Der Heilige Geist als Welt-Architekt

Was Pfarrer am Pfingstfest predigen werden

+
Ein Fenster von großer Symbolkraft schmückt die Hauskapelle von Pfarrer Dr. Peter Eckstein in St. Matthias Nieder-Roden. Hauptthema ist die Gegenwart Gottes, dargestellt in der Dreifaltigkeit (Bildmitte) mit dem Auge des Vaters, dem Kreuz und dem Heiligen Geist in Form einer Taube. Der Entwurf greift auch andere Pfingsmotive auf. Dazu gehört die Vielfalt der Rosen, in deren Zentrum, einer Blüte, die Dreifaltigkeit dargestellt ist. Gestaltet und zusammengefügt hat das Fenster die renommierte Glaserei Klotzbach aus Mühlheim.

Rodgau - Welche Gedanken stellen Pfarrer an diesem Pfingstwochenende ins Zentrum ihrer Predigten? Wir haben nachgefragt.

In der katholischen Pfarrgemeinde St. Matthias werden die Gottesdienstbesucher am Montag von Pfarrer Dr. Peter Eckstein etwas über den Sinn von Worten hören, die aus dem religiösen Sprachgebrauch stammen: zum Beispiel Einfluss oder Erleuchtung. Beide Begriffe beschreiben etwas, das von außen in die Menschen hineinkommt. Pfarrer Eckstein wird diese Erläuterung mit der Frage verknüpfen: „Von was lassen wir uns beeindrucken und beeinflussen?“ Darüber lohne es sich, nachzudenken.

Oder Erleuchtung. Ist Erleuchtung im Sinne von Aufklärung allein aufgrund der Vernunft genug? „Bestimmt nicht. denn es gibt so viel mehr, das unsere Seele bewegt“, sagt der Geistliche.

Eingehen wird Pfarrer Eckstein auch auf das Brausen, auf den Sturm, der zu Pfingsten die Erscheinung des Heiligen Geistes begleitete. Eckstein wird eine Brücke schlagen zu heutigen Stürmen – etwa zu medialen Shit-Storms im Internet, künstlich produziert nicht zuletzt von Polit-Größen wie US-Präsident Donald Trump. Über diesen Exkurs wird der Geistliche zur Kernaussage kommen: „Sobald wir uns vom Evangelium beeindrucken und erleuchten lassen, wird es mehr Seelenleben geben in unserer Zeit.“

Ähnliche Gedanken wird Pfarrer Benjamin Graf vor der evangelischen Kirchengemeinde in Nieder-Roden formulieren. Das Thema seiner Pfingstpredigt ist „Anpassung“. Das liebe Leben lang passt sich der Mensch immer wieder an, spielt Rollen. Graf wird anregen zur Frage, von was man sich bestimmen und beeinflussen lässt und von was man sich eventuell lösen kann. Grafs Fazit: „Passe dich dem Heiligen Geist an, dann kannst du auch für dich selbst im Heiligen Geist eine Marschroute finden und vorleben, die es wert ist, dass andere ihr folgen.“

Die visionäre Kraft des heiligen Geistes rückt auch der katholische Pfarrer Ulrich Engel in Weiskirchen in den Mittelpunkt. Engel sieht im Heiligen Geist gleichsam einen Welt-Architekten. Die Christengemeinde müsse nur die Notwendigkeit erkennen, sich für sein Wirken zu öffnen. Ohne diese innere Bereitschaft gehe es nicht.

Kirche erhofft sich Image-Aufbesserung nach Katholikentag

Eine ähnliche Position vertritt Pastoralreferentin Andrea Köneke von der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus in Jügesheim: „Dort, wo Gottes Geist wirkt, wird es lebendig. Alles ist in Bewegung. Alles fließt ineinander, durchdringt einander. Das Leben ist im Fluss. Dort, wo Gottes Geist wirkt, entsteht Gemeinschaft. Die einzelnen Elemente stehen nicht starr nebeneinander. Sie umschlingen sich, berühren sich, werden zur Einheit, ohne im Anderen aufzugehen. Dort, wo Gottes Geist wirkt, wird es bunt. Da entfaltet sich das Leben in all seinen Farben. Diese Harmonie ist weder eintönig noch wirr.

Dort, wo Gottes Geist wirkt, ist es gut zu sein. Die Liebe umfasst alles – ohne einzuschränken, Grenzen zu errichten, auszuschließen. In diese Liebe kann ich mich fallen lassen. (...) Dort, wo Gottes Geist wirkt, springt der Funke über. Das Feuer der Begeisterung breitet sich aus. Die Glut der Liebe durchdringt alles. Diese Botschaft lässt niemanden kalt. Ja, Gottes Geist wirkt! Wo immer wir dieses Wirken zulassen, bewirkt er alles in allem! Wo immer wir dieses Wirken zulassen, werden wir hineingenommen in die Liebe – in das Leben – in die Gemeinschaft – in den Glauben. Wo immer wir dieses Wirken zulassen, verändert er die Welt!“ (bp)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.