Tagesthema

Verunreigte Gewässer - Medikamente und Klärwasser in Rodau und Bieber gefunden

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Auch Arzneimittelrückstände belasten die Rodau. 

Täglich lösen sich tausende Tabletten Diclofenac und andere Medikamente in deutschen Flüssen auf. Auch hier in Hessen.

Rodgau – Denn auch in der Rodau (und in der Bieber) schwimmt ein bunter Medikamenten-Mix. Das geht aus einer Präsentation des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hervor. Demnach finden sich in der Rodau Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Anti-Epiletika, die gerne in der Tierzucht gegeben werden, und Arznei, die gegen Diabetes wirkt. Auch Korrosionsschutzmittel (sie sind Bestandteil von Spülmaschinen-Tabs) kommen im Wasser vor. Ermittelt wurden die Rodau-Daten an der Messstelle Mühlheim/Markwald.

Wir haben das HLNUG zur Thematik befragt:

Sind die Messwerte kritisch?

Leider gibt es für Pharmaka derzeit noch keine Umweltqualitätsnormen (UQN). Für Diclofenac liegt ein UQN-Vorschlag des Umweltbundesamts von 0,05 Mikrogramm pro Liter vor. Dieser Wert wäre in beiden Gewässern, Rodau und Bieber, deutlich überschritten.

Ab wann besteht Handlungsbedarf?

Das Fehlen von Umweltqualitätsnormen bei Pharmaka erschwert es, eine klare Schwelle für einen Handlungsbedarf zu definieren. Die Überschreitung eines ökotoxikologisch abgeleiteten UQN-Vorschlags kann aber ein guter Hinweis sein, dass über Möglichkeiten zur Minderung entsprechender Einträge nachgedacht werden könnte.

Wie viel Rodauwasser müsste man trinken, um etwa die Wirkung einer Kopfwehtablette zu verspüren?

Der Wasserkonsum aus Fließgewässern ist generell keine Empfehlung. Rodau und Bieber haben zudem einen recht hohen Anteil an Abwasser aus Kläranlagen, sodass allein schon der hygienische Zustand einen Konsum nicht nahelegt.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie zur Gegensteuerung?

Eine Reduktion des Eintrags von Pharmaka kann durch die Ergänzung der Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe erreicht werden. Daneben muss eine sachgerechte Altmedikamentenentsorgung entweder durch Rückgabe in den Apotheken oder mit dem Hausmüll, (...) Schadstoffsammlung, sichergestellt werden. Dabei muss die Entsorgungssicherheit gegenüber einem unbefugten Zugriff, beispielsweise durch Kinder, gewährleistet sein.

Welche Folgen haben die Arzneimittelrückstände für die Fische?

Dem Regierungspräsidium Darmstadt liegen speziell für die Gewässer der Bieber und Rodau keine Erkenntnisse über unmittelbare Auswirkungen auf Fische vor, die sich auf gelöste Substanzen, die sich aus Arzneimittel ableiten könnten, zurückführen ließen. Grundsätzlich sind Auswirkungen von Arzneimittelrückständen oder Korrosionsschutzmittel publiziert. Auf Fische und andere Tiere können Arzneirückstände toxisch wirken oder deren Fortpflanzung und Verhalten verändern. Es handelt sich in der Regel um Schmerzmittel, Hormone und Psychopharmaka. Untersuchungen an der Universität Tübingen zeigten, dass beispielsweise Diclofenac bei umweltrelevanten Konzentrationen Organe wie die Kiemen, die Nieren und die Leber von Fischen schädigt (Triebskorn et al. 2004).

Von Bernhard Pelka

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Quelle: op-online.de

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