Gericht verhängt Geldstrafe

Schrauben in die Autoreifen gedreht

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Weil er einem Bekannten in Rodgau Schrauben in die Autoreifen gedreht haben soll, muss sich ein 29-Jähriger vor Gericht verantworten.

Rodgau - Hat ein Mann aus Eifersucht seinem Nebenbuhler Schrauben in die Autoreifen gedreht? Diese Frage musste jetzt das Schöffengericht in Offenbach klären. Von Stefan Mangold

Zu Beginn sieht es für den Angeklagten nicht gut aus. Die Staatsanwältin wirft ihm gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Er soll in Rodgau einem Bekannten Schrauben in die Autoreifen gedreht haben, um einen Unfall herbeizuführen. Im Lauf des Prozesses schwenkt die Anklage aber auf Sachbeschädigung um. Am Ende kommt der Angeklagte mit 30 Tagessätzen à 40 Euro glimpflich davon. Der 29-Jährige steht zum ersten Mal vor Gericht und wirkt nervös. Richter Manfred Beck bittet ihn, lauter zu sprechen. In der Nacht zum 3. Dezember 2015 soll er in die Reifen des Wagens eines Bekannten Schrauben gesteckt haben. Ein Unglück ereignete sich nicht. Der Eigentümer hatte sofort bemerkt, dass etwas nicht stimmt.

Der Angeklagte lässt sich zur Sache ein. An besagtem Abend sei er zu Hause gewesen, habe mit dem Wissen, am nächsten Tag nicht zur Arbeit zu müssen, eine Flasche Wein getrunken. Anschießend sei er aber noch mit dem Skateboard raus. Beim Wasserlassen im Industriegebiet habe er in einem Eimer eine Ansammlung langer Schrauben entdeckt und welche mitgenommen.

Angeklagter bestreitet Eifersucht als Motiv

Was dann folgt, klingt für Richter Beck nach einem Klassiker unter den Motiven: Eifersucht. Der Angeklagte gibt an, zwei Monate vorher eine liierte Frau kennengelernt zu haben. Das Verhältnis: platonisch. Auf dem Skateboard unterwegs, habe er das Auto ihres Freundes vor ihrer Wohnung gesichtet und sich spontan entschlossen, die Schrauben in die Reifen zu bohren. Richter Beck fragt nach, ob er sauer gewesen sein, dass die Frau von ihrem Freund immer noch Besuch erhält, obwohl sie doch behauptet habe, die Liaison sei am Auslaufen. Wenn es sich nur um eine einfache Bekannte gehandelt habe, dann hätte ihm deren „Typ“ doch egal sein können.

Der Grund für seinen Zorn sei keineswegs Eifersucht gewesen, sagt der Angeklagte: „Ich hatte mir ohnehin keine Chancen ausgerechnet.“ Aber der Freund habe ihm nachgestellt, vor seinem Haus gelauert und ihn ständig telefonisch belästigt. Das habe ihn gestresst. In Folge des Alkoholgenusses sei ihm beim Anblick von dessen Wagen der Gaul durchgegangen: „Ich habe großen Mist gebaut.“ Er habe jedoch nicht die Absicht gehabt, einen Unfall zu produzieren, sondern die Reifen so schädigen wollen, dass die erst gar nicht ins Rollen kommen. Rechtsanwalt Mario Galvano bemerkt, sein Mandant sei tatsächlich so vorgegangen, dass kein Fortkommen möglich war.

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Der Angeklagte führt weiter aus, der Geschädigte habe ihn nach der Tat weiter gestalkt. Das vermute er jedenfalls. Seine Mutter habe anonym über Whats App einen Sicherstellungsnachweis der Polizei bekommen, ein Foto von defekten Reifen. Der Angeklagte tippt, der Geschädigte habe sich über einen längeren Zeitraum an seinem Briefkasten zu schaffen gemacht. Ständig sei Post nicht angekommen, bis er den Kasten so umbaute, dass sich Kuverts nicht mehr herausziehen lassen.

Er sei bei der Polizei gewesen, habe den Mann schließlich angezeigt. Dort habe man ihm jedoch zu verstehen gegeben, man werde in Sachen Stalking erst dann aktiv, wenn der Verfolger auch nach einem Umzug immer noch weiter nachstellt. Auf dem Gerichtsflur begegnen sich alle wieder. Die Frau und ihr Freund sind nicht mehr liiert. Sie erscheint mit einem neuem Partner. Als Zeugen werden sie und der Geschädigte wieder heimgeschickt, weil der Angeklagte gesteht.

Die Staatsanwältin erklärt, ein Vorsatz bezüglich des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr habe sich nicht nachweisen lassen. Für die Sachbeschädigung fordert sie 30 Tagessätze à 50 Euro. Verteidiger Galvano zeigt sich einverstanden. Richter Beck und die beiden Schöffen sehen ebenfalls keinen Vorsatz und verhängen 30 Tagessätze à 40 Euro. Der Angeklagte gilt damit nicht als vorbestraft.

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Quelle: op-online.de

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