Mit Hindernissen experimentiert

Stadt schürt Schwellenangst

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Verkehrsbehörde lässt neue Barrieren an der Ludwigstraße montieren. Simone Lapointe, Leiterin des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit und Ordnung, mit den sogenannten Bordsteinaufkantungen, die jetzt angeschafft und montiert werden.

Jügesheim - Leitschwellen, Warnbaken, Bordsteinaufkantungen: Ein ganzes Jahr lang hat die städtische Verkehrsbehörde mit Hindernissen verschiedener Art experimentiert, um herauszufinden, was Auto-, Kleinbus- und Lastwagenfahrer an der Ludwigstraße davon abhält, den Bürgersteig zu überfahren. Von Simone Weil 

Denn die enge Ortsdurchfahrt verleitet viele Verkehrsteilnehmer dazu, bei Gegenverkehr mal schnell auf den Gehweg auszuweichen. Diesen Versuch rund um die Form gewordenen Hemmschwellen hat sich die Stadt rund 4000 Euro kosten lassen. Jetzt stellte die Verkehrsbehörde das Ergebnis der Bestrebungen vor, das Trottoir im Abschnitt der Ludwigstraße 27 bis 59 für Fußgänger sicherer zu machen: Mit Hilfe einer 1,17 Meter langen Kunststoffschwelle, aus deren Mitte ein 60 Zentimeter hohes Sichtzeichen ragt, soll verhindert werden, das Autofahrer mal eben über den Bürgersteig düsen. Die Signalfarbenkombination von Gelb und Orange sowie zahlreiche Reflektoren tragen dazu bei, dass die Verkehrshinweise selbst nachts nicht übersehen werden können.

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Die 40 bis 60 Kunststoffschwellen werden voraussichtlich ab Montag, 29. September, montiert. Der betroffene Straßenabschnitt wurde bis zu den Hausnummern 63 und 65 erweitert. Die Anwohner seien bereits informiert worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Umrüstung kostet etwa 3500 Euro.

Insbesondere zwischen Sparkasse und Rodgau-Passage kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Nur mal schnell zum Geldautomaten oder zum Brötchenkauf – Falschparker blockieren immer wieder rücksichtslos den Gehweg. Deswegen wollte die Stadt nicht länger tatenlos zusehen und startete vor einem Jahr das Experiment. Dabei wurden verschiedene Markierungsobjekte getestet: mal waren die Sichtzeichen zu klein, mal ihre Beschaffenheit nicht optimal oder ihre Lebensdauer schlichtweg zu gering. So wurden zum Beispiel die Reflektoren bei einem der Sichtzeichen relativ schnell abgefahren oder abgetreten.

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Die Initiative wurde „in der ersten Zeit etwas kritisch beäugt“, räumte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) ein. Das Stadtoberhaupt gab zu: „Wir wussten auch nicht, was der Stein der Weisen ist.“ Die bevorzugten Schwellen seien zwar kein Objekt der Stadtverschönerung, trügen aber restriktiv dazu bei, das Überfahren der Gehsteige zu verhindern.

Wie Simone Lapointe, Leiterin des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechts- und Personenstandswesen, erläuterte, habe die Initiative samt intensiven Erfahrungaustausch mit den Anwohnern bewirkt, dass das Überfahren der Gehsteige deutlich zurückgegangen sei. Darüber hinaus sei durch die Aktion deutlich gemacht worden, dass Autofahrer auf dem Bürgersteig nichts zu suchen haben. Dennoch bestehe das Problem, dass vor allem die größeren Fahrzeuge, von denen eine besondere Gefahr ausgehe, sich durch die Barrieren nicht abschrecken ließen, sagte der zuständige Dezernent Michael Schüßler (FDP): „Ob da was am Unterboden schrammt, juckt die nicht, die fahren einfach drüber.“

Quelle: op-online.de

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