Schwarze Schafe sind zuerst dran

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Es ähnelt schon einer normalen Haarschneidemaschine, nur größer und kraftvoller: das Gerät, mit dem Schäfer Markus Metzger seine Schafe von ihrem Winterpelz befreit

Dudenhofen (chz) Viele Rodgauer, vor allem Kinder, besuchen täglich „ihre“ Schafe auf der Düne von Dudenhofen. Am Sonntag konnten sie erstmals bei der Schafschur zusehen.

Eingeladen dazu hatte Markus Metzger, ausgebildeter Tierwirt mit Schwerpunkt Schafhaltung, der im Hauptberuf vormittags als Personalcoach arbeitet. Schäfer ist er den Rest der Zeit. Auch Lebensgefährtin Maria Koser hatte keine große Wahl: „Entweder ihn mit seinen Schafen oder eben nicht. “ Sie entschied sich fürs erste und wurde der Liebe wegen zur Schafzüchterin. Dafür zog er aus dem Raum Groß-Gerau zu ihr nach Rodgau – „weil hier die Bedingungen für die Schafzucht optimaler sind“.

Markus Metzger (39) kommt aus einer Landwirtsfamilie. Der Opa war noch Vollerwerbslandwirt mit dem Schwerpunkt auf Rindern, der Vater musste das auf Nebenerwerb ändern und die Schafe kamen einfach irgendwann dazu.

35 Muttertiere und 52 Lämmer

Metzger profitiert von den Schafen für seinen eigentlichen Beruf: „Man lernt dadurch leichter, Lebewesen generell zu verstehen, Tier wie Mensch. Das ‚Limbic System’, das emotionale Bauchgefühl bei Entscheidungen, ist bei den Schafen ja noch viel ausgeprägter.“

Vor allem Eltern mit Kindern schauten der Schafschur zu oder erfreuten sich an den Schafen im Pferch, die gerne mit den Zuschauern Kontakt aufnahmen.

Derzeit besteht die Herde aus 35 Muttertieren mit 52 Lämmern. Die Hälfte etwa sind Zackelschafe mit gedrehten Hörnern. „Da bin ich der einzige Schäfer in Hessen, der diese vom Aussterben bedrohte Rasse noch züchtet. Bundesweit gibt es vielleicht fünf oder sechs Züchter.“

Alle 35 Mutterschafe zu scheren schafft Markus Metzger nicht an einem Nachmittag. Gut eine Viertelstunde braucht er für jedes Schaf. Maria Koser holt die Tiere aus dem Pferch und hilft, sie während der Prozedur festzuhalten. „Beim Wettscheren geht das natürlich schneller, aber die müssen ja auch nicht die ganzen Beugen und Falten mitscheren, die machen nur die glatten Flächen.“

Die Tiere beschweren sich nicht

Die Maschine ähnelt einem normalen Langhaarschneider, sie ist nur größer und robuster. Das Elektrokabel wird an eine Autobatterie angeschlossen. Bewegt sich ein Schaf einmal im falschen Moment und gibt’s einen kleinen Ritz in der Haut, wird sofort ein Desinfektionsmittel gesprüht. „Aber das ist selten, normal verfallen die Schafe, wenn man sie auf ihren Popo setzt, in eine Art Schockstarre und bewegen sich nicht mehr“, erzählt Maria Koser. Und dann haben die Zackelschafe ja noch die schönen Hörner, an denen man sie gut festhalten kann.

Die Tiere beschweren sich auch nicht – wissen sie doch wohl, dass die Prozedur bei der beginnenden Sommerwärme nur gut für sie ist. Blöken sie doch einmal ein sonores „Määäh“ in die Runde, kommunizieren sie nur mit ihren Lämmern im Pferch, wie Maria Koser erklärt.

Nur wenig ist Abfall

Auf der idyllischen Düne in Dudenhofen schauen ganze Familien zu, wie die geschorene Wolle in verschiedene Säcke verschwindet. Das meiste ist gute Wolle, die direkt an eine Spinnerin verkauft wird, nur wenig ist Abfall. Den Rest „kartiert“ Markus Metzger vor dem Verkauf, er kämmt also die Verunreinigungen heraus. „Wie ich mit der Wolle umgehe, habe ich in Baden-Württemberg gelernt“, erzählt er: „Seither schere ich generell auf einem Teppich, der nach mehreren Schuren immer abgekehrt wird.“ Nur saubere Wolle bringt gutes Geld.

Wenn es später einmal ans Schlachten geht, verkauft Metzger nicht nur Fleisch und Felle, sondern auch das Horn der Zackelschafe, das etwa bei Mittelalter-Fans sehr begehrt ist. „Ich bin so aufgewachsen, dass das gesamte Tier verwertet wird“, sagt Metzger. So werden die im März und April geborenen Lämmer im Herbst zu begehrtem Braten.Nicht nur für Vegetarier ist das beim Anblick der niedlichen und anschmiegsamen Lämmer ein unvorstellbarer Gedanke.

www.schafe-im-rodgau.de

Quelle: op-online.de

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