Park-Ärger

Knöllchen kommt vom Smartphone

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Ordnungspolizist Torsten Hartmann tippt an der Nikolauskirche Jügesheim ein Knöllchen ins Smartphone ein (keine Parkscheibe). Der Strafzettel hängt zusätzlich an der Scheibe.

Rodgau - Die Stadt rüstet im Kampf gegen Falschparker auf. Ordnungspolizei arbeitet jetzt papierlos.

Sobald Christina Major ihren Hof mit dem Auto verlassen muss, hält sie die Luft an. Blockiert wieder einer meine Einfahrt oder komme ich ausnahmsweise mal raus? Seit Jahren begleitet dieser Park-Ärger die Anwohnerin der Ludwigstraße 30 in Jügesheim. Gegen Falschparker rüstet die Stadt jetzt allerdings technisch auf. Die Ordnungspolizei verabschiedet sich vom handgeschriebenen Knöllchen. Stattdessen ziehen die sieben Ordnungshüter mit dem Smartphone los. Der technische Fortschritt spart Schreibarbeit.

Schon wieder! Ein Mercedes stellt die Hofeinfahrt von Christina Major an der Ludwigstraße 30 zu. Sie hofft, dass die Stadt eine weiße Linie auf die Straße malt. Nebenan in der Rodgau-Passage gibt es genügend freie Parkplätze.

Das Smartphone überträgt die Daten ruck zuck in den Innendienst, inklusive Fotos vom Park-Verstoß oder anderen Ordnungswidrigkeiten. Dort gibt es dann nur noch eine elektronische Akte und keinen Papierkram mehr. Trotz neuer Technik finden Parksünder noch den Strafzettel hinterm Scheibenwischer. Auch die Anhörung erfolgt in der bisherigen Form. Die Smartphones sparen zwar Zeit. Trotzdem kann die Ordnungspolizei nicht überall gleichzeitig sein. Ziel der Anschaffung ist es Stadtrat Michael Schüßler zufolge auch nicht, die Fallzahlen und damit die Einnahmen zu steigern. „Wir wollen lediglich den Arbeitsablauf vereinfachen.“

Einfahrt 40 Minuten blockiert

Bezahlen müssen auch Autofahrer, die fremde Einfahrten blockieren - wie in der Ludwigstraße 30. Falschparken mit Behinderung kostet 15 Euro. „Wie kann man nur so rücksichtslos sein?“, ärgert sich die Betroffene. 40 Minuten lang versperrte ein Mercedes die Ausfahrt am Dienstag - und Christina Major musste dringend zum Arzt: „Wenn ich den Termin nicht einhalten kann, muss ich ihn bezahlen und vier Wochen warten.“ Die Mercedes-Fahrerin versuchte sich zu rechtfertigen: „Hier steht kein Schild, dass Parken verboten ist.“ Darauf Christina Major: „Das ist die dümmste Ausrede, die ich je gehört habe. Man lernt doch in der Fahrschule, dass man vor Einfahrten nicht parken darf.“

Nun hofft das Ehepaar Major, dass die Stadtverwaltung die Parkgrenze auf der Fahrbahn markiert. Die Stadt will das aber nur tun, wenn sich die Verstöße häufen. Seit Jahresanfang habe das Ehepaar fünf Fälle gemeldet, sagt Pressesprecherin Sabine Fischer: „Das ist im Einzelfall immer ärgerlich, reicht aber noch nicht, um eine Regelmäßigkeit festzustellen.“ Die Stadt schlägt vor, zunächst ein Schild ans Tor zu hängen: „Ausfahrt freihalten!“

(bp / eh)

Die irrsten Ausreden von Parksündern

Einfallsreich oder schlicht gelogen

Quelle: op-online.de

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