Steinkauz gibt sich die Ehre

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In freier Wildbahn selten zu sehen: ein Kauz-Junges. 

Rodgau - Käuze jeglicher Art kennen wir unter unseren Mitmenschen genügend. Ein echter Kauz, der Steinkauz, ist hingegen recht selten zu sehen.

Der kleine Eulenvogel bevorzugt als Lebensraum offenes Gelände mit einem großen Angebot an Bruthöhlen, Tagesverstecken und Sitzwarten, die in einer ganzjährig kurz gemähter Vegetation liegen. Diese Landschaftsbeschreibung passt auf Weideland und Streuobstwiesen in der Rodgauer Gemarkung.

Nur die alten Bäume mit den natürlichen Nisthöhlen fehlen. Deshalb hilft der Naturschutzbund mit montierten Niströhren nach. Sieben Mitglieder kontrollierten jetzt 18 von 25 Steinkauzröhren auf den Rodgauer Wiesen. Michel Groh, Werner Seibel, Friedel Meiß und Herbert Schmidt schleppten Leitern und Ausrüstung vom Auto über die Wiesen zu den Bäumen.

Bilder zum Steinkauz auf den Streuobstwiesen

Steinkauz auf den Streuobstwiesen

Die Röhren werden nach einem, mit der Taschenlampe beleuchteten, Blick vorsichtig geöffnet. Meist deutet der ausströmende Geruch schon auf den Inhalt hin. Der umsorgte Vogel ist nach menschlicher Auffassung nicht gerade reinlich. Etwa die Hälfte der Röhren wird als Vorratsplatz für erlegte Mäuse und Ausweichquartier des Männchens genutzt. Da kann’s dann schon mal streng riechen. Hat der Vogel seine Jungen ausgebrütet, fällt jede Menge Kot an. Der wird in den hinteren Teil der Röhre gescharrt und die Kleinen tummeln sich darin. So sehen sie auch aus und stinken entsprechend.

Die Jungvögel werden entnommen, gezählt und für Forschungszwecke beringt. Bei dieser Prozedur drücken die Vögel vor Angst oder Abwehr oft einen kräftigen Batzen Kot ab und bei Unachtsamkeit ist Kleiderreinigung angesagt. Die Jungvögel werden dann in das Eingangsloch der gereinigten Röhre gesetzt und hüpfen oder krabbeln wieder in den dunklen, hinteren Teil ihrer Höhle.

Das Beringen darf übrigens nur von einem zertifizierten Beringer der Vogelschutzwarte Helgoland vorgenommen werden. Für den Landkreis Offenbach ist dies Karl-Heinz Clever aus Offenbach. Der pensionierte Maschinenbauingenieur ist Hobby-Ornithologe und beringt seit dem Jahr 1973 Vögel.

18 Jungvögel geborgen

Insgesamt wurden bei der jüngsten Nabu-Aktion 18 Jungvögel geborgen und beringt. In der Höhle im Schäfersborn scheinen die Bedingungen in diesem Jahr besonders gut gewesen zu sein, denn es wurden sechs kräftige Jungvögel gefunden. Keiner der beteiligten „alten Hasen“ hatte je so viele Junge in einer Röhre gesehen. Der Wermutstropfen - und die Naturschützer sind sich dessen bewusst - ist, dass zwei von drei Jungvögel nicht das erste Lebensjahr vollenden werden.

Ei, wo iss er denn? Blick in eine künstlich angelegte Bruthöhle.

Heribert Klee vom Naturschutzbund und Klaus Klein vom Heimatverein Dudenhofen, die die Streuobstkooperative Rodgau organisieren, waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Sie sind sicher, dass die vorbildliche Zusammenarbeit von Streuobstbauern, Röhrenbetreuern, Landwirten und Imkern dieses gute Ergebnis erst möglich macht. Auch aufgeklärte Spaziergänger helfen, die Entwicklung im Lebensraum Kulturlandschaft zu unterstützen. Sie wissen, dass man Streuobstwiesen nicht betritt, seine Hunde dort nicht zum Geschäft hinschickt und auf keinen Fall an den Nistgelegenheiten hantiert.

Quelle: op-online.de

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