Sprudelndes Wir-Gefühl

Ortsbrunnen soll im WhatsApp-Zeitalter Ort der Kommunikation sein

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Bunt geschmückt: Ralf Neuhäusel (rechts), seit Freitag neuer Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins Hainhausen, ließ den Brunnen am Wingertsgrund sprudeln. Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikhart-Paul und Bürgermeister Jürgen Hoffmann assistierten.

So viele Gäste haben höchstens Bürgermeister zum Amtsantritt. Gut 120 Hainhäuser sahen am Samstag zu, wie Ralf Neuhäusel, seit Freitagabend erst Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins (GKH), den Ortsbrunnen am Wingertsgrund zum Plätschern brachte.

Hainhausen –  Das Fest war der natürlich der Hauptgrund des Abstechers. Denn dass der GKH einen Nachfolger für den am 15. Februar gestorbenen Roland Schlitt gewählt hatte, wussten die wenigsten.

Zum dritten Mal feierten die Hainhäuser den Frühling mit Liedern, gesungen von der Eintracht, Kuchen, gespendet vom Bäcker Schäfer, und plätscherndem Wasser. Helga Linduschka vom Obst- und Gartenbauverein hatte den Brunnen mit 18 Metern eigenhändig geflochtenen Girlanden und ungezählten bunten Eiern dekoriert.

„Es ist immer schön zu sehen, was wir Hainhäuser alles hinbekommen“, lobte Neuhäusel das große Engagement im kleinsten Stadtteil. Das war schon beim Bau des Brunnens 1976 so gewesen. Franz Schmitz, Berthold Liller und Karl-Heinz Klar waren die treibenden Kräfte. Aber auch Nachbarn und die damals noch selbstständige Gemeinde Hainhausen machten mit. 1995 übernahm Ehren-Ortsvorsteher Ewald Simon die Betreuung.

Gemeinsinn zieht sich wie ein roter Faden durch 43 Jahre Ortsbrunnen. Getränkehändler Ott und die Familie Arar lieferten den Strom, Franz Schroth half bei der Installation, Klaus Kredel organisierte in der Lüneburger Heide einen neuen Trog. Auch Wolfgang Junker und „Rodgau 16+“ packten an.

Früher kamen die Leute im Frühjahr zusammen, um den über die Wintermonate verschmutzten Brunnen wieder „in die Reih" zu bringen“. Nach getaner Arbeit wurde gefeiert. Heute braucht"s dafür keine gemeinsame Putzaktion mehr. Damals wie heute flossen am Brunnen nicht nur Wasser, sondern auch Informationen. Er soll ein Ort des Tratschs bleiben, hofft Neuhäusel.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann würdigte das Engagement aller Brunnen-Kümmerer der vergangenen Jahre: „Ohne sie wäre der Brunnen ein Haufen Schrottholz geworden, den wir hätten wegschaffen müssen!“

Der Brunnen und seine Betreuer sind für Hoffmann der Beweis: „Dörfliche Gemeinschaft kann auch innerhalb einer großen Stadt existieren.“ Der Bürgermeister sprach"s gut 100 Meter vom Neubaugebiet entfernt, das den Westen des Orts wie ein großes L umschließt.

Dessen Bewohner luden Neuhäusel und er schon mal zum Brunnenfest 2020 ein. Eine bessere Gelegenheit, in der neuen Heimat Anschluss zu finden, gibt es ihrer Ansicht nach kaum. Und vielleicht fließt aus dem Hahn dann wieder Wein wie bei der Einweihung 1976. (lö)

Quelle: op-online.de

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