Bauausschuss

Wohnblock: Kritik an massivem Neubau findet kein Gehör

Das alte Doktorhaus wird ausgeräumt, damit die Sanierung beginnen kann. Bretter und Gerümpel stapeln sich hinter dem Baudenkmal. Der Bebauungsplan steht am Montag, 15. Juni, zum letzten Mal in der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte. Sobald der Plan rechtskräftig ist, kann der Bauherr einen Bauantrag stellen Foto: Wolf
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Das alte Doktorhaus wird ausgeräumt, damit die Sanierung beginnen kann. Bretter und Gerümpel stapeln sich hinter dem Baudenkmal. Der Bebauungsplan steht am Montag, 15. Juni, zum letzten Mal in der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte. Sobald der Plan rechtskräftig ist, kann der Bauherr einen Bauantrag stellen

Am ehemaligen Doktorhaus in Rodgau soll eine Wohnanlage entstehen. Das Projekt ist höchst umstritten. 

Dudenhofen – Die geplante Wohnanlage am ehemaligen Doktorhaus ist noch einmal ein Thema im Stadtparlament. Am Montag, 15. Juni, entscheiden die Stadtverordneten darüber, wie sie mit den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung und der Behörden-Anhörung umgehen. Bereits morgen, Donnerstag, beschäftigt sich der Bauausschuss damit.

Selten hat ein einzelnes Bauvorhaben so viele Bedenken und Anregungen ausgelöst. Elf schriftliche Stellungnahmen wurden zwischen 11. März und 10. Mai 2019 eingereicht. Architekt Olaf Bäumer (Wiesbaden) hat sie im Auftrag der Stadt ausgewertet. Die Stadt ist verpflichtet, die Argumente abzuwägen. Der Beschlussvorschlag an die Stadtverordneten umfasst 30 Seiten.

Kein einziger Einwand eines Bürgers führt zu einer Änderung des Bebauungsplans, wenn das Stadtparlament diesem Vorschlag folgt. Oft heißt es: „Der Anregung wird nicht gefolgt“, „Dem Vorschlag wird nicht entsprochen“ oder „Die Forderung wird abgelehnt“. Einige Argumente der Bürger werden „zur Kenntnis genommen“, andere Einschätzungen rundweg abgelehnt.

Abgebügelt werden auch die Bedenken gegen die hohe Ausnutzung des Grundstücks. Sowohl die Grund- als auch die Geschossflächenzahl liegen über den Grenzwerten der Baunutzungsverordnung. Der Textteil des Bebauungsplans begründet das mit der angeblichen „innerstädtischen Lage“. Der Beschlussvorschlag verweist auf die Planungshoheit der Stadt: „Einer besonderen Rechtfertigung für Maßüberschreitungen bedarf es daher nicht.“

Die Vorlage an die Stadtverordneten ordnet die Argumente aus der Öffentlichkeitsbeteiligung in neun Themen ein: Baukörper/Städtebau, Doktorhaus, Erschütterungsschutz, Sichtschutz/Besonnung, Entwässerung, Verkehr, Artenschutz, Bebauungsplan/Verfahren und Allgemeines. Nur eine einzige Anregung wird umgesetzt: Der Bauherr darf erst dann mit dem Neubau beginnen, wenn er das Doktorhaus denkmalgerecht saniert hat. Dieser Passus ist nach Angaben des Magistrats in den Durchführungsvertrag mit dem Bauträger eingeflossen.

Mehr bewirkt haben die Stellungnahmen der Behörden und „Träger öffentlicher Belange“. So wird der Durchführungsvertrag im Sinn des Artenschutzes ergänzt. Zusätzliche Vorschriften im Bebauungsplan sollen Belästigungen durch Lärm (Wärmepumpen), Licht und Gerüche (Mülltonnen) verhindern. Außerdem wird die Denkmalschutzbehörde einbezogen, weil sich im Boden möglicherweise Überreste einer Römerstraße befinden.

Von Ekkehard Wolf

Quelle: op-online.de

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