Dichte Bebauung im Jügesheimer Ortskern

Verdichtung sorgt für Ärger: Freier Blick in Nachbars Fenster

Krass: Links der Neubau an der Ludwigstraße 1, rechts das Haus eines alt eingesessenen Nachbarn. Die Gebäude stehen nicht nur Wand an Wand. Noch unangenehmer ist, dass Benutzer des Balkons im Neubau links dem Nachbarn rechts direkt ins Fenster gucken können. Der Abstand beträgt nur noch etwa zwei Meter. 
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Krass: Links der Neubau an der Ludwigstraße 1, rechts das Haus eines alt eingesessenen Nachbarn. Die Gebäude stehen nicht nur Wand an Wand. Noch unangenehmer ist, dass Benutzer des Balkons im Neubau links dem Nachbarn rechts direkt ins Fenster gucken können. Der Abstand beträgt nur noch etwa zwei Meter.

Der Neubau an der Ludwigstraße 1 in Jügesheim wurde Montagabend im Parlament als abschreckendes Beispiel für den Baulückenschluss in der Stadt genannt.

  • Dichte Bebauung sorgt für Streit in Rodgau
  • Extreme Verdichtung provoziert Konflikte
  • Jügesheim: SPD und Union uneins

Rodgau –  Auch in der aktuellen Fastnacht spielt der Neubau wegen seiner aufdringlichen Nähe zu den alt eingesessenen Nachbarn eine Rolle. Die Aktiven des Jügesheimer Sport- und Kulturvereins JSK nehmen in einem Sketch besonders die Balkone ins Visier: Eine Frau betritt den Balkon und reicht dem Nachbarn gegenüber am Fenster die Hand: „Sie haben’s aber nett hier. “.

Für die CDU prangerte Max Breitenbach im Parlament an: „Ehemalige Nutzgärten werden in zweiter und dritter Reihe bebaut. Die Grundfläche wird bis aufs Letzte ausgereizt“. Die krasse Innenverdichtung begünstige Nachbarschaftskonflikte und sei der Wohnqualität abträglich.

Bauvorhaben in Jügesheim (Rodgau): Union und SPD uneins

Die Union hatte in einem Antrag vom Magistrat deshalb eine Liste aller Bauvorhaben seit 2018 mit mehr als vier Wohnungen, denen der Magistrat zugestimmt hat, verlangt. Bei Gebieten, für die kein Bebauungsplan besteht, sollten Entscheidungsgrundlagen dargelegt werden. In Gebieten mit Bebauungsplan ging es um die Frage, wie viele Bauvorhaben abweichend von den Bestimmungen des Bebauungsplans genehmigt wurden. Auch Bauvorhaben, die ohne Zustimmung des Magistrats genehmigt wurden, sollten aufgelistet werden. „Wir wollen belastbare Zahlen, um gegebenenfalls lenkend eingreifen zu können“, erläuterte Breitenbach.

Jürgen Kaiser lehnte das für die SPD ab. Im Grunde sei die SPD zwar einig mit dem Anliegen der CDU, nicht aber mit dem Weg. Man brauche keine „Beschäftigungstherapie für Verwaltung und Magistrat“. Vielmehr müsse die CDU endlich davon loskommen, Bebauungspläne abzulehnen, ja sogar „zu verhindern“. Denn B-Pläne seien durch ihre strikten Vorschriften das probateste und einzig richtige Mittel, um Bauherren zu beschränken. Kaiser ging weit in die Vergangenheit zurück, um zu belegen, wann die Christdemokraten B-Pläne hintertrieben hätten. „Ich lade Sie ein, in dieser Frage wieder rechtlich tätig zu werden.“

Jügesheim (Rodgau): Wenn jemand auch noch am Tisch sägt, wird es bedenklich

Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul zum FDP-Fraktionsvorsitzenden Heino Reckließ. Der hatte gescherzt, er sei es zwar gewöhnt, dass an seinem Stuhl gesägt werde. Jetzt wackele aber auch noch sein Tisch im Sitzungssaal.

Clemens Jäger (CDU) relativierte, dass nicht jedes Bauvorhaben zur Nachverdichtung störe. „Aber wir erleben, dass es Projekte gibt, die Bedenken auslösen, ob das tatsächlich der Wohnraum ist, den wir brauchen“. Zum Beispiel gegenüber der Triangel an der Ludwigstraße. Die CDU wolle wissen, nach welchen Maßstäben der Magistrat in solchen Fällen handele. Innerhalb des Gremiums gebe es dazu offenbar unterschiedliche Meinungen.

Das rief Bürgermeister Jürgen Hoffmann auf den Plan. Er stellte energisch klar, dass sowohl Verwaltung als auch Magistrat allein nach einem einzigen Kriterium entscheiden: „Nach Recht und Gesetz. Und nach sonst nichts.“ So halte es auch die Genehmigungsbehörde, die Bauaufsicht beim Kreis Offenbach.

Auf Anfrage unserer Zeitung hatte die Bauaufsicht jüngst bestätigt, dass gemäß den eingereichten Plänen und der Baugenehmigung alle Abstände zu Nachbarn bei dem Neubau gegenüber der Triangel korrekt eingehalten worden seien. Diese müssten am Boden drei Meter betragen. Balkone dürften allerdings einen Meter überstehen, sodass nur zwei Meter bleiben. Ästhetische Gesichtspunkte spielten bei der Beurteilung dessen keine Rolle. Also auch nicht die Frage, ob gegenüber einem Balkon ein Fenster der Nachbarwohnung sei. Eine Kreissprecherin erläuterte, dass Bauherren einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Baugenehmigung haben, sobald alle Auflagen (Abstände) erfüllt sind. Der CDU-Antrag wurde abgelehnt. Der Magistrat wird sich nicht zur Innenverdichtung äußern müssen.

Doktorhaus: Zweiter Aspekt zum Thema in Jügesheim (Rodgau)

Baulückenschluss war im Parlament am Montag das umstrittene Bauvorhaben am Doktorhaus in Dudenhofen. In namentlicher Abstimmung segneten 22 Stadtverordnete bei 20 Gegenstimmen unter anderem der CDU einen Durchführungsvertrag mit dem Investor ab. Der will dort hoch verdichtet 33 Wohnungen bauen. Eine Anwohnerinitiative wehrt sich dagegen und hat einen luftigeren Alternativvorschlag mit nur 21 Wohnungen vorgelegt.

Der Vertrag spricht nun aber wieder von maximal 33 Wohnungen und regelt zeitliche Abläufe. Der Bauherr muss zum Beispiel das denkmalgeschützte Doktorhaus binnen 24 Monaten nach Genehmigung saniert haben.

Für die CDU hatte Clemens Jäger vergeblich argumentiert, man solle doch zunächst die Abwägung der Einwendungen gegen das Projekt genau sichten und den Satzungsbeschluss des Bebauungsplans abwarten, bevor man den Vertrag mit dem Investor schließt. Es sei ein Fehler, das Papier abzusegnen, „ohne genau zu wissen, was konkret entsteht“.

Heino Reckließ versicherte für die FDP und die Mehrheitskooperation, es werde keine Entscheidung vorweggenommen. Das Parlament könne dem Investor auch später noch diktieren, kleiner zu bauen.  

bp

Die Ortsdurchfahrt Jügesheim (Rodgau) soll sicherer werden. Mit einer Kombination aus Tempo 30, Parkmarkierungen auf der Fahrbahn und einem Haltverbot will die Stadt die Situation verbessern – zunächst versuchsweise.

Ein Wunderkind aus Jügesheim (Rodgau) schafft mit 15 Jahren schon die 1,0 an der Uni - Doch eine Gleichung lässt ihm keine Ruhe.

Quelle: op-online.de

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