Drei-Länder-See in zehn Stunden durchquert

Marathon im Bodensee

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Nur nicht aufgeben: Mit Muskelkraft und starkem Willen bewältigte Ex-Triathlet Steffen Hartig die Bodensee-Durchquerung.

Rodgau - Eine außergewöhnliche sportliche Leistung bewältigte Ex-Triathlet Steffen Hartig: Der aus Rodgau stammende 54-Jährig kraulte quer durch den Bodensee von Deutschland über die Schweiz nach Österreich. Von Ekkehard Wolf 

Mit dem Schwimm-Marathon warb er für die Initiative „Besi & Friends“ und sammelte Spenden für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung. Bei Langstreckenschwimmern ist der Bodensee bekannt und berüchtigt. Denn das Gewässer hat seine Tücken. Durch Querströmungen, Wind und Wellen kann sich die Strecke von 33 auf bis zu 36 Kilometer verlängern.
„Von der Anstrengung und vom Kopf her ist das wie ein Ultra-Triathlon“, sagt Hartig. Der mehrmalige Ironman-Teilnehmer weiß, wovon er spricht. In den Jahren 1990 bis 1993 nahm er viermal hintereinander am Ironman auf Hawaii teil, danach an ähnlichen Wettkämpfen in Japan, Kanada und Europa.

Beim Start am Montag um 8.20 Uhr in Lindau waren die Bedingungen ideal: 21 Grad Wassertemperatur, wenig Wind und Sonnenschein. In den ersten zwei Stunden legte Steffen Hartig knapp acht Kilometer zurück. Dann kam Wind von vorne und eine Strömung von der Seite. Am ersten Etappenziel in Rorschach (Schweiz) nach 15 Kilometern machten sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Kurz nach der Hälfte der Gesamtstrecke begannen Schulterschmerzen. Nach Kilometer 20 traten zusätzlich Probleme durch Aufscheuern im Neoprenanzug auf. „Dies war neben dem Kräfteverlust die größte mentale Herausforderung“, berichtet Hartig. „Schmerzen sind etwas, das man nicht gebrauchen kann. Man muss ja seinen Rhythmus schwimmen.“

Sieben Kilometer vor dem Ziel kam noch eine weitere Hürde dazu: Die Querung des neuen Rheinzuflusses mit Strömung und einer Wassertemperatur unter zwölf Grad. Leichte Krämpfe erforderten häufigere Trinkpausen, etwa alle 20 Minuten. Selbst nach vier Fünfteln der Strecke war sich Steffen Hartig nicht sicher, ob er das Ziel erreichen würde. Er setzte sich immer wieder kleine Zwischenziele: noch ein Kilometer, dann noch einer, dann noch einer . . . Nach 10:02 Stunden erreichte er schließlich den Jachthafen in Bregenz, gemeinsam mit dem Begleitboot mit Ehefrau Kerstin und Bootsführer Hubert Pröller.

Benefiz-Radtour nach Saint-Tropez

Die mentale Unterstützung vieler Freunde und der Gedanke an die Spendenaktion hätten vom Aufgeben abgehalten, berichtet Hartig: „Diese Herausforderung ist mein Beitrag für Menschen, deren Leben durch eine schlimme Erkrankung schwieriger geworden ist, die sich damit aber nicht abfinden, sondern den Kampf aufnehmen.“

Bei seinen ersten Ironman-Starts wohnte Steffen Hartig in Hainhausen. Seit 1998 lebt er in München. Er arbeitet als Vertriebsingenieur in Fürstenfeldbruck. Nach wie vor pflegt er die Verbindung nach Rodgau, auch zu Andreas „Besi“ Beseler, den er seit Langem kennt. Mit großem Respekt spricht er von den sportlichen Benefizaktionen von „Besi & Friends“: „Ich finde beeindruckend, was sie sich trotz ihrer Erkrankung vornehmen.“ Die Bodenseequerung spielte übrigens 1 000 Euro an Spenden ein.

Quelle: op-online.de

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