Politik bestimmt Alltag

Warum junge Frauen im Stadtparlament mitmischen

+
Mitgestalten macht Spaß. Das jedenfalls finden die drei jungen Frauen aus Rodgau (von links): Patricia Knoll (SPD), Vanessa Koller (CDU), Anabelle Jäger (Grüne).

Jügesheim -   Viele Parteien suchen gerade auf lokaler Ebene händeringend nach Nachwuchs. Patricia Knoll (SPD), Vanessa Koller (CDU) und Anabelle Jäger (Grüne) engagieren sich politisch und vertreten ihre Überzeugung sogar im Stadtparlament. Von Simone Weil

Wir sprachen mit ihnen über ihre ersten Erfahrungen mit der ehrenamtlichen Arbeit. Um es gleich vorneweg zu sagen: Alle drei Nachwuchs-Politikerinnen fühlen sich trotz ihrer jungen Jahre und des Status als lokalpolitische Anfängerinnen von den erfahren Kollegen ernst genommen. Die Arbeit mache Spaß, sei extrem facetten- und abwechslungsreich, sagen sie. Sie seien von den Kollegen ermuntert worden, so lange zu fragen, bis ihnen etwa das hochkomplexe Prozedere eines Bebauungsplans klar sei. Vanessa Koller gesteht, dass sie sich anfangs gar nicht viel unter der Arbeit im Stadtparlament habe vorstellen können. Die 27-jährige Referentin Marketing und Kommunikation, die im Bau- und Sozialausschuss sitzt, findet es nun hochinteressant, mitzubestimmen, wie sich die Stadt Rodgau entwickelt.

Da geht es ihren Kolleginnen nicht anders: Die Veränderungen in der Stadt mitzukriegen, in der man wohnt, und die Nähe zu den lokalen Themen und Menschen finden sie besonders wichtig. „Davon ist jeder betroffen, da müsste sich eigentlich jeder Einwohner einbringen, dazu muss man nicht ins Stadtparlament“, meint Anabelle Jäger. Patrica Knoll (27) findet es spannend, durch die politische Arbeit „die Stadt neu kennenzulernen“: von der „Knoblauchkröte“ hatte die Studentin der Politikwissenschaft und Soziologie vorher auch nicht gehört ...

Warum kaum Interesse der Bürger an der politischen Arbeit besteht und wenig Gäste den Weg auf die Besuchertribüne im Rathaus finden, können alle drei Jung-Politikerinnen nicht verstehen. Verblüfft sind die Frauen darüber, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass das Stadtparlament tagt und sie teilnehmen können. Leider sei das auch in der Schule kein Thema, kritisiert Jäger.

Als problematisch bezeichnet es die 25-Jährige, die für die Grünen auch noch im Kreistag sitzt, dass sich allerdings die Termine manchmal arg drängen. „Der Alltag wird davon bestimmt“, findet die Jura-Studentin. Denn bei den Stadtverordnetenversammlungen bleibt es nicht, es kommen noch die Ausschusssitzungen hinzu. Außerdem müsse man sich vorbereiten, die Unterlagen lesen und auch am Wochenende bei öffentlichen Veranstaltungen immer mal wieder Präsenz zeigen. „Der Zeitaufwand ist so umfangreich wie ein Mini-Nebenjob“, findet Vanessa Koller.

Von Ostfriesland bis Mauritius: Koalitionen in der Region

Ein paar junge Leute mehr würden sich alle drei Lokalpolitikerinen wünschen. Vor allem junge Frauen zu gewinnen, fänden sie gut. „Männern wird grundsätzlich mehr Durchsetzungsvermögen unterstellt“, glaubt die Christdemokratin. Was denn der weibliche Nachwuchs mitbringen muss? „Courage, Geduld und bisschen Wissen, worauf man sich einlässt“, findet Patricia Knoll. Dass Geduld gefragt ist, weil bürokratische Mühlen langsam malen, haben alle drei Nachwuchs-Politikerinnen bereits zu spüren bekommen und sich damit arrangiert.

Je nachdem, ob sich die Partei in der Opposition befindet oder aus der Mehrheit heraus agiert, sei die Möglichkeit der Einflussnahme unterschiedlich groß, das könne manchmal auch ein wenig frustrierend sein, meinen sie. Den Damen scheint es aber eher um die Sache zu gehen, als um die Partei. Sie sprechen von „sinnvollen“ Anträgen zum Wohl der Stadt. „Das Diskutieren bringt viel“, findet Patricia Knoll. Wenn sie Bauchschmerzen mit etwas habe, sage sie das offen. Am Ende des Tages wissen die drei jungen Frauen, warum sie ihre Freizeit opfern. Sie sind davon überzeugt, dass es später einmal befriedigend sein wird, sagen zu können: „Super, dass wir dabei waren.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare