Prozess wegen Cannabisernte in Jügesheim

Schwunghafter Handel mit Drogen

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Bis zu 2400 Euro Erlös sprangen für die Angeklagten pro Kilo heraus.

Rodgau - Das Landgericht Darmstadt macht derzeit einem Gauner den Prozess, der als Bandenmitglied von 2000 bis 2007 in großen Werkshallen Haschisch-Plantagen angelegt hat. Eine davon an der Otto-Hahn-Straße in Jügesheim.

Enormes botanisches Geschick und einen grün-goldenen Daumen: Das bewies die Bande mit mehr als einem Dutzend Mitgliedern, die deutschlandweit Indoor-Cannabis-Plantagen in angemieteten Lagerhallen professionell und gewinnbringend kultivierte - unter anderem in Jügesheim.

Zehn der Untergrund-Farmer wurden 2008 im Landgericht Arnsberg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, drei sind in Kroatien untergetaucht. Ein weiterer Kroate, ein 40-jähriger Industriemechaniker, muss sich seit gestern vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

Angeklagter bezeichnet sich selbst als "Kampfkiffer"

Er wird beschuldigt, in Plantagen in Hanau, Mainhausen und Jügesheim bei je drei Cannabisernten mitgearbeitet und dabei satte 400. 000 Euro verdient zu haben. Per europäischem Haftbefehl gesucht, wurde er im September 2012 bei einem Grenzübertritt nach Serbien gefasst. Der gebürtige Frankfurter - selbst seit seinem 15. Lebensjahr „Kampfkiffer“ - sitzt seit 13 Monaten in Untersuchungshaft.

Vor der 12. Strafkammer zeigt er sich stoisch gelassen: „Die meisten der Mitbeschuldigten kannte ich noch aus meiner Jugendzeit in Frankfurt-Bornheim. Wir waren ständig bekifft.“ Anfangs zog man sich die begehrten Pflänzchen für den Eigenkonsum im Zimmer, auf dem Dachboden oder in der Garage. Irgendwann Ende der neunziger Jahre sei ein rauchender Kopf auf die Idee gekommen, das Ganze im richtig großen Stil aufzubauen.

Hochwasser ließ Plantagen auffliegen

„Ich brauchte zu der Zeit wieder einen neuen Job und ließ mich darauf ein.“ so der nicht vorbestrafte Angeklagte. Neben den drei Plantagen im Rhein-Main-Gebiet züchtete die Bande in Bremen, Sundern und Aßlar. Aufgeflogen ist das schwunghafte Kraut-Gewerbe bei einem Hochwasser 2007 in Mittelhessen, als die Feuerwehr die Halle in Aßlar öffnen musste.

Der 40-Jährige ist größtenteils geständig, bestreitet aber, an den ersten fünf der neun angeklagten Ernten beteiligt gewesen zu sein. Geerntet wurden 2002 bis 2004 rund 210 Kilogramm in einer Gewerbehalle in der Kleinbömerstraße in Hanau. Dem Vermieter erzählte die Bande, sie mache geheime Produkttests für die Automobilindustrie. Als es dort dann doch schließlich zu heiß wurde, verlegte man den Standort auf ein ehemaliges Fabrikgelände am Ostring in Mainhausen.

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420 Kilogramm Gras warf das blühende Geschäft von 2004 bis 2006 dort ab. Dann folgte bis 2007 die 963 Quadratmeter große Halle in Jügesheim. Hier wurde nochmal aufgestockt: Mit 8 100 Pflanzen und Gastarbeitern aus dem Ausland erntete die Bande insgesamt 1,15 Tonnen.

Der THC-Gehalt betrug jeweils elf Prozent, was einer guten Qualität entspricht. Dementsprechend attraktiv gestaltete sich der Verkaufserlös: Fürs Kilogramm erhielt man rund 2 800 Euro. Dem Industriemechaniker drohen bei einer Verurteilung fünf bis 15 Jahre Haft. Das Urteil wird Anfang November erwartet.

(gel)

Quelle: op-online.de

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