Erneuerbare Energien

Wieder Wirbel um Windräder in Rodgau

Rodgau (eh) - Lohnt sich Windkraft in Rodgau nicht? Die Entscheidung der Landesregierung (CDU/FDP), die Hürden für Windenergie höher zu legen, löst in Rodgau einigen Wirbel aus. Gegenwind kommt aus dem lokalen Mehrheitsbündnis. Die CDU hingegen sieht sich bestätigt.

„Ein schäbiger Trick, um Windräder in der Region zu verhindern“, kommentiert SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Kunert. Was CDU-Kreisvorsitzender Frank Lortz im Kreis nicht geschafft habe, habe er nun über die Landesregierung durchgesetzt. Die Erhöhung der Schwelle für Windvorranggebiete von 5,5 auf 5,75 Meter pro Sekunde (in 140 Meter Höhe) sei aus fachlicher Sicht „Nonsens, weil es um Mittelwerte geht“. Schwarz-Gelb nehme Investoren die Gelegenheit, es mit weniger Wind zu versuchen.

Regionalversammlung wird das wieder anders sehen

Der Landesentwicklungsplan führe den Gedanken an eine Energiewende ad absurdum. „Kunert: „Da hilft nur noch ein Wechsel der Landesregierung.“

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Windkraft geht im Kreis die Luft aus

Winno Sahm (Grüne) sieht die Entwicklung gelassener: „Das ist ein Zug im Spiel. Er bedroht nicht den König des Windkraft-Schachs, sondern ist eher eine Sache unter Bauern. Die Regionalversammlung wird das wieder anders sehen. Irgendwann sind auch mal Landtagswahlen.“ Sahm ergänzt: „Wenn die CDU ähnliche Kreativität und Initiative in die energetische Optimierung gesteckt hätte, wären wir wesentlich weiter.“

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Von einem Schachzug spricht auch Heino Reckließ (FDP), dessen Partei an der Landtagskoalition beteiligt ist. Die logische Folge der Kabinettsentscheidung sei der Bau riesiger Windparks in der Nordsee mit Stromtrassen quer durch Deutschland: „Dann steht die CDU wieder auf und sagt: Das sieht aber nicht gut aus.“ Reckließ’ Devise für Rodgau: „Wir werden dran bleiben, wenn wir den Zuschlag für die Vorranggebiete bekommen. Es ist doch Sache des Investors, ob sich das für ihn lohnt.“

Kritisch und sachlich mit Zukunftsthema befassen

Der CDU-Stadtverband sieht sich hingegen in seiner kritischen Haltung zu Windkraftanlagen in Rodgau bestätigt. Der Wind wehe hier zu schwach, um Vorranggebiete für Windkraftanlagen auszuweisen. Bis auf eine kleine Stelle westlich der Autobahn 3 bei Weiskirchen blase der Wind 140 Meter über Grund nur mit 5,50 Metern pro Sekunde, am Standort Rodgau im Mittel sogar nur mit 5,25 Metern.

CDU-Pressesprecher Ulrich Jung rechnet vor: „Für eine zurzeit gängige Schwachwindanlage (zum Beispiel Enercon E-101) mit 3 000 Kilowatt Leistung wäre eine Investition von 4,5 Millionen Euro einzuplanen. Diese Anlage produziert am Standort 4,5 Megawattstunden Strom pro Jahr. Multipliziert mit der Vergütung von 0,0893 Euro/kWh ergibt sich ein jährlicher Erlös von 400.000 Euro. Dem gegenüber stehen jährliche Kosten von 455.000 Euro (üblicherweise finanziert auf 20 Jahre). Etwaige jährliche Pachtzahlungen an die Gemeinde und anfallende Reparaturkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt. Betriebswirtschaftlich gerechnet, ergibt sich demnach ein jährlicher Verlust in Höhe von mindestens 55 .000 Euro.“

Nach Ansicht der CDU sollten sich die Verantwortlichen der Stadt kritisch und sachlich mit diesem Zukunftsthema befassen „und nicht im blinden Eifer auf einen in die falsche Richtung fahrenden Zug aufspringen“. Der Verzicht auf Atomstrom habe seinen Preis. Die Energiewende sei eine Herausforderung für die gesamte Wirtschaft. Ein Ja zur Windenergie sei selbstverständlich.

Quelle: op-online.de

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