Eltern sind im Ungewissen

Mangelware Kita-Platz

Rodgau - „Habt ihr schon einen Kindergartenplatz?“ Die Frage ist derzeit Gesprächsthema Nummer eins unter Eltern mit kleinen Kindern. Seit etwa zwei Wochen verschicken Rodgaus Kindergärten die ersten Zusagen. Etliche Familien sind zunächst leer ausgegangen. Von Ekkehard Wolf

Für die Betroffenen bedeutet das eine quälende Ungewissheit. „Ich finde es traurig, dass Eltern so abgewimmelt werden“, meint Angelika Wade aus Jügesheim. Auf der Suche nach einem Kita-Platz rief sie acht Kindergärten innerhalb von drei Tagen an - alle ohne Erfolg. „Da ist man verzweifelt und fast am Heulen“, berichtet sie: „Von einer Kindergartenleitung bekam ich sogar gesagt, ich müsste notfalls meine Arbeit kündigen.“

Diese Odyssee durch die Kindergartenlandschaft ist kein Einzelfall. Betroffene Eltern fühlen sich vertröstet, hingehalten oder von Kita zu Kita hin- und hergeschoben. Eine Mutter aus Jügesheim, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat jetzt eine Zusage für September erhalten. Ihr Sohn wird dann drei Jahre und neun Monate alt sein. Zurzeit besucht er eine Kleinkindgruppe und blockiert dort einen Platz, auf den jüngere Kinder warten.

„Aufnahme strikt nach Alter“

Rainer Böller sucht für seine Tochter (sieben Monate) einen Platz in einer Gruppe für unter Dreijährige (U 3): „Dass unsere Tochter genommen wird, ist relativ sicher, aber wann, ist unklar. Meine Frau weiß nicht, wann sie wieder arbeiten gehen kann.“

Eltern mit zwei Kindern haben unter Umständen doppelte Probleme. Ein Jügesheimer Elternpaar erhält zwar im September den Wunschplatz in der Emmaus-Kita, sucht aber noch einen U3-Platz für das Geschwisterchen. Die Mutter macht sich kaum Hoffnung, gleich nach dem Ende der Elternzeit wieder Geld zu verdienen: „Wir müssen wohl ein halbes Jahr überbrücken.“

„Mindestens seit 2011 fehlen jährlich etwa 100 Plätze in der Kinderbetreuung“, kritisiert Stefan Wade aus Jügesheim nach einem Blick in den städtischen Kita-Bedarfsplan. Von einem „bedarfsgerechten Ausbau“ könne keine Rede sein. Das Ehepaar Wade hatte den heute zweieinhalbjährigen Sohn bereits zwei Wochen nach der Geburt in mehreren Kindergärten angemeldet. Damals sagte man ihnen, die Plätze würden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. „Heute heißt es: Aufnahme strikt nach Alter“, ärgert sich Stefan Wade.

„Run“ auf Tagesstättenplätze

„Die Eltern haben alles richtig gemacht“, bestätigt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Die Situation habe sich aber seit zwei Jahren dramatisch verändert. Bis dahin sei es nie ein Problem gewesen, dass rechnerisch Plätze fehlten - unter anderem weil etliche Eltern ihre Kinder in Betriebskindergärten (etwa bei Fraport) unterbrachten. Der starke Ausbau der U3-Betreuung in Rodgau habe jedoch einen „Run“ auf Tagesstättenplätze ausgelöst.

Zwei Faktoren erschweren laut Schüßler die Planung: der unerwartet starke Zuzug junger Familien sowie die Mehrfachanmeldung bei unterschiedlichen Kindergärten. Die Folge: Manche Eltern bekämen mehrere Zusagen, andere keine. Mit jeder Doppelzusage, die sich aufkläre, werde wieder ein Platz frei. Auch die Entscheidung der Schulen über die Aufnahme so genannter Kann-Kinder werde die Situation entspannen. Schüßler: „Ich bin mir sicher, dass wir den Rechtsanspruch erfüllen werden, wenn wir partnerschaftlich miteinander umgehen und bereit sind, Kompromisse einzugehen. Niemand soll deswegen seine Berufstätigkeit einschränken.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Im nächsten Jahr will die Stadt die Kita-Plätze zentral vergeben. Außerdem plant sie die Umwandlung des Kinderhorts Alter Weg in zwei Kita-Gruppen für je 25 Kinder, sobald die neuen Betreuungsräume an der Wilhelm-Busch-Schule fertig sind. Der Sohn von Angelika und Stefan Wade wird dann schon seit einem Jahr in den Kindergarten gehen. Seine Eltern haben für ihn jetzt zwei Kita-Plätze zur Auswahl.

Quelle: op-online.de

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