Rodgauer Bildungsmesse

Viele Schüler noch unentschlossen

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Nieder-Roden - Sechs Stunden geballte Information rund um Beruf und Studium bot die Rodgauer Bildungsmesse am Samstag. Schüler und Eltern pilgerten scharenweise durch die Sporthalle Wiesbadener Straße und die Heinrich-Böll-Schule. Von Ekkehard Wolf 

Mehr als 140 Aussteller umwarben die Schulabgänger. Auf die Fülle des Angebots reagierten manche Eltern fast ein bisschen neidisch: „So etwas hätte es zu unserer Zeit geben müssen!“. Diese Bildungsmesse ist aus Sicht der Veranstalter einzigartig: „Die einzige kommunale Messe für Berufsausbildung, Studium und Weiterbildung in der Rhein-Main-Region“, wie die Stadt Rodgau betont. Aber ob die Zielgruppe diese Einzigartigkeit auch zu würdigen weiß? Die Schulen gehen lieber auf Nummer sicher und schicken ihre Zöglinge mit sanftem Zwang zur Berufserkundung. Mit ihren Fragebögen klappern die Schüler die Stände ab, stellen immer wieder dieselben Fragen und bleiben doch nur an der Oberfläche.

Wer echtes Interesse zeigt, bekommt die besseren Antworten. An etlichen Ständen stehen die Ausbildungsleiter für Auskünfte bereit – kompetenter geht es nicht. Andere Unternehmen haben ihre Auszubildenden zur Bildungsmesse entsandt. Die jungen Leute begegnen den Schülern auf Augenhöhe. Sie sprechen nicht nur dieselbe Sprache, sondern sie waren vor ein paar Jahren in der gleichen Situation. Dass sie jetzt schon fast „Profis“ sind, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Viele Azubis am Messestand erzählen begeistert von dem Beruf, den sie erlernen.

Feinmotorik ist gefragt

Zum Mitnehmen gibt es nicht nur Informationen und neue Erkenntnisse, sondern auch kleine praktische Dinge: Kugelschreiber, Radiergummis und Locher für Arbeitsblätter in der Schule. Auch Gummibärchen und Eis am Stiel finden dankbare Abnehmer. Und natürlich stapelweise Handzettel und Prospekte. Die Tragetaschen füllen sich wie von selbst.

Von den Cheerleadern bis zum Kunstschmied gibt es im Freien viel zu sehen. Bei Gerd Steinle meißeln und feilen junge Besucher nach Herzenslust an Porenbetonsteinen herum. Wer es anspruchsvoller will, kann bei den Dachdeckern Schieferplatten mit dem Hammer in Form bringen: Ein falscher Schlag und die ganze Platte ist kaputt. Feinmotorik am Lötkolben ist bei der städtischen Jugendarbeit gefragt.

Dass das Handwerk im Fokus steht, ist nicht zu übersehen. Ein Zelt mit Handwerksberufen ist so geschickt platziert, dass der kürzeste Weg zwischen Sporthalle und Schule genau hindurch führt. Es gebe „viele spannende Berufe im Handwerk“, wirbt Bernd Ehinger, der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Frankfurt-Rhein-Main. Derzeit gibt es im Kammerbezirk etwa 13.000 Auszubildende in 120 Berufen von A (Augenoptiker) bis Z (Zweiradmechaniker). Um den Nachwuchs zu sichern, fordert er eine stärkere Verzahnung zwischen Schule und Wirtschaft. Dabei seien beide Seiten gefordert: Die Betriebe müssten Praktika und Schnuppertage anbieten, die Schulen sollten mehr berufliche Orientierung vermitteln. Ehinger: „50 Prozent der Abiturienten wissen noch nicht, was sie machen wollen. An dieser Schraube müssen wir langsam mal drehen.“

Bildungsmesse in Nieder-Roden

Bildungsmesse in Nieder-Roden

Die Heinrich-Böll-Schule geht mit gutem Beispiel voran. Schulleiterin Andrea Haus unterzeichnet eine Kooperationsvereinbarung mit der Kreishandwerkerschaft. Darin verpflichten sich beide Seiten, Schülern möglichst früh einen umfassenden und realistischen Einblick in Bewerbung, Berufsbilder und Betriebsabläufe zu bieten. Dazu gehören tage- oder wochenweise Betriebserkundungen ab der 7. Klasse, Vorträge und Workshops in der Schule und die Vermittlung von Ferienjobs, Praktikums- und Ausbildungsplätzen.

Quelle: op-online.de

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