Eheleute Sattler sind für Kunden zu Frühaufstehern geworden

Frühstück ab 4.30 Uhr

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Leckere Frühstücksbrötchen geben bei Sattlers weg wie warme Semmeln. Wolfgang (links) und Christa Sattler versorgen aber nicht nur ihre Kunden im Laden, sondern auch städtische und kirchliche Kindergärten, die noch selbst kochen.

Jügesheim - Der Arbeitstag von Christa und Wolfgang Sattler beginnt um 2.30 Uhr. Während andere gerade in die zweite Tiefschlafphase fallen, müssen die beiden Ladenbesitzer schon aufstehen. Von Bernhard Pelka

Spätestens um 4.30 Uhr warten die ersten Kunden vor ihrem Lebensmittelgeschäft an der Dudenhöfer Straße. Christa und Wolfgang Sattler führen eine Tradition fort. Ihre Familie betreibt schon seit 100 Jahren Einzelhandel. „Und jetzt noch die Zeitung.“ Diesem freundlichen Hinweis von Wolfgang Sattler folgt die nette Kundin an der Kasse gerne. „Klar! Ohne die geht gar nix“, sagt die Frau, packt die Tageszeitung zu den anderen sieben Sachen und verabschiedet sich locker mit „Bis demnächst.“

Im Kauftreff „Ums Eck“ geht es herzlich zu. Das prägt den einzigen Nahversorger in Rodgau, der so früh morgens öffnet. Das hat einen guten Grund. Die ersten Kunden ab 4.30 Uhr sind Speditionsfahrer, Männer und Frauen von der Post und Taxifahrer. Sie holen sich in dem Tante-Emma-Laden ihr Frühstück. Das haben Christa und Wolfgang Sattler zuvor frisch zubereitet.

Ein Schlemmerparadies

Früher kam die Milch im Pferdewagen zu Sattlers Kunden.

Brötchen beim Bäcker Schäfer holen, schneiden, belegen, Eier kochen und später schälen, Salate anrichten: das alles geht den beiden ab 2.30 jeden Morgen flink von der Hand. Schnelligkeit muss auch sein. Schließlich haben die meisten frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit alles - nur keine Zeit. Gemütlicher wird’s etwas später am Morgen, wenn die ersten Handwerker eintreffen. Die nehmen sich dann schon mal Zeit für einen schnellen Kaffee oder ein Schwätzchen, während die leckeren Kalorien an der Theke mitten im Laden verzehrt werden. „Schlemmerparadies zum Handwerkertreff“ haben die Handwerker ihre Theke schwärmerisch getauft, die sie übrigens selbst gebaut haben. Das belegt, wie eng die Sattlers und ihre Kunden verbunden sind. Der Laden hat eine sehr persönliche Note.

Ausdruck findet das auch im alljährlich für die Kunden aufgehängten Adventskalender oder in der Handwerker-Leseecke. Das ist ein Stehtisch, auf dem unsere Zeitung immer bereit liegt. Wer also lieber liest, statt zu plaudern, ist ebenfalls in dem kleinen Geschäft gut aufgehoben. Mit dem Frühstücksservice und dem familiären Miteinander haben sich die Sattlers eine Nische im Lebensmitteleinzelhandel geschaffen, in der sie trotz übermächtiger Konkurrenz von Lidl & Co. gut leben können.

Handel ist Wandel

Wer im Kauftreff nicht unbedingt frühstücken möchte, findet dort Grundnahrungsmittel und viele nützliche Dinge für den täglichen Bedarf. Der Ursprung des Geschäfts war der Milchhandel. Die Vorfahren von Wolfgang Sattler sammelten Milch in Kannen, die auf einem von zwei Rottweilern gezogenen Hundewagen standen. Damit wurde an die Haushalte geliefert. Erst nach dem Krieg war die Familie im Besitz eines Pferdefuhrwerks. Ab 1952 kamen Milch, Butter, Quark und Mehl dann auf einem motorisierten Dreirad zu den Kunden. Kurt Sattler, der Vater von Wolfgang Sattler, schaffte später noch drei große Verkaufswagen an. Deren 350-Liter-Tanks wurden mit der Handpumpe geleert. Auch Offenbach gehörte zum Verkaufsgebiet der allseits bekannten Milchmänner.

1952 hatten Lotte und Kurt Sattler außer dem mobilen Handel noch ein Ladengeschäft an der Dudenhöfer Straße. 1958 kam der Umzug in die Hausnummer 59, den heutigen Standort. 1974 stieg Christa Sattler in den Laden mit ein, ihr Mann Wolfgang 1997. Seither haben die Zulieferer mehrfach gewechselt. Früher kamen die Waren von Vivo und Moha, dann 40 Jahre von Edeka. Heute füllt eine Lebensmittelhandelsgesellschaft aus Würzburg die Regale im Kauftreff. Und längst finden sich dort nicht mehr nur Butter, Milch, Käse, Mehl und Quark. Handel ist eben Wandel.

Quelle: op-online.de

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