Noch ist Zeit zum Futtern

Igel bereiten sich auf Winter vor

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Im Oktober und November ist’s ganz normal, dass Igel tagsüber durch Gärten streifen. Sie suchen Nahrung, um sich bis zum Winterschlaf 500 Gramm Gewicht angefressen zu haben. Wobei ihnen Würmer und Maden lieber sind als Pflaumen, über die sich dieser Igel in einem Jügesheimer Garten hermacht.

Rodgau - Nur offensichtlich kranke Igel brauchen in diesen Tagen die Hilfe des Menschen.

Igel-Alarm bei Petra Simon: 10, manchmal auch 20 besorgte Tierfreunde, die kleine oder schwache Stacheltiere gesehen haben, lassen ihr Telefon dauerklingeln. Doch gemach: Nicht jeder scheinbar hilflose Igel braucht den Menschen, um über den Winter zu kommen. „Ich kriege seit Wochen schon Tag und Nacht Anrufe“, stöhnt Petra Simon. Die eigentlich nachtaktiven Igel rascheln tagsüber durch Gartenhecken, inspizieren Holzstapel auf ihre Tauglichkeit als Winterquartier oder schrecken Hunde beim Gassigehen auf. Kein Grund zur Sorge, beruhigt die Fachfrau: „Im Oktober und November ist das normal!“

Mindestens ein halbes Kilo muss ein Igel wiegen, will er den Winter überleben. Dieses Gewicht kennt jeder, der sich einmal mit den possierlichen, Artgenossen gegenüber aber höchst muffeligen Tierchen beschäftigt hat. Doch viele der gerade umherstreifenden Igel bringen nicht einmal die Hälfte auf die Waage. Was Petra Simon auch unbesehen bestätigt: Sie wiegen tatsächlich nur 200 bis 250 Gramm. Aber sie setzen pro Woche zwischen 70 und 80 Gramm Reserven an. Zum Winterschlaf - und nur dann zehren sie davon - ziehen sich Igel erst zurück, wenn’s mehrere Tage richtig kalt ist. Auch einzelne Frostnächte überstehen vermeintliche Hungerhaken problemlos, sofern sie ansonsten gesund sind. Eine viel größere Gefahr droht Igeln derzeit auf der Straße, berichtet Petra Simon. Der Asphalt ist wärmer als Gärten, Felder und Wiesen, deshalb lassen sich Igel dort buchstäblich ohne Rücksicht auf eigene Verluste nieder. Dutzende von Tierkadavern sind der traurige Beweis für diese Erkenntnis.

Petra Simon bittet Tierfreunde, trotz vermeintlicher Igel-Not in diesen Tagen kühlen Kopf zu bewahren: Denn wer jetzt einen Igel zu ihrer oder einer anderen Wildtier-Auffangstation bringt, beraubt im Spätherbst oder Winter wirklich schwache Tiere ihrer Überlebenschance. Denn das Veterinäramt hat für diese Einrichtungen eine Obergrenze festgelegt, die sich an der Zahl und nicht am Hunger der stacheligen Gesellen orientiert.

Pflege für stachelige Nichtschläfer

  • Wer einen kleinen Igel findet und nicht sicher ist, ob er über den Winter kommt, sollte ihn wiegen, rät Petra Simon: Vom aktuellen Gewicht kann man leicht hochrechnen, ob er bis zum Beginn der kalten Jahreszeit 500 Gramm auf den Rippen hat. Erreicht er dieses Gewicht voraussichtlich, muss er am Fundort wieder freigelassen werden. 
  • Sollte ein Igel aber in menschlicher Obhut überwintern müssen, muss er von allem Ungeziefer befreit werden. Im Stachelkleid tummeln sich Flöhe und Zecken, in den Körperöffnungen legen Fliegen ihre Eier ab. Auch die Maden müssen weg - am besten mit einer Pinzette.
  • Igel sind anspruchsvolle Wintergäste. Denn sie benötigen ein Quartier von fast zwei Quadratmetern Fläche und 50 Zentimetern Höhe sowie ein Schlafhaus von 30 Zentimetern Kantenlänge. Der Boden sollten mit viel Zeitungspapier ausgelegt werden. Terrassen oder Gartenhäuschen sind die besten Standorte. 
  • Als Insektenfresser will der Igel Fleisch haben, bevor er sich zum Winterschlaf zurückzieht. Wer nicht unbedingt Würmer ausbuddeln will, kann seinen Gast mit Katzenfutter, gebratenem Hackfleisch oder Rührei (ungewürzt) und gekochtem Hühnerfleisch aufpäppeln. Haferflocken oder Kleie sind allenfalls Beilagen.
  • Nach dem Winterschlaf hat ein Igel im Haus nichts mehr verloren und muss ausgewildert werden. 
  • Am besten setzt man ihn dort aus, wo man ihn auch gefunden hat.

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(lö)

Quelle: op-online.de

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