Wegen Schleifarbeiten an Schienen?

Schrilles Quietschen nervt Anwohner der S-Bahn

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Die S-Bahn ist lauter geworden. Anwohner machen Schleifarbeiten an den Schienen dafür verantwortlich.

Rodgau - Die S-Bahn ist lauter geworden. Anwohner machen Schleifarbeiten an den Schienen dafür verantwortlich.

Schnell und leise? Das war einmal. Anwohner der S-Bahn-Strecke ärgern sich über eine erhöhte Lärmbelästigung. Das rauschende Fahrgeräusch der Triebwagenzüge wird neuerdings von einem unangenehm schrillen Ton begleitet. Betroffene sprechen von einem Quietschen oder Pfeifen. Dieses zusätzliche Geräusch tritt seit etwa vier Wochen auf. Damals ließ die Deutsche Bahn die Schienen nachschleifen.

Das schrille Quietschen der S-Bahn:

Ton

Bahn-Sprecher Torsten Sälinger konnte sich gestern zum konkreten Fall nicht äußern. Generell aber diene das Schienenschleifen dazu, die Bahn leiser zu machen und Schäden an den Gleisen auszubessern. Dabei könne es „in Einzelfällen“ zu einem unerwünschten Nebeneffekt kommen: „Nach dem Schleifen befinden sich drei Zehntel Millimeter große Riefen in den Schienen.“ Dadurch könne es lauter werden. Dies aber nur für etwa drei Wochen. „Die Riefen werden plattgefahren.“ Die Bahn werde im Rodgauer Fall die Schleif- und Messprotokolle der mit den Arbeiten beauftragten Firma prüfen. „Wir schauen uns die Schleifqualität an.“ Welche Maßnahmen daraus erwachsen sei derzeit spekulativ. Die Schleifarbeiten würden in zwei Jahren wiederholt, kündigte der Bahnsprecher an.

„Eine Katastrophe“

Anwohner Hugo Schlee aus der Jügesheimer Eisenbahnstraße sagt, seit den Schleifarbeiten seien die Züge lauter als früher. „Eine Katastrophe. Die S-Bahn pfeift wie die Vuvuzelas bei der Fußballweltmeisterschaft, 130 Mal am Tag.“ „Ich kann nachts überhaupt nicht mehr schlafen“, berichtet Nachbarin Erika Jäger: „Auf Dauer kann man das nicht so lassen. Da gehen einem ja die Nerven kaputt.“

Für Heinz Sticksel ist das schrille Geräusch nur bei geschlossenem Fenster auszuhalten. Uwe Klein, ein anderer Nachbar, fühlt sich ebenfalls genervt. Die durchdringenden, hohen Töne seien kein Vergleich zum Rumpeln der alten S-Bahn-Züge, die früher auf der Rodgau-Strecke eingesetzt wurden: „Wenn mal ab und zu ein alter Zug fährt, ist es nicht so schlimm.“

Das Fahrgeräusch gehe durch Mark und Bein, berichtet Arnold Werner, der ebenfalls an der Eisenbahnstraße wohnt: „Zehn Jahre lang hatten wir keine Beschwerden und dann mutet man uns so etwas zu. Die Bahn nimmt keine Rücksicht auf die Anwohner. Man kann doch nicht die Leute drangsalieren, nur um ein paar Euro zu sparen.“ Zunächst habe er gehofft, es werde mit der Zeit besser. Doch diese Hoffnung habe sich nicht erfüllt.

S-Bahn-Jubiläum mit Dampf

Torsten Kriesche aus der Berliner Straße hat eine erhebliche Verschlechterung festgestellt. Etwa 30 Meter vom Gleisbett entfernt habe er die fahrende S-Bahn bisher nicht wahrgenommen, allenfalls Windgeräusche seien hörbar gewesen: „Die Gleisarbeiten haben in ihrer Konsequenz nun dazu geführt, dass selbst bei geschlossenem Fenster und heruntergelassenen Jalousien die Vorbeifahrt deutlich - auch in den Gleisen abgewandten Räumen - zu hören ist.“ Auch Nachbarn teilten die Sorge um fortgesetzte Störungen der Nachtruhe sowie eine beeinträchtigte Nutzung von Garten und Terrasse.

Als regelmäßiger Fahrgast der S 1 nimmt Kriesche die zusätzlichen Geräusche auf der Heimfahrt ab Obertshausen wahr: „Definitiv ist der Streckenabschnitt zwischen Bahnhof Jügesheim und Bahnhof Dudenhofen extrem laut geworden.“

Von der DB Netz AG hat Torsten Kriesche erfahren, dass seit eineinhalb Jahren die Schienen im gesamten RMV-Gebiet regelmäßig geschliffen werden, um den Verschleiß der Gleise zu verringern. Dabei würden Rillen in die Gleise eingefräst: „Beim Abrollen der Räder bildet sich in den Rillen ein Überdruck, der ein lautes pfeifendes und surrendes Geräusch generiert.“ Dieser Effekt sei der DB Netz AG bekannt, dennoch unternehme sie nichts dagegen.

Dampflok zum Jubiläum

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bp/eh

Quelle: op-online.de

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