Hospizprojekt

Groß-Spenden am Wasserturm

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So sehen zufriedene und großzügige Spender aus: 130 500 Euro gingen zum Richtfest für das Hospiz am Wasserturm ein. Foto:s

Das Richtfest für das erste stationäre Hospiz im Kreis Offenbach geriet zum Spendenfestival. 130 500 Euro gingen für die gute Sache ein. Angeschoben von der Hospiz Stiftung Rotary Rodgau, ist das segensreiche Projekt inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Rodgau – Sogar die am Bau beteiligten Handwerksfirmen greifen tief in die Tasche. Trotzdem gibt es eine Ausnahme. Bis auf eine einzige Kommune im Landkreis Offenbach sind alle mit im Boot und haben je mindestens 20 000 Euro gestiftet. Stiftungs-Vorstand Dr. Nikos Stergiou kommentierte diesen Ausreißer mit den Worten: „Die Tür, um für das Gemeinschaftsprojekt zu spenden, ist weiterhin weit, weit offen. “.

Diverse Rednerinnen und Redner würdigten beim Richtfest die Qualitätsarbeit der Handwerker, Architekten, der Stiftung (namentlich Schatzmeister Herbert Sahm und Vorstandsmitglied Lothar Mark) und der großzügigen Gönner.

In seiner Rede nannte Rotarypräsident und Stiftungs-Schatzmeister Sahm beeindruckende Zahlen: Mehr als 1 300 Einzelspenden sind bisher eingegangen. Das Stiftungskapital ist auf 1,7 Millionen Euro gewachsen. Ziel sind zwei Millionen bis zur Fertigstellung. Drei weitere öffentlichkeits- und spendenwirksame Veranstaltungen plant die Hospiz Stiftung noch zusätzlich: Grundsteinlegung, Tag der offenen Tür und Eröffnung. Dabei sollen jeweils weitere 100 000 Euro Spenden fließen. Grandios: Eine Million Euro trägt die Frankfurter Werte Stiftung bei.

Die restlichen 600 000 Euro sollen als private Darlehen zusammenkommen. „Wer dem Minuszins der EZB entgehen möchte, darf ein Darlehen ab 50 000 Euro der Hospiz Stiftung Rotary Rodgau gewähren. Die Rückzahlung erfolgt nach 24 Monaten jederzeit mit vier Wochen Gläubigerkündigungsfrist“, warb Sahm.

Auf 4 000 Quadratmeter am Wasserturm, von der Stadt zum symbolischen Preis überlassen, sind in knapp vier Monaten Bauzeit 1 200 Quadratmeter Grundfläche so bebaut worden, dass rund 1 000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen – ebenerdig und barrierefrei. Davon konnten sich die rund 250 Gäste beim Richtfest überzeugen. Das Haus beherbergt zwölf Gästezimmer mit Nasszellen und ein Zimmer für Angehörige. Dazu kommen Konferenz- und Besprechungsräume für die ambulanten Hospiz und Palliativgruppen, ein Raum der Stille, das Leitungszimmer, ein Wohlfühlbad, Sozialräume für Mitarbeiter, Gemeinschaftsraum, Küche, Magazin, Lager, EDV- Raum, Hauanschlussraum und Haustechnik, Raum für Heizung und Wärmepumpen.

Kein Richtkranz, sondern ein Richtbäumchen. Zimmermannsmeister Tobias Rebell (links), der den Richtspruch hielt, und sein Kollege nagelten die kleine Birke ans nagelneue Dachgebälk.

Außerdem hat jedes Gästezimmer eine eigene Terrasse mit Zugang zum gemeinsamen, 2 000 Quadratmeter großen Garten. Vor dem Haus entstehen zehn Parkplätze und Fahrradstellplätze. Der Eingangsbereich ist ebenfalls barrierefrei.

Investiert werden an Baukosten 3,6 Millionen Euro. Dazu waren intensive Vergabegespräche nötig, wie der bauleitende Architekt Matthias Bauer in seiner Rede versicherte. Doch diese sind, wie Bauer ausführte, in ungewohnt unkomplizierter Weise schnell umgesetzt worden. Dafür bedankte er sich bei der Hospiz Stiftung und deren verantwortlichen Personen, Herbert Sahm und Lothar Mark.

Seit dem 14. Jahrhundert werden Richtfeste gefeiert erläuterte Bauer. Die sei traditionell jener Zeitpunkt, an dem der Bauherr seine Rechnungen bezahlt hat. Das sei auch im Falle des Hospizes so, versicherte er. Besonders stolz ist Bauer darauf, dass es keinen einzigen Arbeitsunfall gab. Die Rohbauarbeiten sind abgeschlossen. Deshalb ging der Dank an die bisherigen Handwerker: LIM Hoch-und Tiefbau, Löffler Tiefbau, Nees Erdbau, Hotz und Demuth Gerüstbau, Zimmermannsarbeiten Drei Vetter, Kai Vetter und Richtzimmermann Tobias Rebell.

Die Verantwortlichen der Hospiz Stiftung lassen keinen Zweifel aufkommen, dass auch die weitere Finanzierung steht, wie Vorsitzender Dr. Nikos Stergiou betonte. „Wir sind als Antreiber für den Bau des Hospizes angetreten, doch durch die sehr gute Leistung des Handwerks und die schnelle Erledigung der Arbeiten müssen wir schneller zahlen und auch zügiger die Spenden einsammeln. Somit sind wir jetzt die Getriebenen.“ Doch bei dem bürgerlichen Engagement das er derzeit erlebe, sei er sicher, „dass es uns gelingen wird.“ Die Bestätigung folgte auf den Fuß: 130 500 Euro kamen beim Richtfest zusammen. Nach weiteren Dankesworten gab Stergiou das Handwerkerbuffet frei. Familie Cetinkaya von der Wolfschlucht zeigte als erfahrene Caterer ihre beste Seite. In der zweiten Oktoberhälfte soll der Grundstein gesetzt werden. Der Betreiber Mission Leben bereitet sich derweil auf die Eröffnung im nächsten Jahr vor. Der Termin steht noch nicht fest. Es heißt, bis zum zweiten Quartal könne das Haus belegt werden.

VON BERNHARD PELKA

Quelle: op-online.de

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