Bedauerliche Fundtiere

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Wer könnte so einem treuen Hundeblick widerstehen?

Rodgau/Dreieich - Ferienzeit ist Urlaubszeit. Und für so manchen treuen Vierbeiner bedeutet das nichts Gutes. Den klassischen Fall, dass Menschen ihre Haustiere auf dem Weg in den Urlaub auf der Autobahnraststätte Weiskirchen aussetzen, gibt es leider immer noch. Von Peter Petrat

Um solche Tiere muss sich dann die Stadt kümmern.

Früher wurden die entlaufenen und ausgesetzten Tiere zunächst einmal auf dem Bauhof untergebracht. Inzwischen bringen aber zehn Städte und Kommunen aus den Landkreisen Offenbach und dem Main-Kinzig-Kreis ihre Fundtiere ins Tierheim Dreieich. Auch die Stadt Rodgau. Aktuell sind sechs Hunde, acht Katzen und acht Kleintiere aus Rodgau in Dreieich beheimatet. 2011 kamen 31 Fundtiere zusammen.

Betrieben wird das Tierheim vom Verein „Tierheim Dreieich e.V.“, in dem alle zuliefernden Städte zahlende Mitglieder sind. Auch Polizeistationen und Bürger dürfen dort Fundtiere einliefern.

Besitzer schnell überfordert

Vereinsvorsitzender Manfred Weil nennt den Sommer als besonders schwere Zeit für Vierbeiner, insbesondere für Katzen. Denn dies sei die Zeit, in der viele Jungtiere zur Welt kommen und Katzenbesitzer schnell überfordert seien. „Bei uns werden Katzen kastriert, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern“, erklärt er. Katzen seien zwar pflegeleichter als Hunde. „Zu Hunden haben ihre Besitzer in der Regel aber eine deutlich engere Beziehung“, sucht Weil eine Erklärung dafür, dass mehr Katzen abgegeben werden als Hunde. „Hunde werden besonders in Familien mit Kindern als ein Familienmitglied angesehen.“ In Dreieich ist für bis zu 45 Hunde und 60 Katzen Platz.

„Jacky“, „Lucky“, „Sternchen“, die einzelnen Namen an den Boxen und Gehegen stehen jeweils für ein tierisches Schicksal. Wie verrückt fangen die meisten Hunde an zu bellen, springen hin und her, wenn man an den Gittern vorbei geht. Das soll wohl heißen: Hol mich hier raus. Spiel mit mir. Lass mich dein Freund sein!

Die Tiere hoffen täglich darauf, dass sich jemand ihrer annimmt und ihnen ein neues Zuhause gibt. Erst hegt und pflegt man sie, liebt sie, spielt mit ihnen, und dann werden Hunde, Katzen und andere Lieblinge einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen - ein grausamer Gegensatz. „Dabei wäre es für alle besser, wenn die Besitzer sie ehrlich bei uns abgeben würden“, erklärt Manfred Weil. „Denn dann wüssten wir über Erziehung, Krankheiten und Besonderheiten, etwa Details zum Umgang mit Kindern, Bescheid.“

Besser abgeben als aussetzen

Besonders Listenhunde seien nur schwer zu vermitteln. „Besonders dann, wenn wir nichts über sie wissen. Natürlich können sie ebenso brav und gut erzogen sein wie jede andere Hunderasse, dennoch sind es Problemfälle.“ Im Tierheim Dreieich kümmern sich Hundetrainer um diese Tiere und führen sie meist zum Wesenstest.

Zwar sind die Katzen, Hunde, Vögel und Ratten auf dem 8200 Quadratmeter großen Gelände mit eigener Quarantänestation, Freigehegen und Auslaufflächen erst einmal gut versorgt. Doch so viel Mühe sich die fünf Beschäftigen und vielen ehrenamtlichen Helfer geben, bliebt niemals ausreichend Zeit sich um alle Tiere so zu kümmern, wie es ein Herrchen oder Frauchen tun könnte.

„Wer einem Tier ein neues Zuhause geben will, der sollte sich zuerst einmal informieren und sich klar darüber werden, welches Tier man haben möchte“, mahnt Mitarbeiterin Patricia Demuth. Denn nicht immer sei der schönste Hund auch der, der am besten zu einem passe. Die verschiedenen Rassen können sich in ihren Anforderungen deutlich unterscheiden. Manche brauchen etwa mehr Auslauf als andere. Gerne berät die Tierpflegerin mit ihren Kollegen Interessenten. Denn nur, wenn am Ende Tier und Besitzer zufrieden sind, kann die Vermittlung langfristig Erfolg haben.

Wenn die Wahl auf einen Hund gefallen ist, dann wird damit begonnen, das Tier zum Gassigehen auszuführen. Wie muss ich meinen Tag umstellen? Um sich daran zu gewöhnen, gibt es eine Übergangsphase, in der das Tier etwa über das Wochenende mit nach Hause genommen wird. Dreimal am Tag bei Wind und Wetter raus mit dem Hund kann sehr anstrengend sein. Zum Abschluss des Vermittlungsprozesses besucht ein Helfer des Tierheims den neuen Besitzer zuhause und versichert sich noch einmal, dass das Tier in eine geeignete Umgebung kommt.

Für die Vermittlung wird eine Schutzgebühr erhoben, die in den meisten Fällen aber nicht einmal alle notwendigen Impfungen deckt, die das Tier erhalten hat. „Diese Kosten hätte man als Herrchen auch gehabt“, so Weil. „Wir wollen mit den Kosten niemand abschrecken und keine Vermittlung verhindern, aber dennoch einen Wert abbilden, den man in sein neues Tier investiert.“

Quelle: op-online.de

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