Schüler lernen ihre Talente kennen

Neues Testprogramm in der Georg-Büchner-Schule hilft bei der Berufsorientierung

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Symmetrie ist bei dieser Aufgabe gefragt. Lehrerin Regine Schuckert (links) erklärt der Siebtklässlerin Zoey Kranich, worauf es ankommt.

Ein neues Kapitel der Berufsorientierung hat die Georg-Büchner-Schule aufgeschlagen. Zwei Tage lang haben die 14 Schüler der Klasse 7 H ein umfangreiches Testprogramm absolviert, in dem es um berufliche Fähigkeiten ging.

Jügesheim – Die Schüler mussten unter anderem Servietten falten, Karteikarten sortieren, mit der Nähmaschine entlang einer Zeichnung nähen, einen Draht in Form biegen oder am PC einen Anrufbeantworter programmieren. Durch die standardisierten Aufgaben sind die Ergebnisse vergleichbar. Bei dem Testverfahren „Hamet 2“ kommen Empfehlungen heraus, die für die Berufswahl hilfreich sein können. Es ist ein sehr hoher Aufwand, aber wir glauben, dass sich das lohnt“, sagt Haupt- und Realschulzweigleiter Jan Lorenz. Er weiß aus Erfahrung, dass viele 13- oder 14-Jährigen noch recht unklare Vorstellungen haben, welche Berufe für sie in Frage kommen.

Bei den Aufgaben des Testverfahrens kommt es oft auf Schnelligkeit an, immer aber auf Genauigkeit. Mal ist räumliches Sehen gefragt, mal auch handwerkliches Geschick. Viele Schüler glaubten nicht an ihre Fähigkeiten, sagt Lehrerin Nathalie Karaoguz: „Hier merken sie, dass sie etwas leisten können.“ Ihre Kollegin Josephine Kirsch ergänzt: „Oft zeigen sich auch unentdeckte Talente.“ Freilich gibt es auch mal eine Aufgabe, bei der ein Schüler an seine Grenzen stößt. Einer scheitert vielleicht an der Feinmotorik, einem anderen fällt es schwer, 85 Millimeter in Zentimeter umzurechnen. „Puh, das ist Mathe, damit habe ich nichts am Hut“, wendet sich eine Schülerin stöhnend ab.

Im Werkraum beweisen Yunus Akkoyun (links) und Jure Maric ihre handwerklichen Fähigkeiten bei der Metall- und Holzbearbeitung.

Klassenlehrer Tim Partridge beobachtet erfreut, wie motiviert seine Schüler an die Arbeit gehen: „Ich bin positiv überrascht, dass sich die Schüler so darauf einlassen.“ Ohne Notendruck gingen die Jugendlichen viel offener und ernsthafter an die Aufgaben heran, trauten sie sich mehr zu und gäben nicht gleich beim ersten Hindernis auf: „Sie wissen, sie machen es für sich selbst und sie wollen da durchsteigen.“ Wie sinnvoll ist ein solcher Kompetenztest? „Wo die Interessen der Schüler liegen, bekommt man gerade in unserer kleinen Klasse gut mit“, sagt Partridge. Dennoch zeigten die Testaufgaben „einige Facetten, die im Regelunterricht nicht zu sehen sind“.

Der Kompetenztest ist möglicherweise nur der erste Schritt. Haupt- und Realschulzweigleiter Jan Lorenz würde es begrüßen, wenn die Hauptschüler in der 8. Klasse die zehntägige Berufsorientierung in der Talentewerkstatt Hanau besuchen könnten. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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