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Unwetter hinterlässt Schneise der Verwüstung - Wetterhahn wird abgeflext

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Spektakulär war die Bergung von Kirchturmgickel und Kreuz auf der Kirche St. Nikolaus in Jügesheim.

Das Unwetter vom Sonntag hinterließ in Rodgau eine Schneise der Verwüstung. Ein 68 Jahre alter Fahrradfahrer wurde nach Polizeiangaben nahe dem Hundesportverein Jügesheim unter einem umgestürzten Baum begraben und schwer verletzt.

Auch seine Ehefrau, die ihn begleitete, kam in ein Krankenhaus. Ein Feuerwehrmann erlitt bei der Bergung Verletzungen.

Rodgau – Mehr als 200 Einsätze musste die Feuerwehr Rodgau abarbeiten. Besonders dramatisch war die Bergung des Radfahrers. Die Helfer kamen zunächst nur bis vor die „Untere Sände“, da überall Bäume die Straßen versperrten.

Unwetter in Rodgau: Wetterhahn wird abgeflext

Sechs Feuerwehrleute – lediglich mit einer Akku-Stichsäge und einem Notfallrucksack ausgerüstet – und zwei Jugendliche machten sich am Sonntagabend zu Fuß auf die Suche und fanden das verletzte Ehepaar. Angesichts der heranrückenden zweiten Gewitterfront brachen die Helfer die Hütte des Hundevereins auf, um Schutz zu suchen. Ein Feuerwehrmann brach dabei ohnmächtig zusammen, weil der Blitz in einen Baum einschlug. Weil immer noch kein Rettungswagen den Unglücksort erreichte, ließ die Feuerwehr die B45 sperren, damit die Helfer von hinten auf das Vereinsgelände kamen und Verletzten abtransportieren konnten.

Böse erwischt hat es dieses Haus nahe dem Rewe-Verbrauchermarkt in Hainhausen. Das Dach ist wohl Totalschaden.

Spektakulär war am Dienstag auch die Bergung von Kirchtumgickel und Kreuz von der Spitze der Kirche St. Nikolaus in Jügesheim. Eine heftige Böe hatte das Wahrzeichen in Schieflage gepustet. In der Kanzel eines Spezialhubsteigers tasteten sich Feuerwehrmänner in knapp 50 Meter Höhe langsam vor, dann ein paar gezielte Schnitte mit Flex und Säge – und den hohlen Hahn war ab. Schaulustige verfolgten von unten aus, wie später auch das weit schwere Kreuz abgesägt wurde.

Elektroexperte Thomas Prössler von Schüßler & Prössler im wagemutigen Höheneinsatz.

147 Kräfte der Feuerwehr sind wegen des Unwetters im Einsatz

Allein am Sonntag gingen ab 18.14 Uhr laut Stadtsprecherin Sabine Hooke 162 Hilferufe ein. 80 Sturmopfern konnte noch am Abend geholfen werden. Montagmorgen kamen schon wieder 40 neue Meldungen hinzu. 61 Alarmrufe erreichten die Helfer wegen Problemen mit Dächern – von abgedeckt bis heruntergefallene Ziegel. In Hainhausen erwischte es nahe dem Rewe ein Haus besonders schwer. 67 Mal ging es in den Alarmrufen um Bäume.

Slalomfahrt auf der Ringstraße im Unwetter.

Am Sonntag waren 147 Kräfte der Feuerwehr im Einsatz, darunter auch Unterstützung aus Babenhausen, Mühlheim, Hausen, Obertshausen, Lämmerspiel und Maintal. Die Stadtwerke stellten einen Radlader zur Beseitigung der tonnenschweren Lasten bereit, eine Privatfirma einen weiteren.

Zertrümmerter Kleintransporter in der Spessartstraße.

Schwerpunkte der Verwüstungen war der Friedhof

Schwerpunkte der Verwüstungen waren in Jügesheim unter anderem der Rodaupark, Waldfriedhof/Wasserturm und die Gegend rund um die Haingrabenstraße. Der Friedhof musste gesperrt werden. Ebenso die Haltestelle dort. Fahrgäste müssen bis auf Weiteres die Haltestelle „Untere Sände“ nutzen. Zudem kam es im gesamten Stadtgebiet zu Verspätungen der Busse. Geschlossen bleibt heute wegen Aufräumarbeiten das Strandbad in Nieder-Roden. Auch der Friedhof Hainhausen ist dicht.

Zerstörte Schlangenskulptur im Rodaupark Jügesheim.

An der Hospizbaustelle am Wasserturm zerlegte ein Baum eine stählerne Kabelbrücke. Auch eine Dachabdichtungsbahn verflüchtigte sich. In der Nähe stürzte ein mächtiger Nadelbaum in einen Garten.

Zerfledderte Jalousien an der Georg-Büchner-Schule.

Im Rathaus drückte der Sturm im 3. Stock Fenster auf, es regnete in Büros der Personalvertretung hinein. Beim Bauern Löw blies es die Milchtankstelle um. Ausgerechnet an der Mühlstraße schlug der Sturm mit aller Wucht zu und riss die wenigen Bäume um, die dort nach Fällarbeiten wegen einer Baustelle noch stehen geblieben waren. Die Stadt teilt mit, dass wegen der Aufräumarbeiten der gesamte Wald bis auf Weiteres gesperrt ist.

Baum auf Straßenschild – das geht nicht gut.

VON MICHAEL LÖW UND BERNHARD PELKA

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Quelle: op-online.de

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