"Zwei Klang Rodgau"

Partylaune auf Bühne und im Saal: Konzert in der TSV-Halle dreht sich um prickelnde Getränke

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Prost! Beim Jahres-Heimspiel 2019 von „Zwei Klang Rodgau” war fast immer das ganze Orchester der Solist. Fotos: mecora

Selten war ein Konzertmotto im Verlauf einer musikalischen Veranstaltung so präsent und im Vordergrund wie am Samstag beim Jahres-Heimspiel von „Zwei Klang Rodgau” in der voll besetzten TSV-Halle Dudenhofen.

Rodgau – Selten war ein Konzertmotto im Verlauf einer musikalischen Veranstaltung so präsent und im Vordergrund wie am Samstag beim Jahres-Heimspiel von „Zwei Klang Rodgau” in der voll besetzten TSV-Halle Dudenhofen.  Auf dem Programm der Spielgemeinschaft standen Stücke, die etwas mit prickelnden Getränken zu tun hatten, die man üblicherweise in party-launiger Gesellschaft genießt, Cocktails, Longdrinks, Hochprozentiges und, klar, auch Nichtalkoholisches.

Dabei kam dem Mann, der durchs Programm zu führen hatte, eine Schlüsselrolle zu. Für Christian Massoth – hervorragender Saxofonist – war das Moderieren überdies eine Premiere. „Ich bin schon etwas aufgeregt”, bekannte er unmittelbar vor Konzertstart Pressevertretern gegenüber: „Am Saxophon war ich schon lange nicht mehr nervös wie jetzt.”

Zusätzlich traf Massoth auf erschwerte Bedingungen. Schließlich musste er bei jeder Anmoderation das Getränk zum jeweiligen Stück auf offener Bühne verkosten. All das hatte ihm Maestro Lukas Massoth eingebrockt, der das Motto „Na dann, Prost!” vorgegeben hatte. Und wo eine ausgewählte Komposition nicht recht zum Wahlspruch passen wollte, da erwartete der Dirigent bei den Konzert-Vorbereitungen von seinem Cousin Christian, dass er das thematisch beibiegt: „Du machst das schon.” Da mussten dann wie beim Ralph-Ford-Arrangement „Totaly Tina Turner” Google und Fachliteratur helfen. Und da zum Stück kein äquivalenter Cocktail zu finden war, wurde an der Bar links an der Bühne live eben schnell einer kreiert. Als Testperson deutete Christian Massoth Bürgermeister Jürgen Hoffmann heraus, der probierte und aufrichtig bewertete: „Perlig - allerdings kommt das Whisky-Aroma zu stark durch.”

Bei so viel Motto, Entertainment und zunehmend feucht-fröhlicher Rahmenhandlung mit knallendem Konfetti-Regen am Schluss trat die Musik stellenweise fast ein wenig in den Hintergrund.

Solisten traten immer nur kurz aus dem Orchester heraus in Erscheinung. Hier Leadtrompeter Rainer Panzner.

Sie war passagenweise oder komplett am besten, wenn auch sie perlen durfte. Wenn sie schunkelig schwofig, süffig schmissig, spritzig und/oder zackig sein sollte. Wie teilweise etwa bei Leo Delibes „March and Procession Bacchus” zum Auftakt des augenzwinkernd alkoholischen Abends. Oder – in vollem Umfang und sich steigernd – bei Rudolph Toombs „Cugat’s Cocktails” und dem Marsch „The Cosmopolitan” von Uwe Krause-Lehnitz nach der Pause.

Überhaupt wirkten Dirigent wie Orchester in der zweiten Halbzeit insgesamt entspannter und temperamentvoller als im ersten Konzertteil. Mitunter fast enthemmt, so, als ob auch die Ausführenden ab und zu an Cocktails genippt hätten – was nicht der Fall war. Schließlich waren die musikalischen Gäste von René Franks Brassband der Georg-Büchner-Schule Jügesheim, die nach der Pause für „Havana” auf die Bühne kamen, minderjährig. Ob es die größere Masse an Musikern ausmachte oder dass einige von ihnen nun zu zweit auf Bühnenstühlen saßen, auf jeden Fall entwickelte sich das Matt-Conaway-Arrangement des berühmten Popsongs zum absoluten Höhepunkt des Konzerts.

„Zwei Klang” groovte hier ultimativ. Qualitativ knüpfte da in der ersten Halbzeit Vincent Youmans „Tea for Two” nahtlos an. Locker durchgroovte das Orchester diesen leichtfüßigen Swing. Klasse, beides!

Breit angelegt der choral-artige Kontrapunkt zu all dem Beschwipsten, das Willy-Hautvasts-Arrangement von „Drink to Me Only with Thine Eyes”. Nach diesem besinnlichen Intermezzo war bis zum Finale, „Tequila” von Chuck Rio, wieder Spaß angesagt.

Auf dieser Stücke-Strecke zu nennen noch: das Arrangement von Alfred Reed, „My Fair Lady”, „Cha-Cha - Cuba Libre” von Günter Noris und Christian Massoths Bruder Felix als Kaffeetassen-Virtuose in Ted Huggens „Coffee Serenade”. Abschließend: zwei Zugaben, zwei stehende Ovationen.

Der Orchestersound, vom „Eventwerk Rodgau” ausgepegelt: transparent und ausgesprochen angenehm. Und die Moderatoren-Leistung? Sie war freundlich, sympathisch, charmant und gelungen.

VON MANFRED MEYER

Quelle: op-online.de

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