Don Quichotte gegen Windräder?

Rodgau (eh) Die Stadt Rodgau meldet fünf Waldgebiete und ein Stück Feldgemarkung als Vorrangflächen für Windräder an.

Mit der Mehrheit der Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und FW folgte das Stadtparlament dem Vorschlag des Magistrats, rund 5,3 Prozent der Gemarkungsfläche für die Nutzung von Windenergie zu benennen. Die CDU stimmte dagegen.

Die Stadt Rodgau stehe in der Verantwortung, Vorrangflächen auszuwählen, betonte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Der Regionalverband hatte im April sogar 27,68 Prozent der Gemarkung als möglicherweise windkrafttauglich dargestellt. „Wir sind mit dieser Suchraumkarte sehr bewusst umgegangen“, so Hoffmann.

Für Politiker sei die Versuchung groß, „auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, egal wohin er fährt“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger. Der Stadtverordnetenbeschluss sei überflüssig, weil er sich nicht auf die Entscheidung der Regionalversammlung auswirken werde. Jäger kritisierte nicht nur die fehlende Zuständigkeit der Stadt. Eine ganze Reihe an Fragen sei offen, etwa Energieertrag, Wirtschaftlichkeit, Lärmbelastung, Landschaftsverbrauch und Auswirkungen auf die Naherholung. Die Suchraumkarten des Regionalverbandes basierten nur auf Rechenmodellen, kritisierte Jäger: „Windkraftanlagen müssen dort errichtet werden, wo auch Wind bläst.“

Rodgau trage Verantwortung für die Region

„Auch wir waren überrascht, dass Rodgau eine solche Bedeutung zukommt“, sagte Ralf Kunert (SPD) angesichts der großflächigen Markierungen in der Suchraumkarte. Rodgau trage damit Verantwortung für die Region. Mit ihrem Versuch, Windkraftstandorte in Rodgau zu verhindern, hintertreibe die CDU die Ziele ihrer eigenen Landesregierung. „Natürlich wird jeder Investor selbst prüfen, ob es sich lohnt“, ergänzte Heino Reckließ (FDP).

Winno Sahm (Grüne) bezeichnete den CDU-Redner Jäger als „Don Quichotte von Rodgau“. Dessen „konservative Windkraftphobie“ grenze an Irrationalität. Die Union sei in der Rolle „pseudogrüner Energiepolitiker“ wenig glaubhaft, nachdem sie Jahrzehnte lang Atomkraft unterstützt habe.

Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ enthielt sich

„Wir können uns nicht um Windkraft herummogeln, wenn Windenergie hier sinnvoll geerntet werden kann“, befand Norbert Löw (ZmB). Seine Fraktion vermisse jedoch Bemühungen des Magistrats, mit offensiver Informationspolitik um die Zustimmung der Bürger zu werben.

Unstrittig war die Ausweisung von Flächen für eine Biogasanlage (neben dem Kompostplatz) und für Freiflächen-Photovoltaik (nördlich der Autobahn). Dafür hoben auch die Christdemokraten die Hände. Die Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ enthielt sich in allen drei Punkten.

Alles zum Thema Windkraft lesen Sie im Stadtgespräch

Auf Anfrage unserer Zeitung kündigte die CDU-Fraktion gestern für die erste Juliwoche ein „Stadtgespräch“ zum Thema Windenergie an.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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