Die ungewöhnliche Biografie des Peter Schüler

Vom Soldat zum Pazifisten

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Peter Schüler VII.

Rodgau - Verblendet, gezogen und dann getrieben: dieses Schicksal teilte im Ersten Weltkrieg eine ganze Soldatengeneration. Auch der Nieder-Röder Peter Schüler gehörte zur Schar der jungen Männer an der Waffe. Von Bernhard Pelka 

Als 20-jähriger rückte er ein, wurde bei Verdun von einem Granatsplitter verwundet und kehrte 1917 nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst nachhause zurück.

Die schrecklichen Erlebnisse an der Front machten den pflichtbewussten Soldaten zum glühenden Pazifisten mit einer ungewöhnlichen Biografie. Der gelernte Metallschleifer aus einfachem Haus wurde 1945 der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Nieder-Roden. Bis zu seinem Tod im Mai 1977 stritt er für Frieden, Freiheit, Demokratie und Solidarität.

„Er war ein sehr zufriedener und dankbarer Mann“, erinnert sich Josef Herbert Spahn an seinen Opa mütterlicherseits. Spahn leitet den Heimatverein Jügesheim und hat viele Dokumente gesichert, die den Lebensweg von Peter Schüler VII. nachzeichnen: Bücher, Fotografien, einen Motorradführerschein aus dem Jahr 1949.

Als Peter Schüler in den Krieg zog, musste er seine schwangere Frau Susanne zurücklassen. Die Heirat musste warten. Während der junge Mann an der Front erlebte, wie seine Generation sich gegenseitig abschlachtete, kam in Nieder-Roden Sohn Valentin zur Welt. Das muss es gewesen sein, was Schülers Gesinnung für immer prägte.

„Er hat die ganze Sinnlosigkeit des Krieges erkannt, der Menschen tötet, Familien auseinanderreißt oder sogar zerstört“, ist Josef Herbert Spahn überzeugt. Wohl auch deshalb war Peter Schüler später so wichtig, dass die Jugend sich bildet. Bildung als der Schlüssel zu einer eigenen Meinung, die verhindert, dass man sich blenden lässt und den falschen Ideologien erliegt: das war ein Leben lang Schülers Credo.

1912 stieß er zur SPD

Ein Dokument aus dem Jahr 1946 belegt dies. Schüler schreibt am 10. Oktober als Bürgermeister in seinem Lagebericht an den amerikanischen Sicherheitsdienst CIC in Dieburg: „Wenn die Jugend auch nicht voll für ihre Haltung der letzten Jahre verantwortlich zu machen ist, so wäre es doch von großer Bedeutung, wenn dieselbe z.B. jeden Monat einen Vortrag über Völkerverständigung oder sonst ein Thema weltpolitischer Bedeutung hören könnten und ihnen so das Gift, das von Hitler eingeimpft wurde, zu entziehen.“

Peter Schüler stieß schon 1912 zur SPD. 1919 war er erstmals Beisitzer im Ortsvereinsvorstand, später 2. Vorsitzender und ab 1928 Vorsitzender. Dieses Amt übte er bis zum Verbot der Partei durch die Nazis 1933 aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten ihn zunächst die Amerikaner ins Amt des Bürgermeisters ein, 1946 und 1948 bestätigte ihn der Gemeinderat in freien Wahlen - teils auch mit Stimmen der CDU. 1952 trat der überzeugte Sozialdemokrat nicht mehr an und arbeitete wieder in seinem früheren Beruf. Diesmal bei der Firma Peter Josef Wilz in Nieder-Roden, einem Zulieferer für die Lederwarenindustrie (heutiges Lidl-Gelände an der Hainburgstraße).

Es passt zu Peter Schüler, dem bescheidenen und aufrechten Bürger, dass ihm in seinen Jahren als Bürgermeister keine Pensionsansprüche erwachsen sind. Der Bürgermeisterposten war damals ein Ehrenamt.

Quelle: op-online.de

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