Rodgauer helfen Audi und Co.

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Stephan Kegelmann zeigt in seiner Firma im Rodgau ein sogenanntes Presswerkzeug und Kunststoffteile, die damit hergestellt wurden.

Rodgau - „Wenn man in Wolfsburg der Meinung ist, das gefällt nicht mehr, hier muss was Neues her, dann freut uns das“, erklärt Stephan Kegelmann. „Denn das bedeutet Arbeit“, fügt der Geschäftsführer von Kegelmann Technik hinzu. Von Marc Kuhn

Sein Rodgauer Unternehmen mischt bei der Entwicklung im Automobilbereich kräftig mit. Es produziert Teile für Prototypen und Modelle für Fahrzeuge bevor deren Produktion beginnt und ist somit eng in die Planungsphase eingebunden. Zu den Hauptkunden zählen Daimler und Audi. Zudem arbeitet Kegelmann Technik für alle namhaften Zulieferer in der Branche wie Magna und Delphi. Ein wichtiger Kunde ist auch die Firma Continental, die unter anderem in Babenhausen eine Dependance hat. „Wir stellen alles her, was aus Kunststoff produziert wird“, sagt der Geschäftsführer. Dazu zählen zum Beispiel Stoßfänger, die Mittelkonsole, Lenkräder, Sitzverkleidungen, Scheinwerfer und die Klimaanlage eines Autos. Im vergangenen Jahr ist mit etwa 75 Mitarbeitern ein Umsatz von knapp 7 Millionen Euro erwirtschaftet worden, wie Kegelmann berichtet. 2009, im Krisenjahr, sei die Abhängigkeit von der Automobilindustrie ein Fluch gewesen. Die Erlöse brachen um rund 30 Prozent ein. Elf Monate ließ Kegelmann kurzarbeiten. Seine Mitarbeiter hat er aber alle gehalten. Trotz Stabilisierung glaubt er, dass die Krise in der Branche noch nicht überwunden ist. „Im Rahmen der Globalisierung sind die Preise enorm unter Druck“, erläutert Kegelmann. Kopfzerbrechen bereitet ihm nicht nur die Konkurrenz in Asien. Die Subventionspolitik im Osten der EU ist dem Unternehmer ebenso ein Dorn im Auge. „Unser Vorteil ist jedoch die Flexibilität und Schnelligkeit bei höchster Qualität“, sagt Kegelmann.

Zwischen Konstruktion und Serienfertigung

Wenn der Diplomingenieur die Aufgaben seines Unternehmens erläutert, skizziert er eine Zeitschiene für die Entwicklung von neuen Automodellen. „Es dauert drei Jahre, bis die Produktion beginnt.“ Vor 20 Jahren seien es noch sieben Jahre gewesen. Zunächst beschäftige sich der Hersteller mit Design und Konstruktion des Fahrzeugs. „Nach der virtuellen Welt kommen die physischen Modelle“, erklärt Kegelmann. „In diesem Bereich bewegen wir uns, genauer gesagt: zwischen Konstruktion und Serienfertigung.“ In dieser Phase dreht sich weitestgehend alles um den Test der künftigen Autos. Funktionsmodelle und Prototypen werden hergestellt. So würden beispielsweise Prototypen von Stoßfängern für die aktuellen Audis gebaut, um sie dem Vorstand zu präsentieren. In der nächsten Phase seien dann andere Fertigungstechniken nötig, weil bereits sogenanntes Serienmaterial verbaut werde, berichtet Kegelmann. „Und auch diese Techniken haben wir in unserem Haus.“ Zu diesem Zeitpunkt wird das Fahrzeug mit Kegelmann-Teilen beispielsweise diversen Funktionstests bei unterschiedlichen Klimabedingungen unterzogen. In der Entwicklung müsse alles sehr flott gehen, erläutert der Geschäftsführer. „Wir haben eine hohe Fertigungstiefe, denn Schnelligkeit ist, was zählt bei der Prototypenherstellung.“ Nach den von Kegelmann Technik begleiteten Phasen der Produktentwicklung beginnt bei der Automobilindustrie die Serie. „Unser Wirkungsbereich findet hier seinen Abschluss.“

Unternehmen hat sich ständig erweitert

Für die Herstellung der Modellteile setzen die Rodgauer spezielle Techniken ein. „Audi zählt auf uns“, sagt Kegelmann. „Als ich mich 1989 selbstständig machte, stieß ich auf die „Stereolithographie.“ Bei dem einst in den USA entwickelten Verfahren wird ein 2-D-Bild wie von einem Computertomographen abgescannt und in das Modell verwandelt. „Das war damals eine absolut neue Technologie“, die der gelernte Modell- und Formenbauer auf einer Messe entdeckte. Kegelmann berichtete seinem Vater davon, der sich in der Entwicklungsabteilung von Ymos mit komplizierten Geometrien beschäftigte. „Er sagte, das ist die Zukunft. Das machen wir.“ In einem Kellerraum in Hanau machte sich Kegelmann, der Kunststofftechnik studiert hat, schließlich selbstständig. 1992 zog seine Firma nach Obertshausen, 1997 nach Jügesheim um. Auf dem Areal an der Gutenbergstraße hat sich das Unternehmen ständig erweitert und arbeitet mittlerweile auf einer Produktionsfläche von etwa 4 000 Quadratmetern. Ein entscheidender Schritt für die Entwicklung des Unternehmens sei die Einführung der Lasersintertechnologie gewesen, erinnert sich Kegelmann. „Mechanisch belastbare Funktionsteile, wie sie für Tests benötigt werden, können so quasi über Nacht gebaut werden. Das hat unsere Firma nach vorne gebracht. Dieses Verfahren - auch Rapid Manufacturing genannt - ist zugleich für die Produktion von Kleinserien geeignet, die wir unter anderem für Bugatti, Bentley oder Daimler hier in Rodgau fertigen“, berichtet Kegelmann. „Mit dieser Technologie erschließen wir neue Märkte.“

Quelle: op-online.de

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