Rodgauer Firma macht den Arztbesuch sicher

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Die ITSG (hier Geschäftsführer Harald Flex) vergibt auch die neue Krankenversichertennummer, die man in Zukunft für die elektronische Gesundheitskarte brauchen wird. Aktuellstes Projekt aber ist ELENA, ein Verfahren, das den Papierkrieg zwischen Arbeitnehmern und Arbeitsagenturen überflüssig macht. Januar 2012 geht es an den Start.

Weiskirchen - (bp) Die Informationstechnische Servicestelle der Gesetzlichen Krankenversicherung (ITSG) ist eine Perle unter den Rodgauer Unternehmen. Nicht so sehr, was die Zahl der Mitarbeiter betrifft (es sollen in den nächsten Monaten zehn bis 20 neue hinzu kommen). Doch die Arbeit am Weiskircher Firmensitz ist hochqualifiziert.

Die ITSG entwickelt Verfahren für den sicheren Datenaustausch etwa zwischen Krankenkassen, Arbeitgebern und Leistungserbringer wie zum Beispiel Ärzten, Apotheken, Krankenhäuser, Physiotherapeuten.

Was Rodgauer Ärzte verschreiben, läuft über den Umweg Abrechnungszentren und Krankenkassen anonymisiert und verschlüsselt an der Daimlerstraße auf. Diese Daten wiederum dienen den Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen als Grundlage für die Kontrolle der Arzneimittel- und Hilfsmittelverordnungen.

Aktuellstes Projekt der ITGS aber ist ELENA. Nach acht harten Jahren Vorarbeit hat die Firma im Auftrag und zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium ein ausspähsicheres Verfahren zum elektronischen Entgeltnachweis – kurz ELENA - zur Gesetzesreife gebracht. Dieses Verfahren entlastet die Unternehmen in der Bundesrepublik jährlich um 85 Millionen Euro Bürokratiekosten.

Was steckt hinter ELENA? Ob Antrag auf Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Wohngeld: immer muss der Arbeitnehmer bei seinem Arbeitgeber eine Bescheinigung (davon gibt es etwa 100 verschiedene) verlangen. Diese wird dann in der Regel von Hand auf Papier ausgestellt. Das von der ITSG entwickelte Verfahren macht diesen Papierkrieg zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Arbeitsagenturen überflüssig.

Am 6. März hat der Bundestag dem Entwurf des Gesetzes über das Verfahren des elektronischen Entgeltnachweises (ELENA-Verfahrensgesetz) zugestimmt. Demnach übermitteln Arbeitgeber ab Januar 2010 die Entgeltdaten ihrer Beschäftigten verschlüsselt an die Zentrale Speicherstelle im Hause der Deutschen Rentenversicherung nach Würzburg. Die separate Registratur der Teilnehmerschlüssel verwaltet indes die ITSG. Sie pseudonymisiert die Identität der Verfahrensteilnehmer vor der Speicherung. Dadurch können die gespeicherten Personendaten ohne Zustimmung der Verfahrensteilnehmer weder einer Person zugeordnet noch sonst Form genutzt werden. Heißt: Die ITSG baut den Sicherheitsschlüssel zum Datenschloss.

„ELENA ist ein Meilenstein in Sachen Entbürokratisierung. Die Behörden können - nach Zustimmung des betroffenen Bürgers - alle relevanten Daten zur zügigen Antragsbearbeitung elektronisch abrufen. Der Bürger muss zuvor sein Einverständnis mittels einer Signaturkarte geben“,erklärt Geschäftsführer Harald Flex und ergänzt: „Dieser Vorgang ist vergleichbar mit einer Zahlung mit einer ec-Karte. Die Bearbeitung erfolgt elektronisch ohne lästige Wartezeiten und ohne das Ausfüllen von Papierformularen. Obendrein erhält der Arbeitgeber keine Kenntnis von einem Antrag auf soziale Unterstützungsleistungen.“Nach einer Phase der Datenerhebung wird das ELENA-Verfahren ab Januar 2012 für den Zugriff durch die Behörden freigeschaltet. Erst dann brauchen Bürger die Signaturkarte.

Allerdings ist die Stadt Rodgau in Gefahr, das renommierte Unternehmen zu verlieren. Die ITSG trägt sich mit Abwanderungsgedanken. Harald Flex und seiner Mannschaft ist der Standort an der Daimlerstraße 11 zu klein geworden. In Rodgau aber, so klagt der Firmenchef, habe er kein angemessenes neues Quartier gefunden. Zudem mangelte es bis vor kurzem an der notwendigen Infrastruktur. Es fehlten leistungsfähige Breitbandanschlüsse ans Internet. Zwar verfügt die ITSG ersatzweise über eine Richtfunkstrecke. Trotzdem wurde das Rechenzentrum der Firma nach Frankfurt ausgelagert. Zwischenzeitlich kann die Telekom auch im Industriegebiet Weiskirchen einen Breitbandanschluss anbieten - leider zu spät.

Quelle: op-online.de

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