Streit um Kirchenbau in Rollwald

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Viel Diskussionsstoff lieferten die Modelle der drei Preisträger.

Nieder-Roden/Rollwald (eh) - Wie sieht eine Kirche im 21. Jahrhundert aus? Mit dieser Frage beschäftigten sich mehr als 50 Besucher einer Gemeindeversammlung im katholischen Pfarrheim St. Matthias.

Das Ergebnis des Architektenwettbewerbs zum Neubau der Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald hatte in der Gemeinde viele Fragen aufgeworfen.

Neben Sachfragen waren am Dienstag auch emotionale, bisweilen scharfe Töne zu hören. Nach zwei Stunden rief Pfarrer Dr. Peter Eckstein seine Gemeinde dazu auf, die bevorstehende Entscheidung des Verwaltungsrats zu akzeptieren: „Ich möchte nicht, dass Nieder-Roden Urberacher Verhältnisse bekommt. Aber das kann ganz schnell gehen.“ Für jeden Entwurf gebe es gute Argumente, aber keiner werde es allen recht machen können.

Auch für Mainz stelle das Vorhaben eine Ausnahme dar

So viel Offenheit bei kirchlichen Bauvorhaben ist im Bistum Mainz ungewöhnlich, wie Diözesanbaudirektor Johannes Krämer zu verstehen gab: „Dieser Abend ist auch für mich eine Premiere.“ Mit der Heilig-Kreuz-Kirche habe sich die Gemeinde „eine ganz besondere Bauaufgabe“ gestellt. Auch für Mainz stelle das Vorhaben eine Ausnahme dar. Dies zeige die Finanzierungszusage von 75 Prozent, üblich seien 50 Prozent.

1. Preis: Entwurf von Prof. Kuno Schneider (Trier).

Die Pfarrgemeinde hatte ausgesuchte Architekten zu Entwürfen aufgefordert. Acht Preisrichter bestimmten drei Preisträger - die ersten beiden mit 7:1 Stimmen, den dritten sogar einstimmig. Dabei habe man sich ausschließlich an Sachkriterien orientiert, berichtete Prof. Johann Eisele (Darmstadt), der Vorsitzende des Preisgerichts. Die Identität der einreichenden Architekten sei erst nach der Bewertung gelüftet worden.

Alle drei Preisträger haben einen Bezug zur Region

Alle drei Preisträger haben einen Bezug zur Region, wie am Dienstag deutlich wurde. Das Büro Kollmenter und Fink (3. Preis) sitzt in Rollwald, Wellnitz Architekten (2. Preis) sind in Offenbach und Kuno Schneider (1. Preis) aus Trier hat eine Professur an der Fachhochschule Frankfurt. Alle drei Entwürfe enthalten Flachdächer, wobei Kollmenter und Fink als Einzige den Kirchenraum mit einem Satteldach versehen - angelehnt an die ortstypischen Siedlungshäuser, wie Uwe Kollmenter erläuterte.

2. Preis: Entwurf von Wellnitz Architekten (Offenbach).

Die Flachdächer riefen einige Irritationen hervor: „Zu nüchtern“ und „undicht“ hieß es in der Versammlung. „Flachdächer haben einen schlechten Ruf, sie sind aber auch kostengünstiger“, erklärte Johann Eisele dazu.

Die Entwürfe der ersten beiden Preisträger ordnen Kirche und Gemeindesaal über Eck an. Dadurch wird der Kirchhof als Freifläche bewusst erlebbar. Der Siegerentwurf sieht zudem einen Innenhof vor: „Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann“, so Kuno Schneider.

Stephanie Wellnitz punktete bei ihren Zuhörern mit der Aussage, ihr Büro habe die Innengestaltung der Kirche inzwischen überarbeitet, „um zu zeigen, was mit diesem Raum alles möglich ist“.

Entscheidung liege ausschließlich beim Verwaltungsrat

Alle drei Entwürfe ermöglichen es, den Kirchenraum an Festtagen wie Weihnachten um das Foyer zu erweitern. Der dritte Preisträger kann zusätzlich die Wand zum Gemeindesaal öffnen.Die Lage der Sakristei und der Teeküche, Parkplätze, Behindertentoiletten und die wichtige Lichtführung in der Kirche waren weitere Themen der Versammlung.

Die Pfarrei sei frei, welchen Architekten sie mit dem Bau beauftrage, betonte Pfarrer Peter Eckstein. Auf den Wunsch nach mehr Mitbestimmung („Wir sind die Gemeinde“) entgegnete er jedoch, laut katholischem Kirchenrecht liege die Entscheidung ausschließlich beim Verwaltungsrat: „Ob wir das wollen oder nicht: Der Verwaltungsrat darf nicht nur entscheiden, er muss es sogar tun.“ Bis dahin gebe es vier Wochen Bedenkzeit.

3. Preis: Entwurf von Kollmenter und Fink (Rodgau).

Je intensiver man sich mit den Entwürfen beschäftige, umso schwerer werde ein Urteil, berichtete Eckstein. Er äußerte seine Hochachtung für die spirituelle Leistung der drei Preisträger: „Ich kann in allen drei Modellen eine ganz tiefe und ganz zeitgemäße Botschaft erkennen.“ Beifall erhielt der Pfarrer für seinen Appell, die unterschiedlichen Ansichten nicht zum Streit hochkochen zu lassen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Kirche am Ende gar nicht gebaut werde. Eckstein: „Ich persönlich habe meine Wahl getroffen. Aber wenn ich überstimmt werde, ist das für mich auch okay.“

Quelle: op-online.de

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