Linie, „die entgegen dem, was wir vorhatten, das tut, was wir bisher nicht durften“. Auch Hoffmann gesteht einen Fehler ein. Er habe sich seinerzeit als Chef der Kreisverkehrsgesellschaft dafür eingesetzt, den Stadtbus als Zubringer zur S-Bahn zu konzipieren. Tatsächlich habe sich aber gezeigt, dass die Fahrgäste im Bus durch die Stadt fahren wollten.

Wer ohne Umsteigen mit dem Stadtbus von Nord nach Süd fahren will, muss allerdings Zeit mitbringen: Der Bus ist 90 Minuten unterwegs und legt in dieser Zeit 27 Kilometer zurück.

Nach zwei Jahren gibt es in Dudenhofen wieder Ersatz für die eingestellte Buslinie OF-99.

Auch die neue Stadtlinie ist an den S-Bahn-Takt angebunden. An vier Stationen können Fahrgäste zwischen Bus und S-Bahn umsteigen. Nur in Dudenhofen ist das nicht möglich: Der Schlenker zum Bahnhof hätte 1,3 Kilometer Umweg erfordert und durch die längere Fahrzeit den S-Bahn-Anschluss in anderen Stadtteilen gefährdet. „Es ist nicht möglich, alle S-Bahn-Stationen zu erreichen“, sagt Bürgermeister Hoffmann.

An einer anderen Stelle nimmt die Linienplanung sogar 2,8 Kilometer mehr in Kauf: Zwischen Jügesheim und Dudenhofen fährt der Stadtbus künftig nicht auf direktem Weg, sondern durchs Industriegebiet Jügesheim und den VGP-Gewerbepark. Das soll Arbeitnehmern den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr erleichtern.

Stadt und Stadtwerke hoffen, dass das Busfahren in Rodgau mit der neuen Linienführung attraktiver wird. 53 Haltestellen werden montags bis freitags im 30-Minuten-Takt bedient. Einige zusätzliche Haltestellen gelten nur für den Schülerverkehr.

Der Schülerverkehr wird in die neue Stadtbuslinie integriert. Das Foto entstand 2017 in Jügesheim.

Die Fahrgäste können künftig im Bus kostenlos per WLAN das Internet nutzen. Eine Videoüberwachung soll Fahrgästen und Fahrern ein Gefühl zusätzlicher Sicherheit vermitteln. Nach zwei Angriffen auf Busfahrer im Mai und Juni hatte der Omnibusbetrieb „Schau ins Land Hain GmbH“ die Fahrzeuge mit Kameras ausgerüstet.

Wegen der längeren Strecke braucht das Unternehmen künftig acht statt sechs Busse. Die jährlichen Kosten für die Stadt steigen von 812 000 auf 1,1 Millionen Euro. Der Vertrag über die neue Stadtbuslinie läuft nur zwei bis drei Jahre. Bis dahin wollen die Stadtwerke Erfahrungen mit anderen Antriebsformen wie Elektro- oder Brennstoffzellen-Bussen sammeln.

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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