Gespräch mit Thomas Murmann

Peugeot-Experte vom Coup mit Opel überrascht

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Thomas Murmann verkauft seit 26 Jahren Peugeot – und er fährt gut damit. Vom Opel-Deal war genauso überrascht wie die gesamte Branche auch.

Rodgau - Nach der Übernahme von Opel durch die Group PSA (Peugeot / Citroën) schwanken die Emotionen der Betroffenen zwischen Hoffen und Bangen.

Was wird die Zukunft bringen? Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach darüber mit einem Autoexperten, der Peugeot zumindest aus der Sicht des Verkäufers sehr gut kennt: mit Thomas Murmann, dem Geschäftsführer des gleichnamigen Peugeot-Autohauses in Nieder-Roden. Der Chef des 14-Mann-Betriebs (inklusive Abschleppdienst und Autovermietung) verkauft seit 26 Jahren Fahrzeuge des französischen Herstellers und fährt gut damit.

Was haben Sie zuerst gedacht, als Sie die Nachricht gehört haben?

Was soll das? Ich war geschockt, dass Peugeot Opel übernimmt, weil es dem PSA-Konzern in den vergangenen Jahren ja auch nicht gerade gut ging. Dann dachte ich aber: abwarten und Tee trinken. Es war dann erstaunlich, welche Dynamik in die Geschichte herein kam und wie schnell das ging. Ich glaube deshalb, dass die beiden Konzerne das schon länger geplant hatten.

Was hat Opel für die Group PSA so interessant gemacht als Übernahmekandidat? Wollen die Franzosen vielleicht bloß die bei Opel größere Kompetenz in Sachen Elektromobilität (Opel Ampera) schlucken und den Rest rasieren – schließlich gibt es in beiden Konzernen viele Fahrzeuge, die einander ähnlich sind?

Das glaube ich nicht. Ich meine, dass es weniger um die Elektrokompetenz geht, sondern vielmehr darum, in Europa nach VW die Nummer zwei zu werden. Nur wegen Elektrofahrzeugen Opel zu übernehmen – das denke ich nicht. In Deutschland zumindest sind die Leute im Kopf noch nicht so weit, dass sie Elektrofahrzeuge kaufen. Das merken wir als Händler deutlich.

Was versprechen sich Peugeothändler wie Sie von der Übernahme von Opel durch die Group PSA?

Überhaupt nichts. Der PSA-Konzern ist schon seit Jahren mit Peugeot und Citroën mit eigenständigen Händlernetzen vertreten. Und es wird auch weiterhin Händler geben, die nur Opel machen. Da sehe ich am Markt und für die Kunden keine großen Veränderungen.

Dann werden bei Ihnen im nächsten Jahr, sobald der Deal gelaufen ist, keine Opel zusätzlich im Schauraum stehen?

Nein, aber verkaufen werden wir schon welche – nämlich gebrauchte. Neue Citroën verkaufen wir ja auch nicht, und die gehören auch zur PSA-Gruppe.

Und dasselbe gilt für den Service?

Da sieht es anders aus. Beim Service muss man heute sehr breit aufgestellt sein. Wir machen deshalb schon heute den Service für alle Marken. Opel werden hier auch jetzt schon gewartet. Die Kunden sind zufrieden und kommen gern zu uns. Es gibt ja in Rodgau auch weit und breit keinen Opelhändler.

Bilder: 50 Jahre Opel-Testzentrum Dudenhofen

PSA und Opel haben bereits in der Vergangenheit zwei Modelle gemeinsam entwickelt, die parallel unter jeweils anderen Namen und mit einem unterschiedlichen Design auf den Markt kommen. Geben die Verkaufszahlen diese Doppelstrategie und Modellüberschneidung überhaupt her oder wird es nicht viel eher so sein, dass über kurz oder lang einer auf der Strecke bleiben muss?

Bei dieser Modellvielfalt ist es so, dass meist nur die Bodengruppe übereinstimmt und aus einem Haus ist. Das Fahrzeug selbst ist global ein anderes. Es gibt den klassischen Peugeotkunden und es gibt den klassischen Opelkunden. Selbst wenn diese Kunden wissen, dass unter der Opelhaube quasi ein Peugeot steckt, werden sie aus reiner Markentreue trotzdem immer wieder den Opel kaufen – eben weil sie Opel lieben. Das Gleiche kennen wir von Peugeot und Citroën. Da gibt es viel viel mehr Verwandtschaft. Trotzdem kaufen Fans von Citroën immer wieder nur den Citroën.

Opel ist durch das Testcenter in Dudenhofen mit Rodgau stark verwurzelt. Muss man sich um die Arbeitsplätze dort Gedanken machen?

Opel hat in den vergangenen Jahren in das Testcenter viele Millionen investiert und es zu einem der modernsten Testcenter ausgebaut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass PSA diese Ressource nicht nutzt. Natürlich hat PSA moderne Testcenter in Frankreich, aber das Testcenter in Dudenhofen ist sehr zentral gelegen im Rhein-Main-Gebiet. Ich glaube nicht, dass man sich Sorgen machen muss.

Quelle: op-online.de

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